Die dritte Plattform

Bewegliche Grenzen der Unternehmens-IT von morgen

Daniel Liebhart

Mobile Geräte etablieren sich immer stärker als vollwertige Arbeitsmittel. Doch ganz gleich, ob Laptop, Tablet oder Smartphone: Der Einsatz bleibt nicht mehr nur auf Außendienstmitarbeiter beschränkt. Das bedeutet, dass die Unternehmens-IT, respektive ihre Grenzen, immer mehr mitwandern müssen – je nachdem, wo sich Mitarbeiter gerade aufhalten und wann sie gerade arbeiten. Datenhaltung, Sicherheit, Maintenance – die Anforderungen der so genannten „dritten Plattform“ verändern die Art und Weise, wie Anwendungen geplant, umgesetzt und betrieben werden. Worauf ist dabei zu achten?

Bis im Jahr 2015 werden laut Schätzung der Analystenfirma IDC rund 1,3 Milliarden Menschen mobile Technologie als Arbeitsinstrument nutzen. Das sind etwas mehr als ein Drittel aller Arbeitenden. Und die sollen noch produktiver als die nicht-mobilen werden. Im selben Jahr werden laut einer Studie von Cisco 25 Milliarden Geräte über das Internet in irgendeiner Art und Weise miteinander verbunden sein (Fahrzeuge sind hier noch gar nicht mitgezählt). Darüber hinaus sagen die Analysten voraus, dass künftig insgesamt knapp acht Zettabytes Daten gespeichert werden – heute sind es bereits 2,7 Zettabytes. Das Wachstum der Daten auf mobilen Geräten wird jedoch ungleich höher ausfallen. Der Trend ist eindeutig und durch nichts mehr aufzuhalten. Das hat Konsequenzen auf verschiedensten Ebenen: für den Einzelnen, für die Gesellschaft und nicht zuletzt für die Unternehmens-IT, die dafür verantwortlich ist, dass die Angestellten möglichst effektiv arbeiten können.

Produktivitätssteigerung dank Mobile Workplace

Bereits seit Jahren wird versucht, durch innovative Modelle die Arbeitsproduktivität und Motivation von Mitarbeitern zu steigern. Das geschieht unter anderem durch internationale Initiativen wie den „High Performing Workplaces“, die in Ländern wie Irland, Kanada, England oder Neuseeland sogar auf nationaler Ebene lanciert wurden. Auch in Europa startete man mit den Initiativen zur Verbesserung der so genannten „Work-Life-Balance“. All diese Projekte basieren auf zwei einfachen Erkenntnissen:

  1. Je flexibler eine Tätigkeit gestaltet werden kann, desto produktiver wird sie ausgeführt.
  2. Menschen sind so genannte „Knowledge Worker“ – die Produktivität und der demokratische Zugriff auf Informationen stehen in einem direkten Zusammenhang.

Beide Faktoren werden von mobilen Arbeitsplätzen positiv beeinflusst, denn Menschen können damit überall und jederzeit arbeiten. Sie sind also flexibler und können stets auf alle Informationen zugreifen, die sie für ihre Arbeit brauchen. Die Analysten der Aberdeen Group sprechen sogar von einer Produktivitätssteigerung von bis zu 45 Prozent, wenn Angestellte zur Erledigung ihrer Arbeit mobile Anwendungen verwenden durften. Die im letzten Jahr durchgeführte Umfrage unter 240 Unternehmen ergab eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Geschäftsprozesse um 44 Prozent. Die Gründe dafür lagen in der verbesserten Kommunikation und Zusammenarbeit im Team, der schnellen Bereitstellung handlungsrelevanter Informationen sowie der Optimierung des Kundenkontaktes durch mobile Software.

Der flüssige Arbeitsplatz

Der „flüssige Arbeitsplatz“, wie der mobile Arbeitsplatz der Zukunft auch genannt werden kann, wird schon bald aus nicht weniger als sechs verschiedenen Geräten bestehen. Das besagt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Vanson Boume im Auftrag der Firma Citrix, die vor Kurzem veröffentlicht worden ist. Und er wird sowohl für Unternehmen als auch für die Angestellten eine Vielzahl von Vorteilen aufweisen. Mitarbeiter erwarten vom mobilen Arbeiten eine höhere Flexibilität, mehr Produktivität, geringeren Reiseaufwand, bessere Work-Life-Balance und mehr Zeit für den Kunden. Unternehmen hingegen versprechen sich flexiblere Arbeitsplätze, weniger Kosten für Immobilien und für Reisen und eine höhere Attraktivität für Fachkräfte sowie eine verbesserte Mitarbeiterbindung. Das ist mit handfesten Zahlen belegt: Nur etwas mehr als 50 Prozent der Angestellten arbeiten gerne vom Firmenschreibtisch aus, mehr als 60 Prozent würden die Arbeit im Home Office bevorzugen. Die Bürofläche wird bis zum Jahr 2020 um 14 Prozent kleiner, und damit entfallen die entsprechenden Kosten für Immobilien. So werden in Deutschland nur noch knapp acht Schreibtische für 10 Mitarbeiter notwendig sein. Wie ein Arbeiten mit dem flüssigen Arbeitsplatz in Zukunft konkret aussehen könnte, illustriert auf wunderbare Art und Weise der Film „Productivity Future Vision“ von Microsoft [1].

