Java Magazin 3.18

Umfang: 116 Seiten

Erhältlich ab: 07.02.2018

Autoren: Konstantin Diener, Daniel Dietrich, Walid El Sayed Aly, Boris Fresow, Manfred Geiler, Markus Günther, Tam Hanna, Corinna Hertweck, Dr. Heinz Kabutz, Niko Köbler, Sven Kölpin, Matthias Möser, Ralf D. Müller, Sven Ruppert, Thomas Spiegl, Dr. Gernot Starke, Manfred Steyer

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Magazin

Rezension des ersten Java Magazins

Bücher: Komplexität von IT-Architekturen

Java Core

In der Kürze liegt die Würze
String-Komprimierung in Java 9
Dr. Heinz Kabutz

Enterprise

Kolumne: EnterpriseTales
Funktionale Programmierung in Enterprise Java: Was wäre, wenn wir alles ganz anders machen würden?
Sven Kölpin

Abschied nehmen vom Legacy-System
Migrationsstrategien im Einsatz
Matthias Möser

Kolumne: Hitchhiker’s Guide to Docs as Code
Diagramme, jetzt wird modelliert!
Ralf D. Müller und Dr. Gernot Starke

„Schätzungen treffen oft nicht genau zu.“
Interview mit Lars Imke

DevOps

Kolumne: DevOps Stories
ChatOps als Konzept der Zusammenarbeit
Konstantin Diener

Titelthema

Das Beste aus beiden Welten
Objektfunktionale Programmierung mit Vavr
Daniel Dietrich

Einfach funktional
Funktional mit Core Java
Sven Ruppert

Ein Heft feiert seinen 20. Geburtstag
Stimmen aus der Community zum Java-Magazin-Jubiläum

Web

Kolumne: Die Angular-Abenteuer
Struktur für große Angular-Anwendungen
Manfred Steyer

Architektur

RESTful APIs richtig gemacht
Anleitung für bessere REST-Schnittstellen
Thomas Spiegl und Manfred Geiler

Spring Kafka und Event Sourcing
Teil 3: Spring Kafka als Messaginglösung
Boris Fresow und Markus Günther

Cloud Computing

Mein Leben ohne Server
Serverless Tipps und Tricks
Niko Köbler

Internet of Things

Softwarebaukasten fürs Internet der Dinge
Teil 1: Einstieg in das Entwicklerkit für Android Things
Tam Hanna

20 Jahre immer an Javas Seite

Java war langsam, die Tools waren unzureichend. Alles war ziemlich rudimentär – und doch so cool! Java gehört die Zukunft, lautete unsere Wette. Und wir gründeten das Java Magazin. Genau vor zwanzig Jahren erschien dann die erste Ausgabe, mit CD-Rom auf dem Cover und allerlei Grundlagenartikeln. Das Redaktionsteam und die Autoren der ersten Ausgaben schrieben sich erst mal warm.

Goldgräberstimmung

Reden wir über die späten 1990er-Jahre, reden wir über eine Zeit, in der das Internet sich gerade zum Massenmedium transformierte und erste massiv skalierte Geschäftsmodelle das Licht der Welt erblickten. Amazon und eBay standen damals schon Pate. Die New Economy war voller Optimismus und verbreitete eine erste digitale Goldgräberstimmung. Java war in vorderster Reihe mit dabei.

Wie kam es dazu? Wie immer handelt es sich um eine Mischung verschiedener Faktoren, ergänzt durch eine Prise geschicktes Timing. Zum Timing gehört, dass sich zu dieser Zeit die IT-Branche Sorgen über den kometenhaften Aufstieg Microsofts machte. Der PC, das Symbol der Durchdringung der Gesellschaft mit Computertechnik, war praktisch zum Microsoft-Monopol geworden. Im nächsten Schritt wollten die Redmonder die Unternehmens-IT mit Windows NT 4 aufrollen. Das sorgte für Panikstimmung bei allen anderen IT-Firmen. Man schloss sich zusammen und bildete eine Art Anti-Microsoft-Koalition – basierend auf der Java-Plattform.

„Offene Standards“ wurden zum Mantra der Java-Industrie, lange bevor Open Source als Geschäftsmodell akzeptiert war – Zusammenarbeit bei den Spezifikationen, Wettbewerb bei der Implementierung. Wer nur die Open-Source-Welt kennt, kann sich gar nicht vorstellen, dass die Szenerie damals von klassischen Closed-Source-Produktanbietern dominiert wurde. Tomcat, Cocoon, Struts und Co. existierten noch in einer Art Open-Source-Parallelwelt.

