Interview mit John Danaher

„Widerstand gegen die Automatisierung ist zwecklos und nicht erstrebenswert“

Redaktion JAXenter

John Danaher

Auf der W-JAX 2016 wird John Danaher die Zukunft unserer täglichen Arbeit analysieren und über die fortschreitende Automatisierung in allen Berufen referieren. In seiner Keynote Technological Unemployment and the Search for Meaning beantwortet er außerdem die Frage, was mit der Menschheit passiert, wenn die Notwendigkeit zu arbeiten immer geringer wird. Im Interview mit JAXenter-Redakteurin Gabriela Motroc gibt er einen Einblick in die Problematik.

w-jax 2016 logoTreffen Sie John Danaher auf der W-JAX 2016

Die Keynote Technological Unemployment and the Search for Meaning wird am Dienstag, 8. November, ab 20 Uhr im Ballsaal stattfinden.

Abstract:
Many people are worried about the rise of smart machines and the impact this may have on paid employment. Several recently-published books, including Brynjolfsson and McAfee’s The Second Machine Age and Martin Ford’s The Rise of the Robots have forecast widespread technological unemployment over the next half century. Are the authors of these books right? Are those in the technology sector gradually building the machines that will render themselves obsolescent? Or should we be skeptical of these claims? If not, how can society handle the distributive crisis that will result from the death of paid employment? And how will humans find meaning and fulfilment in a world without work? These are the questions addressed in this talk. It will argue that the threat to paid employment is real and that society may need to embrace a radical “postwork” vision of the human future.

 
JAXenter: Im Abstract deiner Session erwähnst du einige kürzlich veröffentlichte Bücher, die voraussagen, dass sich die technologisch bedingte Arbeitslosigkeit in den nächsten 50 Jahren stark ausweiten wird. Wie stehst du dazu? Stimmst du den Autoren zu?

John Danaher: Ich bin vorsichtig mit weitreichendem Vorhersagen, denke aber, dass diese Autoren in die richtige Richtung denken. In den nächsten 50 Jahren wird sich einiges grundsätzlich ändern, sowohl bezüglich des Umfangs als auch hinsichtlich der Verfügbarkeit bezahlter Arbeit. Tatsächlich finden einige dieser Veränderungen bereits jetzt statt.

JAXenter: Ist die Bedrohung der bezahlten Arbeit real? Wenn ja, wie sollte unser Plan B aussehen?

Wir müssen neu definieren, was für ein erfülltes Leben notwendig ist

John Danaher: Dass die Bedrohung echt ist, glaube ich durchaus – selbst wenn die bezahlte Arbeit nicht komplett verschwindet, wird sie in Zukunft weniger wichtig sein. Wie wir darauf reagieren sollten? Nun, genau darum geht es in meinem Vortrag. Viele Menschen glauben, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) die Probleme lösen kann, die aus einem Mangel an bezahlter Arbeit entstehen. Daran glaube ich allerdings nur teilweise, denn bei Arbeit geht es um mehr als das Einkommen. Wir müssen über die nicht-monetären Vorzüge der Arbeit sprechen und darüber, wie man sie in einer Welt ohne Arbeit (oder mit viel weniger davon) ersetzen kann.

JAXenter: Manche geben der Automatisierung die Schuld an den ganzen Problemen. Andere sagen, dass dadurch niemals alle Jobs ersetzt werden können. Sollten wir die Automatisierung also begrüßen oder bekämpfen?

John Danaher: Ich glaube, wir sollten die Automatisierung mit offenen Armen empfangen. Widerstand dagegen ist zwecklos und wirkt nicht sonderlich erstrebenswert. Das bedeutet aber auch, dass wir neu definieren müssen, was notwendig ist, um ein erfülltes und lebenswertes Leben zu führen. Das ist es auch, worum es in meinem Vortrag eigentlich geht. Ich werde die Vorzüge des Lebens in einer vollständig automatisierten Welt beleuchten und die Sichtweise vertreten, dass so eine Welt zu einer Art Utopia werden könnte.

JAXenter: Welche Kenntnisse werden wir in einer Welt brauchen, in der eine bezahlte Arbeit nicht mehr möglich ist?

Der Kern des Lebens in der Post-Arbeit-Ära wird aus Geselligkeit bestehen

John Danaher: Nun, wenn wir so etwas wie die absolute Automatisierung erreichen, dann brauchen wir keine Kenntnisse mehr – zumindest nicht im beruflichen Sinne. Es gibt aber doch Fähigkeiten, die wir in diesem Fall anstreben sollten. Die Fähigkeiten, die ich in meinem Vortrag betrachte, hängen alle mit gesellschaftlichem und spielerischem Verhalten zusammen; ich gehe davon aus, dass der Kern des Lebens in der Post-Arbeit-Ära aus Geselligkeit und Spielen bestehen wird.

JAXenter: Welche zentrale Aussage sollte jeder aus deinem Vortrag mitnehmen?

John Danaher: Dass Arbeit, mit all ihren Vor- und Nachteilen, die wichtigste Quelle für Lebensinhalt, Zufriedenheit und Selbstwert in der modernen Welt ist und wir über alternative Bezugsquellen dafür nachdenken müssen, wenn die bezahlte Arbeit wirklich bedroht ist.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

danaher_john_wpJohn Danaher (PhD) lehrt an der School of Law des NUI Galway in Irland. Er hat sich einer Vielzahl an Forschungsgebieten verschrieben, die von Religionsphilosophie bis hin zur Ethik und Rechtstheorie reichen. Sein Kerngebiet ist die technologische Philosophie und der Einfluss des Aufkommens neuer Technologien auf die Gesellschaft.
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Chenxiang. Ma
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Sehr geehrte Herr John Danaher, im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Technischen Universität Dresden im Modul „Technologiemanagement“ bei Herrn Prof. Dr. Michael Schefczyk, bin ich bei Recherchenarbeiten auf Automatisierung gestoßen. Ziel unserer Forschungsarbeit ist es, Technologie-/ Innovationsgegner zu Ihren Motiven und Ansichten zu interviewen (anonymisiertes Experteninterview via Telefon oder E-Mail). Unser Forschungsgegenstand ist dabei nicht nur Automatisierung, sondern verschiedenste aktuell zwiespältig betrachtete Technologien und Innovationen (u.A. Digitalisierung, erneuerbare Energien, Stammzellenforschung, PID…). Fokus liegt bei unseren Interviews auf den Motiven für eine abwehrende Haltung gegenüber bestimmter Technologien und technologischem Fortschritt. Um unsere Untersuchung auf ein gutes Fundament stützen zu können, benötigen… Read more »