Nur wenige sind „Mobile Ready“

Die Unternehmens-IT wird heute als Unterstützung der betrieblichen Tätigkeit verstanden. Sie soll Geschäftsprozesse – ganz gleich ob wertschöpfende Haupt- oder Supportprozesse – durch Bereitstellung von Informationssystemen unterstützen. Mobiles Arbeiten verändert diese Geschäftsprozesse grundlegend, da sie nun überall und jederzeit ausgeführt werden können. Das bedeutet, dass die unterstützenden IT-Funktionen an jedem Ort und rund um die Uhr einsatzbereit sein müssen. Eine orts- und zeitunabhängige Bereitstellung von Anwendungen und Daten ist daher unabdingbar. Die Realität der betrieblichen Informationssysteme sieht derzeit jedoch etwas anders aus: Fast jedes Unternehmen verfügt über einen historisch gewachsenen „Zoo“ von Systemen und Technologien, die meisten sind weit davon entfernt, auch nur ansatzweise „Mobile Ready“ zu sein. Zahlen wie im Report „Is there still life in CICS?“ der Firma H&W wie auch Mainframe-Statistiken von IBM geben zu denken, da immer noch weit über die Hälfte der geschäftskritischen Daten auf sehr alten System gespeichert sind. Gerade in sehr IT-lastigen Branchen wie beispielsweise dem Finanzbereich oder der öffentlichen Verwaltung sind solche Systeme weit verbreitet. Dazu kommt in nicht wenigen Firmen das Nebeneinander von in die Jahre gekommenen, dezentralen Technologien und Infrastrukturen auf Basis von Open Source, Java und Microsoft. Jedes Unternehmen, das die Informationstechnologie in größerem Umfang nutzt, ist also gut beraten, ein „Mobile-Ready-Programm“ zu starten. Dieses sollte auf den Ebenen der bestehenden, zentralen Infrastruktur, Datenzugriff und mobile Geschäftsanwendungen konsequent dafür sorgen, dass mobile Geschäftsprozesse möglichst umfassend unterstützt werden können.

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Konsequenz 1: Die dritte Plattform

Eine weitgehende Unterstützung des mobilen Arbeitens ist nur in Kombination mit der entsprechenden IT-Infrastruktur denkbar. Das setzt voraus, dass die Informationen – und damit auch die Daten – in einer geeigneten Infrastruktur sicher, schnell und zeitnah gespeichert werden und jederzeit zur Verfügung stehen. Der Ausbau der mobilen Netzwerke allein reicht hier nicht aus, sondern mobiles Arbeiten erfordert die Bereitstellung einer völlig neuen Art von Plattform, die über bisherige Unternehmens-IT hinausgeht. Die Analysten der Firma IDC sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „dritten Plattform“, die im Gegensatz zu Mainframe (erste Plattform) und Desktop (zweite Plattform) mehr als nur eine Kombination darstellt, wie wir sie aus dezentralen Umgebungen her kennen. Die Enterprise Computing Platform der Zukunft umfasst neben einer bestehenden zentralen IT-Infrastruktur eines Unternehmens auch Anwendungsplattformen, die aus Cloud Computing Services, sozialen Netzwerkmechanismen und modernen mobilen Netzwerken bestehen. Die Etablierung einer solchen dritten Plattform bedeutet, die bestehende Infrastruktur mit modernen Technologien zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Genau das steht und fällt mit der Fähigkeit eines Unternehmens, seine bestehende Anwendungslandschaft zielgerichtet zu modernisieren.

