Being a Java Enterprise Developer

Born to run

Mein täglicher Weg ins Büro ist kein besonders langer. Vom Stadtrand Berlins geht es mit dem Auto über die geschichtsträchtige Glienicker Brücke in die Potsdamer Vorstadt. Der Song, der bei der heutigen Fahrt im Radio gespielt wird, könnte auch gleichzeitig das Motto unserer Branche sein: Geboren um zu laufen! Alles sollte besser schon gestern erledigt worden sein, und wenn einmal Zeit zum Verschnaufen bleibt, gilt es, sich fortzubilden, um ja nicht den Anschluss zu verpassen. Je länger ich im IT-Bereich arbeite, desto besser lerne ich, mit dem permanenten Druck umzugehen. Gerade in den Anfangsjahren hatte ich stets großen Spaß daran, den Held spielen zu dürfen – wahrscheinlich ist das ein zutiefst männliches Bedürfnis -, der durch enormen Arbeitseinsatz in letzter Sekunde doch noch den Projekterfolg sichert. Irgendwann merkte ich aber, dass man in dieser Branche täglich ein Superheld sein muss. Mittlerweile komme ich gut mit dem Normalostatus zurecht. Außerdem lassen sich viele technische Probleme in ausgeruhtem Zustand wesentlich schneller als zur Geisterstunde am Vortag lösen. Und nachdem immer wieder Neueinsteiger nachkommen, sterben sie auch nicht aus – die Odysseus, Beowulfs und Siegfrieds der Softwarebranche, die nun schon seit Jahrzehnten durch geradezu übermenschlichen Einsatz die zum Teil absolut unrealistischen Deadlines ihrer Vorgesetzten retten.

The invisible Man

Gut in der Firma angekommen, gibt es für mich schon die erste kleine Herausforderung zu meistern. Und zwar gilt es, unbemerkt bei unserer geschwätzigen Reinigungsfrau vorbeizukommen, denn für die meist nicht enden wollenden Gespräche habe ich heute keinen Kopf. Die erste Aktion in der Früh ist das Überprüfen der E-Mails. Neben einigen Spammails äußert auch eines unserer Systeme auf diesem Weg die Bitte, mit neuen Gutscheinnummern aufgefüllt zu werden. Der Wunsch meines technischen Kumpels ist mir natürlich sofort Befehl. Es ist schon interessant zu beobachten, dass in zunehmendem Ausmaß die von uns programmierten Geräte darüber bestimmen, welche Aktionen wir als Nächstes ausführen sollen. Lange kann es nicht mehr dauern und die Maschinen werden die Macht übernommen haben. Unsere einzige Hoffnung dann? Na klar, John Connor! Bis zum Frühstück mit den Kollegen bleibt noch ein bisschen Zeit, die ich zur Weiterbildung nutze. Unter JAXenter findet sich ein Video mit Adam Bien über Java EE 6, das ich mir sogleich ansehe. Der Mann ist echt gut – kompetent, witzig und pragmatisch. Als mir ein Kollege seinerzeit von ihm erzählte, dachte ich eigentlich, dass er einen Künstlernamen trägt: Adam Bean – der erste Mann, der mit den Java-Bohnen zu tun hatte. Danach überfliege ich noch den Newsflash und wundere mich ein wenig. Weder lese ich etwas von einem neuen Webframework, noch wird ein neues NoSQL-System angepriesen. Haben die meisten mittlerweile doch erkannt, dass nicht für jedes Web-2.0-Projekt gleich ein neues Framework und Speichersystem entwickelt werden muss?

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