Bck2Brwsr: Java-Browser-Anwendungen benötigen kein Java Plug-in mehr

Hartmut Schlosser

Java ist nicht mehr länger die frische, coole Sprache früherer Zeiten – Java ist im Enterprise etabliert, und gerade Neulinge scheinen sich eher der spannender anmutenden Webentwicklung zuzuwenden, die derzeit klar von JavaScript beherrscht wird. Java jedenfalls hat in der Schlacht um den Browser momentan schlechte Karten – und das, obwohl Java-Applets einst Bewegung in die starre HTML-Welt brachten.

Diese Entwicklung ist Jaroslav Tulach, einem der NetBeans-Gründerväter und bekennender Java-Geek, ein Dorn im Auge. Um Java wieder unter den jungen Wilden salonfähig zu machen, hat Tulach das Projekt „Bck2Brwsr“ ins Leben gerufen. Um was es geht, wird klar, wenn man den Namen als „Back to the Browser“ entziffert hat: Java-Programmierung soll wieder für Browser-Anwendungen interessant werden.

Da in allen Browsern JavaScript unterstützt wird, ist JavaScript die Zielsprache, um die man nicht herum kommt. Allerdings wird Java in Bck2Brwsr nicht wie in GWT nach statischem JavaScript kompiliert und dann im Browser ausgeführt. Bck2Brwsr erzeugt eine in JavaScript geschriebene VM, die Java Bytecode direkt ausführen kann.

Mit Bck2Brwsr geschriebene Java-Anwendungen sind damit denkbar flexibel. Ist eine Java Runtime installiert, kann der Java Code wie üblich von dieser ausgeführt werden; wenn aber nicht, wird in Form der Bck2Brwsr VM automatisch eine minimale Umgebung installiert, die dasselbe ermöglicht. Java-Browser-Anwendungen benötigen kein Java Plug-in mehr.

Bewusst verzichtet Bck2Brwsr darauf, APIs und Unterstützung für existierende Java Librarys bereit zu stellen. Erwartet wird, dass Librarys für die neuen, limitierten Umgebungen speziell neu entworfen werden. Es geht also nicht darum, existierende Java-Anwendungen in den Browser zu bringen (hierfür sind andere Projekte wie Doppio geeignet). Vielmehr soll mit einem Subset von Java SE ein neuer, gemeinsamer Grund gefunden werden, der sowohl für Java à la HotSpot als auch für Java im Browser gelten kann.

Auf dem Spiel steht der ursprüngliche Slogan „Write Once, Run Anywhere“ (WORA), der mehr und mehr von JavaScript vereinnahmt zu werden droht. Jaroslav Tulach schreibt dazu auf seinem Blog:

The days when WORA was the biggest strength of Java seemed to come to their ends. If you want to target browsers now, you need to deploy JavaScript. But that does not mean you have to write JavaScript! We can (re)design the roots of Java and together find a common ground for the Java as we know it (aka HotSpot) and Java that fits into browsers. Bck2Brwsr framework can be such common ground. If you care about Java, join us to make it better-

Aktuell steht die Version 0.7.2 von Bck2Brwsr bereit. Eine Einführung in das Projekt gibt Jaroslav Tulach in unten stehendem Gespräch mit NetBeans Entwickler Geertjan Wielenga. Wer Bck2Brwsr live erleben möchte, sollte sich die Session „Das Chuck-Norris-Experiment – Java ohne Jailbreak auf iPad und Android“ von Anton Epple auf der kommenden W-JAX nicht entgehen lassen. Epple präsentiert uns dort eine mit Bck2Brwsr geschriebene Spiele-App, die auf Android und iOS genauso läuft wie auf dem Desktop.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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