Doch dann passierte etwas Erstaunliches: Während der „Persistence Wars“, in denen sich Verfechter der Entity Beans mit den Fans des alternativen Standards JDO über Spezifikationen stritten, eroberte das Open-Source-Framework Hibernate die Java-Welt im Sturm.Hibernate funktioniert einfache und bewies, dass man realen Problemen in der Softwareentwicklung besser mit Code denn mit Spezifikationen beikommt. Das Resultat war das übrigens noch heute gültige JPA, das vor allem von Hibernate inspiriert war und nur zu geringen Teilen auf den strittigen Spezifikationen basierte.

Was war passiert? Es stellte sich heraus, dass lauffähiger Code aussagekräftiger und besser geeignet ist, um auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Entwickler einzugehen, als Spezifikationen, die über Jahre hinter teils verschlossenen Türen verhandelt werden.

Seitdem leben wir in einer „Code First“-Welt und haben uns von den Spezifikationen als Treiber für neue Technologien verabschiedet. Für die Festschreibung essenzieller Standards, die sich in einer De-facto-Version bereits in freier Wildbahn bewähren, hat der JCP bis heute indes noch eine wichtige Funktion.

Java und Open Source

Das Erscheinen von JBoss und Eclipse trug im Übrigen zu einer endgültigen Hinwendung zu Open Source bei. JBoss lieferte kostenlos und quelloffen eine Technologie, die bis dato für 30 000 US-Dollar aufwärts pro CPU gekauft werden musste. Eclipse faszinierte nicht nur durch Open Source und kostenlose Verfügbarkeit, sondern auch durch ein Plug-in-Modell, das die Integration verschiedenartiger Zusatzwerkzeuge auf moderne Art und Weise ermöglichte.Als dann Fehlentwicklungen einsetzten, wie etwa EJB 2 und 3.0, sorgte wiederum Open Source für Abhilfe: Spring Framework trat etwa ab 2005 seinen Siegeszug an, als große Alternative zum Java-Enterprise-Mainstream, und befruchtete diesen später dann sogar mit seinen Konzepten. Was setzte sich im Mobile-Bereich durch? War es die JCP-getriebene Java 2 Mobile Edition oder das Open Source entwickelte Android (gewiss, rein juristisch und auch in einigen technischen Details handelt es sich bei Android nicht um reines Java)?

Obwohl Open Source schon früh ein integraler Bestandteil des Java-Ökosystems war, sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis Java selbst endlich auch quelloffen mit Version 7 im Jahr 2011 auf den Markt kommen sollte.

Das Java-Ökosystem

Wir beim Java Magazin haben früh und mit großer Begeisterung auf interessante Open-Source-Entwicklungen hingewiesen. Zu einer Zeit, in der nicht wenige Open Source für eine Art antikapitalistische Hippiebewegung hielten.

Die Idee eines Java-Ökosystems haben wir früh schätzen und lieben gelernt – eines Umfelds, in dem große und kleine Player gemeinsam agieren und zahlreiche Nischen bestehen, um sich mit speziellen Problemen abseits des Mainstreams zu beschäftigen. Nicht selten entstehen dabei aus den Nischen heraus Initiativen, die dann das gesamte Ökosystem nachhaltig prägen.

Agilität

Ich möchte noch einen weiteren Faktor beleuchten, dem wir beim Java Magazin schon seit den frühen 2000er-Jahren einen hohen Rang eingeräumt haben: die agile Softwareentwicklung. Neben der Tatsache, dass agile Teams in den meisten Fällen wirtschaftlich erfolgreicher sind und agile Methoden wie Scrum heute praktisch zum Mainstream geworden sind, möchte ich auf einen wichtigen Aspekt hinweisen.

In der agilen Welt sind Entwicklerinnen und Entwickler zu zentralen Akteuren geworden, die auf Augenhöhe mit allen weiteren beteiligten Stakeholdern um die richtigen Weichenstellungen für den Erfolg von Softwareentwicklungsprojekten ringen. Das war nicht immer so. Gerade in den Anfangsjahren Javas herrschte eine Stimmung vor, die Entwickler abschottete und sie zu Empfängern von Anweisungen degradierte. Diese Würde, die dem komplexen Entwicklerberuf durch die Agilität zurückgegeben wurde, halte ich für eine sehr wichtige Errungenschaft.

Rückblickend waren es diese drei Dinge, die uns über die meiste Zeit geleitet haben: Erstens die enorme Erneuerungsfähigkeit des Java-Ökosystems, zweitens die ausgleichende Wirkung von Sun Microsystems damals und Oracle heute bei der Wahrung der zentralen Standards und drittens die agilen Werte, die dafür gesorgt haben, dass Entwickler für ihre anspruchsvolle Arbeit auch die Anerkennung finden, die sie verdienen.