Kein „Mobile Ready“ ohne Modernisierung

Damit die bestehende Infrastruktur mit modernen Technologien kombiniert werden kann, muss sie in zwei Schritten modernisiert werden: prüfen und trennen. Es gibt Anwendungen, die sich nicht mit vernünftigem Aufwand in die mobile Zukunft verändern lassen. Die Anforderungen moderner mobiler Geschäftsprozesse sind nicht dieselben wie bei traditionellen Abläufen. Auf Ebene der gesamten IT muss daher dem Zustand der Anwendungen sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als bisher. Die Analyse der zentralen Anwendungen und Datenbestände bedeutet einfach nur reine Verwaltung und Kontrolle. Der ursprünglich vom Ökonomen Joseph Schumpeter geprägte Begriff der „kreativen Zerstörung“ wurde vom Analystenhaus Gartner als treffende Beschreibung dieser Tätigkeit formuliert. Jede IT muss sich von Zeit zu Zeit Gedanken machen, wie denn eine bestehende Anwendung, eine Anwendungslandschaft oder eine Infrastruktur als Ganzes oder in Teilen zu modernisieren sei. Modernisieren heißt immer auch trennen – und zwar nicht nur Anwendungsteile zu separieren und durch geeignete Schnittstellen allgemein zugänglich zu machen, sondern vor allem auch Anwendungen und Daten zu trennen. Bereits vor vielen Jahren hat eine von Intel geführte Initiative für eine „Business Value Roadmap to Mobilized Software Solutions“ Anwendungsfälle für Mobile Computing isoliert, die gut funktionierende Schnittstellen voraussetzen (Kasten: „Ohne Schnittstellen keine Mobilität“). Eine solche Schnittstelle besteht aus einer Reihe von logischen Komponenten, beispielsweise Extract/Export, Validate Source, Transform, Convert, Validate Target, Load/Import, Monitoring, Transport und Tracing/Logging. Zugleich muss zwischen verschiedenen Typen wie methodenorientierten, meldungsorientierten und ressourcenorientieren Schnittstellen unterschieden werden. Während gute Schnittstellen eine wichtige Voraussetzung für eine „Mobile Ready“ Unternehmens-IT sind, ist die Trennung von Daten und Anwendungen weit mehr als das: Kein Unternehmen kommt ohne eine solche aus, wenn sie künftig mobile Geschäftsprozesse unterstützen will. Selbst einfache Anwendungsfälle, wie die Beschleunigung von Freigabeprozessen, die Verbesserung der Steuerung und der Prozesse zwischen Innen- und Außendienst oder den Zugriff auf aktuelle Informationen sind nicht ohne Trennung zu realisieren (Kasten: „Trennung von Daten und Anwendungen“).

Ohne Schnittstellen keine Mobilität
Die im Jahr 2003 durch Intel finanzierte und von Rob Veitch und Peter Burris geschriebene Roadmap „Business Value Roadmap to Mobilized Software Solutions“ geht davon aus, dass Mobile Computing zu 80 Prozent von folgenden drei Anwendungsszenarien abhängt:
– Der Fähigkeit zur Synchronisation mit CRM, SCM, ERP oder anderen operativen und dispositiven Informationssystemen
– Der Fähigkeit zur Synchronisation von Dokumenten und Formularen
– Dem mobilen Zugriff auf Inhalte
Das setzt funktionierende Schnittstellen voraus. Diese sind jedoch nach wie vor das Stiefkind der IT und werden auch in den gängigen Projektvorgehensweisen beinahe sträflich unterschätzt. Laut einer Analyse von Forrester Research umfasst die Entwicklung von Schnittstellen 35 bis 40 Prozent des Gesamtaufwands der Programmierung. Bei Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen entfallen sogar 70 Prozent des Gesamtaufwands für den Informationsaustausch. Dazu kommt, dass zwischen 39 und 50 Prozent (je nach Studie) aller Fehler in einem System in der Schnittstelle auftreten. Die am häufigsten auftretenden Interfacefehler sind mangelhafte Fehlerbehandlung (15 Prozent), unzureichende Umsetzung der durch die Schnittstelle spezifizierten Funktionalität (13 Prozent), mangelhaftes Postprocessing nach einem Aufruf (10 Prozent) und Änderungen in der Datenstruktur (10 Prozent).

