Bahnbrechende Technologietrends des nächsten Jahrzehnts

WAS STEHT DURCH DIE TECHNOLOGIETRENDS AUF DEM SPIEL?

Die beschriebenen Trends verändern die Wirtschaft auf zweierlei Weise. Einerseits wird Wert umverteilt, weil neue Technologien die alten ersetzen. Diesen Wert hat die MTI relativ genau ermittelt. Andererseits wird durch die neuen Technologien auch zusätzlicher Wert geschaffen. Dieser lässt sich qualitativ beschreiben, quantitativ aber nur abschätzen.

UMVERTEILUNG VON WERT

Der Wert kann nicht nur zwischen den Unternehmen einer Branche neu verteilt werden, sondern auch zwischen den Branchen und auch zwischen Anbietern und Kunden.
Auf Unternehmensebene ist der Value at Stake jener Anteil an der Gesamtleistung, der von einem der neuen Technologietrends betroffen ist. Dieser Anteil variiert je nach Branche. Deshalb legte die MTI jeweils die Bruttoproduktion einer Branche zugrunde, also den Wert des Gesamtabsatzes aller Unternehmen einer Branche vor Abzug des Werts der Vorprodukte. Die Bruttoproduktion wurde dann in verschiedene Kosten- und Einnahmekategorien unterteilt. Anschließend untersuchte die MTI die Wirkung jedes Technologietrends auf diese Kategorien, etwa die Auswirkung von Innovation durch Konsumenten auf die Kosten der Vorprodukte im Vergleich zur Wirkung auf die Vertriebs- und Verwaltungskosten

Eine so genannte Heat Map zeigt nun, wie stark die Technologietrends auf einzelne Branchen wirken. Daraus ergibt sich, dass der intelligente Einsatz von Informationen in allen Branchen der wichtigste Einzeltrend ist. Nahezu jeder Sektor kann diese Technologie nutzen, um die Effizienz zu steigern – sei es in der Produktion, im Vertrieb oder beim Sammeln und Verwalten von Kundendaten.

Selektiver wirkt der Trend „Konsumenten werden zu Innovatoren“: Er hat den größten Effekt in Branchen, in denen genaue Kundenkenntnis einen Wettbewerbsvorteil bringt. In der Energie- und Pharmaindustrie wirkt diese Aktivität dagegen kaum: Zwar ist Kundenfeedback in diesen Branchen wichtig, doch die Verbraucher können die Produkte kaum verändern.

Die Gesamtanalyse führt zu der Annahme, dass rund 15 Prozent der Bruttoproduktion der amerikanischen und europäischen Industrien von einer Umverteilung bedroht sind. Doch der tatsächliche Value at Stake kann in einzelnen Branchen unterschiedlich sein. Das Gleiche gilt für den zeitlichen Ablauf: So bekommt beispielsweise das Mediengeschäft die Trends bereits zu spüren, während Großhandel und professionelle Dienstleistungen noch unberührt sind.

Ein Blick auf die fünf am stärksten betroffenen Branchen macht deutlich, welchen Wert die Umverteilungen haben und wie sie sich vollziehen könnten:

  • Automobile & Assembly: Die Automobil- und Assembly-Branche erzielt derzeit in Europa und den USA eine Bruttoproduktion von rund 6,253 Billionen US-Dollar. Rund 26 Prozent hiervon werden voraussichtlich infolge der acht Technologietrends umverteilt. Hierbei wird die zunehmende Zahl Konsumenten, die zu Innovatoren werden, die Umverteilung wesentlich beeinflussen, denn diese Verbraucher werden stärker in das Fahrzeugdesign einbezogen. Zugleich bringt der Trend zum intelligenten Einsatz von Daten effizientere Lieferketten und stärker datenorientierte Beschaffungs- sowie F & E-Prozesse. Die größte Wirkung wird dieser Trend auf die Vorleistungen haben, die fast zwei Drittel der Bruttoproduktion des Sektors ausmachen.
  • Hightech: Die Produktion von Technologieunternehmen in den USA und in Europa beläuft sich auf 1,9 Billionen US-Dollar. Hiervon werden potenziell rund 24 Prozent durch technologische Veränderungen umverteilt – mit ganz ähnlichen Ursachen wie in der Automobilindustrie. Weil aber der Anteil vorgefertigter Teile in Hightechprodukten kleiner ist, ist die Auswirkung des intelligenten Einsatzes von Daten auf Lieferanten reduziert.
  • Handel: Die acht Technologietrends bewirken, dass bis zu 23 Prozent der Gesamtleistung des Einzelhandels in Höhe von 4,2 Billionen US-Dollar umverteilt werden. Hierbei verursachen der intelligenten Einsatz von Daten und „Konsumenten werden zu Innovatoren“ zwei Drittel der Gesamtwirkung.
  • Konsumgüter: Die Gesamtproduktion hat einen Wert von 1,2 Billionen US-Dollar, davon könnten 22 Prozent von den acht Trends betroffen sein. Die Zunahme von Konsumenten als Innovatoren hat in dieser Branche den größten Effekt, denn sie werden zu einem Teil der Wertschöpfungskette, vor allem in der Produktdefinition. Zudem gibt der intelligente Einsatz von Informationen den Konsumgüterherstellern künftig die Möglichkeit, die Nachfrage genauer zu prognostizieren und Verbraucherbedürfnisse schneller zu verstehen.
  • Medien und Unterhaltung: Die acht Technologietrends wirken hier auf bis zu 21 Prozent der Bruttoproduktion in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar. Diese Industrie hat in den vergangenen zehn Jahren bereits zwei dramatische Erschütterungen erlebt: die Verschiebung von physischen zu digitalen Produkten sowie radikale Veränderungen in der Erstellung und Verbreitung von Inhalten. Der iTunes Music Store von Apple beispielsweise hat die traditionellen Wertketten der Produktion und Verbreitung von Musikaufnahmen gesprengt. Hinter diesen beiden Erschütterungen verbergen sich im Grunde die Trends „Informationen intelligent einsetzen“ und Zunahme der Konsumenten als Innovatoren.
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