Das Java-Magazin-Ökosystem

Mit dem Java Magazin haben wir zu Anfang alle zwei Monate, ab dem Jahr 2000 dann monatlich, die Entwicklungen Javas in diesem Sinne begleitet. Dabei ist das Magazin bis heute die Keimzelle für viele weitere Aktivitäten. Natürlich muss ich hier unsere JAX-Konferenz erwähnen, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in London stattfindet und über die Jahre auch in Singapur, Jakarta, Mailand, San Jose und San Francisco Station machte.

Auch das Eclipse Magazin ist aus dem Java Magazin heraus entstanden. Elf Jahre lang begleitete das Magazin parallel zum Java Magazin die Java-Welt mit seiner spezifischen Perspektive. Wir haben außerdem Poster gedruckt und Meetups veranstaltet, und Sie können sicher sein, dass wir auch für die kommenden Jahre noch einiges auf Lager haben.

Da uns bei Software & Support Media das Klagen über Veränderungen in der Verlagswelt stets fern lag, haben wir uns kontinuierlich Gedanken gemacht, wie es mit dem Veröffentlichen von Fachmagazinen in einer Welt weitergeht, die sich ständig verändert. So haben wir früh auf Tablet-Apps gesetzt, um das Magazin wahlweise oder auch ergänzend zum Printformat in digitaler Form zur Verfügung zu stellen. Aus dem reinen Java-Magazin-Digitalabo ist schließlich der entwickler.kiosk geworden, wo unsere Leser entweder ausschließlich ihr Java Magazin digital aufrufen oder auch eine Flatrate für die Recherche und Lektüre in allen unseren Magazinen, die wir bei Software & Support Media herausgeben, bestellen können.

Danksagung

Zum 20. Geburtstag des Java Magazins möchte ich mich sehr herzlich bei Ihnen, liebe Leser, für die spannenden Jahre, die wir gemeinsam verbringen durften, bedanken, und für die vielen Anregungen, Kritiken und Rückmeldungen. Ebenfalls großer Dank gilt unseren Autoren, deren Beiträge natürlich das Herzstück des Magazins bilden und von denen manche regelmäßig, manche sporadisch und einige nur punktuell im Magazin zu lesen waren.

Einige unserer langjährigen Autoren, Freunde und Wegbegleiter haben ihre persönliche Sicht auf zwanzig Jahre Java Magazin niedergeschrieben („Ein Heft feiert seinen 20. Geburtstag“).

Mein weiterer Dank geht an die vielen Partner und Anzeigenkunden, die als wichtige Player im Java-Ökosystem das Magazin ebenfalls über die Jahre begleitet haben.

Nicht zuletzt möchte ich auf die vielen Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion hinweisen, die über die Jahre das Heft organisiert, redigiert und produziert haben und von denen einige fast die gesamte Zeit dabei gewesen sind und andere uns ein gutes Stück des langen Wegs begleitet haben. Das Java Magazin ist natürlich immer ein großartiges Teamwork gewesen und soll es auch weiter sein!

Zum Abschluss

Zwanzig Jahre – auch persönlich haben wir alle in diesen Jahren viel erlebt, haben uns mit Java und natürlich auch unabhängig von Java verändert. Bei mir sind die Schläfen grau geworden und ich bin nicht mehr Ende 20, sondern Ende 40, aber ich staune darüber, dass so etwas wie Langeweile nie wirklich eingesetzt hat.

Gewiss hat sich mein persönliches Aufgabengebiet bei Software & Support Media über die Jahre verändert, sodass ich schon lange nicht nur die Java-Welt, sondern mit meinem Team viele andere Themen in der modernen IT bearbeite. Aber wenn Sie mich fragen, welche der IT-Welten mir die liebste ist, dann antworte ich noch immer mit „Java“.

Fast die Hälfte meines Lebens habe ich jetzt mit dem Java Magazin verbracht, aber weil das Leben nicht nur aus dem Beruflichen besteht, möchte ich am Schluss noch dasjenige Ereignis erwähnen, was mich in dieser Zeit am meisten geprägt hat: es ist die Geburt meiner Söhne.

Die beiden Burschen – einer 2005 geboren, einer 2008 – bei ihrem Heranwachsen als Vater zu begleiten und mit ihnen die Welt zu erleben, ist natürlich das Großartigste, was mir für die vergangenen zwanzig Jahre einfällt. Sorry, Java.

In diesem Sinne: viel Spaß bei der Lektüre des Jubiläums-Java-Magazins!

Sebastian Meyen | Chefredakteur
Twitter: @JavaMagazin