Trennung von Daten und Anwendungen
Laut Statistik beträgt die Laufzeit von Anwendungen zwischen 12 und 15 Jahren. Spätestens dann werden sie entweder ganz abgelöst und erfahren eine vollständige Modernisierung. Dieser Zyklus ist einerseits dadurch bedingt, dass sich in diesen Zeiträumen die Geschäftstätigkeit verändert hat und damit auch die unterstützende IT nicht mehr den notwendigen Mehrwert liefern kann. Andererseits liegt dies am technologischen Fortschritt, der den Betrieb und die Wartung einer 15 Jahre alten Anwendung erheblich teurer macht als eine Modernisierung. Daten hingegen „leben“ zwischen 20 und 30 Jahren, also rund doppelt so lange wie die Anwendungen. Der Hauptgrund dafür liegt in der Tatsache, dass zentrale Businessobjekte, wie beispielsweise Kunden oder Produkte, nur selten ganz verschwinden. Es gibt kaum ein Unternehmen, das die Informationen über Kunden, auch wenn sie schon lange keine Geschäftsbeziehung mehr unterhalten, ohne Not löschen wollen. Gleiches gilt für Produkte und Dienstleistungen: Beide sind zentraler Bestandteil des Unternehmenswissens, die so lange wie möglich vorgehalten werden und sich auch bei künftigen Projekten sehr oft als nützlich erweisen. Mobile Anwendungen greifen oftmals auf diese zentralen Businessobjekte zu. Sind diese gut von bestehenden Anwendungen getrennt, können sie sehr viel einfacher für Mobile-Apps zugänglich gemacht werden.

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Konsequenz 2: Der sichere Datenzugriff

Mobiles Arbeiten heißt überall sicher und schnell auf die notwendigen Informationen zugreifen zu können – damit ist auch mobiler Zugriff auf zentrale Unternehmensdaten unabdingbar. Darunter befinden sich stets vertrauliche Daten, die nicht von unautorisierten Drittpersonen eingesehen werden dürfen. Laut dem aktuellen Report des Government Accountability Office (GAO) steht es jedoch gerade um die Sicherheit der mobilen Geräte nicht wirklich gut: Die meisten werden nur schlecht geschützt, die Datenübertragung ist oftmals nicht verschlüsselt und die Geräte können zudem leicht entwendet werden. Der Einsatz mobiler Technologie in einem Unternehmen steht und fällt mit dem sicheren Zugriff auf die Unternehmensdaten. Jede Unternehmens-IT muss die entsprechenden Technologien und Prozesse etablieren, um den zentralen Unternehmenswert Information zu schützen. Der Datentransport kann mit längst etablierten Methoden und vernünftigem Aufwand bereits heute sehr gut und verschlüsselt werden. Auch für die Absicherung der Daten auf Mobile Devices existiert eine Vielzahl gut etablierter Lösungen. Von der einfachen Verschlüsselung der Festplatte eines Laptops über USB-Sticks mit automatischen Löschmechanismen bis hin zu sich selbst zerstörenden Dateien – es ist eine Vielzahl von Technologien verfügbar und weitere werden zurzeit entwickelt. Wichtig für die Absicherung der Daten auf Mobile Devices ist jedoch die Gesamtsicht auf den künftigen Arbeitsplatz. Dabei steht das Szenario des Verlustes eines Endgerätes im Vordergrund, da laut einer Umfrage des Ponemon Institutes immerhin 42 Prozent aller Sicherheitsprobleme durch verlorene Geräte verursacht werden.

Welche Daten dürfen mobil verwendet werden?

Eine bewegliche Unternehmens-IT bedeutet, dass die Daten, die in einem mobilen Geschäftsprozess verwendet werden, sich auf dem gerade verwendeten Device oder auf der (Cloud-)Infrastruktur befinden. Diese ist notwendig, um einen schnellen Zugriff zu erlauben, und befindet sich nicht mehr im unternehmenseigenen Rechenzentrum oder auf dem Rechner innerhalb eines gut kontrollierten Firmengeländes. Dennoch sollten nicht alle Daten so verwendet werden. Es gibt kritische Informationen, die einen sicheren Kontext nicht verlassen dürfen. Das setzt jedoch voraus, dass ein Unternehmen überhaupt zwischen sensitiven und nicht-sensitiven Informationen unterscheiden kann. Eine Klassifizierung nach der Wichtigkeit bestimmter Daten erfolgt bisher eher selten. Dazu zählen beispielsweise die Unterscheidung zwischen kritischen Daten, Business-Performance-Daten, essenziellen Daten, sensiblen Daten und nicht-kritischen Daten. Diese Unterscheidung ist jedoch eine wichtige Voraussetzung, um ein sicheres, mobiles Arbeiten zu erlauben und sollte sehr sorgfältig erfolgen.

