Bahn frei für Oracle-Roadmap: JSRs für JDK7/8 bestätigt

Hartmut Schlosser

Die vier JSRs für JDK7 und JDK8 wurden offiziell angenommen. Das JCP-SE/EE-Exekutiv-Komitee hat sich in der Wahl mit teils deutlichen Mehrheiten für die jeweiligen Java Specification Requests entschieden. Gegen alle vier JSRs stimmte lediglich ein Mitglied: die Apache Software Foundation.

Die Ergebnisse im Überblick:

15 EC-Mitglieder waren bei den Wahlen stimmberechtigt.

  • Apache Software Foundation
  • Credit Suisse
  • Eclipse Foundation
  • Ericsson AB
  • Fujitsu
  • Google
  • Hewlett-Packard
  • IBM
  • Intel
  • Oracle
  • RedHat
  • SAP AG
  • VMWare
  • Werner Keil
  • Tim Peierls

Für den JSR 334 „Small Enhancements to the Java Programming Language“ gab es eine Enthaltung von Tim Peierls und eine Gegenstimme von der Apache Software Foundation.

Das gleiche Bild beim JSR 335 „Lambda Expressions for the Java Programming Language“: Enhaltung von Tim Peierls und Gegenstimme von Apache.

Der JSR 336 „Java SE 7 Release Contents“ erntete drei Gegenstimmen: Apache, Google, Tim Peierls.

Das selbe Ergebnis beim JSR 337: „Java SE 8 Release Contents“: Nein von Apache, Google und Tim Peierls.

Apaches Verweigerung

In Kommentaren beschreiben die Wahlberechtigten die Motivation für ihre Entscheidung bei der Stimmabgabe. Spannend vor allem das Statement der Apache Foundation: So sei man mit dem technischen Inhalt der JSRs zwar weitgehend einverstanden, doch seien die Lizenzbedingungen, die mit den JSRs verbunden seien, inakzeptabel. Angesprochen werden die Feldbeschränkungen, die eine unabhängige Implementierung der JSRs verhindern können. Angespielt wird auf die eigene alternative Java-Implementierung Apache Harmony, der zunächst Sun, danach Oracle eine Feldbeschränkung für den Mobile-Bereich auferlegt hatte.

Solche Feldbeschränkungen seien nicht nur durch das JSPA verboten, heißt es weiter im Apache-Kommentar, sondern würden auch von der Mehrheit der wahlberechtigten Exekutiv-Komitee-Mitglieder abgelehnt.

Und in der Tat: Sieht man sich die Kommentare der „Ja“-Stimmer an, finden sich etliche Rechtfertigungen für die Entscheidung, trotz der kritischen Lizenz-Situation für den JSR gestimmt zu haben.

Beispielsweise die Eclipse Foundation:

Eclipse is disappointed with the continuing issues around Java licensing. The unresolved TCK licensing issue with the Apache Software Foundation is a symptom of the fundamental problem with FOU restrictions on the Java platform.

Red Hat:

We are extremely disappointed with the license terms and that a more open license has not been adopted by the Specification Lead. We continue to believe that the TCK should contain no „field of use restrictions“, as originally raised by Apache with regard to another JSR during the development of EE6 (i.e. the SE TCK licensing).

SAP:

While we are disappointed that Oracle has decided to deny Apache a TCK license for Java 7, SAP’s vote is strictly based on the technical merits of the Java 7 specification, not on its license terms.

Weiter führt die Apache Foundation aus, dass insbesondere die JSRs 336 und 337 mit den TCK-(Technology Comptibility Kit)-Lizenzen konfligieren. In den JSRs werde explizit erwähnt, dass Java SE auch auf Deployments auf Embedded-Systeme abziele. Die TCK-Lizenz verbiete allerdings solche Einsatzszenarien von getesteten, eingebetteten alternativen Implementierungen. Da Spec Lead Oracle auf mehrere Anfragen zur Klärung der Situation nicht reagiert habe, sehe man sich gezwungen, mit Nein zu stimmen.

We do not believe that anyone that willfully fails to meet their contractual obligations under the JSPA should be allowed to participate as a member in good stating in the JCP. The rules apply to everyone.

Good Bye Apache?

Oracle hat sich mit seinen Plänen für JDK7 und JDK8 also auch im JCP EC durchgesetzt. Dem technologischen Fortschritt der Java-Plattform wollte sich offenbar kaum jemand entgegenstellen. Alternative Wege, die Java-Plattform abseits der von Oracle vorgelegten Roadmap voranzubringen, hat niemand ernsthaft in Erwägung gezogen. Deshalb darf man das Wahlergebnis als Erfolg seitens Oracle bewerten, wichtige Player im Java-Universum ins Boot geholt zu haben.

Mit einer Ausnahme: Die Apache Software Foundation hat sich standhaft allen Annäherungsversuchen widersetzt und nochmals ihre Position deutlich gemacht: Ohne Änderungen der Lizenzbedingungen ist mit keiner Mitarbeit zu rechnen. Konsequenzen kündigt Apache-Committer Stephen Colebourne auf seinem Blog an:

We should expect the response from the Apache Software Foundation soon.

Die Wetten stehen gut, dass im JCP EC bald ein Stuhl frei wird.

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Hartmut Schlosser
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