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Konsequenz 3: Die mobilen Geschäftsanwendungen

Bereits heute stehen nicht weniger als 1,3 Millionen mobile Anwendungen zur Verfügung. Dem gegenüber haben sich lediglich etwas mehr als 100 000 Applikationen für den Desktop etabliert. Auch wenn heute die meisten mobilen Anwendungen – sieht man einmal von Mail und Kalender ab – noch keine Geschäftsanwendungen sind, ist in naher Zukunft eine Vielzahl neuer mobiler Lösungen zu erwarten. Alleine Herstellern von Standardsoftware, wie beispielsweise Office-Anwendungen, werden in absehbarer Zeit mit mobilen Produkten an den Markt gehen. Allerdings wird die Plattformvielfalt, mit der die Unternehmens-IT seit Jahren kämpft, nicht gerade kleiner werden. Obwohl viele Analysten eine Konsolidierung des mobilen Ecosystems in Richtung zwei Plattformen erwarten, sind heute eine Vielzahl von Technologiekombination üblich (Kasten: „Das mobile Ecosystem für Smartphones ist nicht einfach“). Diese Tatsache macht es unumgänglich, dass mobile Geschäftsanwendungen schrittweise eingeführt werden und grundlegende Aspekte, wie Plattformrichtlinien oder Technologievorgaben, gründlich zu überdenken sind. In Zukunft werden die Mitarbeiter auf sechs verschiedenen Geräten auf Geschäftsanwendungen zugreifen. Und es ist nicht zu erwarten, dass sich in absehbarer Zeit eine Technologie – wie beispielsweise Windows 8 – flächendeckend auf allen Geräten durchsetzen wird. Deshalb ist beim Einsatz von Anwendungen eine neue Flexibilität sowie neuer Pragmatismus seitens der Unternehmens-IT gefragt.

Abb. 1: Mobile Application Architecture (Quelle: A. Hauser, Hochschule für Technik Zürich) 

Das mobile Eco-System für Smartphones ist nicht einfach

Mobile Anwendungen für Smartphones zu entwickeln, ist angesichts der Variabilität des mobilen Ecosystems noch nicht ganz einfach. Es existieren vier Klassen von mobilen Anwendungen: SMS, mobile Webseiten, mobile Webanwendungen und Plattformanwendungen. Sie alle bauen auf unterschiedlichen Anwendungsframeworks, Betriebssystemen, Plattformen, Geräten, Netzwerken und Providern auf.

  • Application-Frameworks
    • Java ME: geräteübergreifende Anwendungen mit Problemen
    • Symbian S60: Java für Nokia, Brew MP: C/C++
    • Windows Mobile: .NET Compact Framework, Cocoa Touch: iPhone/iPad, Android-SDK
  • Betriebssysteme: Android, Symbian, iOS, BlackBerry, Windows Phone
  • Plattformen: Lizenzierte wie Java ME, BREW (Binary Runtime Environment for Wireless) – US-Markt, Windows Mobile, LiMo und firmeneigene wie Palm, BlackBerry, iPhone sowie Open Source wie Android
  • Geräte: Heute ca. 5,5 Milliarden Geräte auf dem Markt
  • Netzwerke: Techniken sind GSM/GPRS/UMTS/WiMax/Portable DSL, Standards sind GSM/GPRS/UMTS/HSDPA/WiMax Fixes mit verschiedenster Übertragungsrate und Latenzzeit und Generationen sind von 2G (GSM) bis 4G (LTE) alles noch im Markt
  • Mobile Operators: 1. China Mobile (436 Mio. Kunden)/2. Vodafone (260 Mio. Kunden)/3. Telefonica (189 Mio. Kunden)

Konsequenz 3: Die mobilen Geschäftsanwendungen

Mobiles Arbeiten bedeutet für eine Unternehmens-IT ihre bisherigen Grenzen der Flexibilität ihrer Mitarbeiter anzupassen. Um „Mobile Ready“ zu werden, muss eine traditionelle, heterogene und historisch gewachsene Anwendungslandschaft in eine IT-Infrastruktur mit beweglichen Grenzen verwandelt werden. Besonderer Handlungsbedarf besteht in Bezug auf die zentrale Infrastruktur, den Datenzugriff und den Einsatz mobiler Geschäftsanwendungen. Als Vorbereitung für die Bereitstellung einer „dritten Plattform“ muss die bestehende IT-Infrastruktur grundlegend analysiert und modernisiert werden. Der Datenzugriff ist durch Technologien und Prozesse so zu gestalten, dass Informationen als zentrale Unternehmenswerte auch in der mobilen Welt zuverlässig geschützt werden können. Darüber hinaus sind Flexibilität und Pragmatismus der Auswahl und beim Einsatz mobiler Geschäftsanwendungen gefragt. So kann ein Unternehmen in Zukunft den Mitarbeitenden die optimalen Arbeitsinstrumente zur Verfügung stellen.

Geschrieben von
Daniel Liebhart
Daniel Liebhart
Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor des Buchs „SOA goes real“ (Hanser Verlag) und Koautor verschiedener Fachbücher.
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