Suche
Interview mit dem neuen Eclipse-Plattform-Co-Lead Lars Vogel

Aufbruchstimmung im Eclipse-Plattform-Team

Redaktion JAXenter
Eclipse-Plattform-Co-Lead Lars Vogel

© Lars Vogel/S&S Media

Lars Vogel (vogella GmbH) leitet ab sofort mit Paul Webster zusammen das Eclipse-Plattform-UI-Projekt – als erster Entwickler, der nicht IBM angehört (wir berichteten). Wir haben ihn nach seinen Plänen für das neue Amt gefragt.

JAXenter: Gratulation zu deinem neuen Amt als Co-Lead des Plattform-UI-Projekts! Du hast dir eine ganze Reihe von Zielen gesteckt. Welches davon möchtest du als erstes angehen?

Lars Vogel: Danke für die Glückwunsche. Das oberste Ziel ist auf jeden Fall, den Eclipse-Entwicklungsprozess weiter zu beleben. Dazu gehört eben, dass wir als Plattform-Team schneller auf Codebeiträge reagieren, die Unit-Tests überarbeiten, die Codebasis modernisieren und den ganzen Contributor-Prozess vereinfachen.

Zusätzlich möchten wir gerne die gesamte Eclipse-IDE-Erfahrung verbessern, damit unsere IDE-Nutzer noch begeisterter davon sind. Das erzeugt dann einen positiven Spin, da dann noch mehr helfen, die IDE zu verbessern. Und das ist jetzt sehr viel einfacher, da ich als Project Lead einen besseren Draht zu den anderen Leads habe.

An dieser Stelle ein großes Danke an Dani Megert (JDT und Platform Lead), der mir als „alter Eclipse-Hase“ mit Rat und Tat zur Seite steht. Und natürlich auch ein großes Danke an alle Plattform-UI-Committer und Contributoren, die alle zusammen unser Projekt so großartig machen.

Du bist der erste Nicht-IBM-Lead in diesem Projekt. Im Prinzip symptomatisch dafür, dass gerade kleinere Unternehmen immer aktiver werden. Sind Unternehmen wie deines, die die Notwendigkeit sehen selbst stärker mitzuwirken, große Ausnahmen? Oder siehst du darin eine allgemeine Tendenz?

Leider sind die meisten Unternehmen nicht bereit, in Open-Source-Entwicklungstools zu investieren. Die vogella GmbH hat mehrere größere Fortune-100-Unternehmen als Stammkunden, z. B. bei einem unserer Kunden arbeiten mehr als 60 Entwickler an Eclipse-RCP-basiertem Inhouse Tooling. Der Kunde aber macht aus politischen und juristischen Gründen nicht beim Eclipse-Projekt mit.

Wir, die vogella GmbH, investieren in das Eclipse-Projekt Zeit und damit auch Geld, weil wir vom Open-Source-Gedanken überzeugt sind und weil wir die Eclipse-Plattform und die Eclipse-Community sehr schätzen. Unsere Kunden profitieren von unserem Open-Source-Investment natürlich dadurch, dass wir absolute Spitzenexperten in unserem Gebieten sind. Und unsere Mitarbeiter haben Spaß bei der Arbeit, weil man bei uns extrem viel lernt. Auch arbeitet man mit den Spitzenentwicklern von beispielsweise Google, der SAP und der IBM zusammen. In welcher Firma ist das sonst der Fall? Wir planen sogar, unser Team zu vergrößern und suchen nach neuen Mitarbeitern.

Du gibst ja u.a. Konferenztalks und Hackathons dazu, wie man sich als Individuum in den Entwicklungsprozess einbringen kann. Was empfiehlst du diesbezüglich anderen Unternehmen, die auf Eclipse setzen und auch weiterhin setzen wollen?

Entscheidungsfinder in Unternehmen tun sich leider oft schwer damit, jemanden zu bezahlen, um an Open-Source-zu arbeiten. Wir finden bei unseren Kunden leider immer wieder teure Workarounds, die in ihrer Konsequenz den Kunden sehr viel mehr Geld kosten, als wenn der Kunde das Problem direkt im Eclipse Projekt lösen würde.

Auch sollten Unternehmen berücksichtigen, dass ihre Produkte wahrscheinlich noch in 20 Jahren bei ihren Kunden im Einsatz sein werden. Von daher sollten sie aus Eigeninteresse auch in die Eclipse-Plattform investieren, entweder direkt über Codebeiträge oder indirekt durch Sponsoring. Das Sponsoring kann eine Eclipse-Mitgliedschaft sein, oder auch ein Sponsored Development, bei dem ein Eclipse-erfahrenes Unternehmen im Auftrag Entwicklungen in Eclipse durchführt.

Lars Vogel ist Eclipse-Plattform- und e4-Entwickler (Committer) und Gründer der vogella GmbH. Die vogella GmbH unterstützt Kunden bei der Implementierung von Eclipse-Plug-ins und RCP-Applikation und führt Schulungen zu diesen und anderen Themen durch. Mail: sales@vogella.com

Viele potentielle Contributors und Committer haben sich in der Vergangenheit vom langwierigen Review-Prozess beim Platform UI-Projekt abschrecken lassen. Was glaubst du, wie lange es dauern wird, den Prozess zu vereinfachen?

Wir sind dabei. Zum Beispiel hat die Eclipse-Community gerade implementiert, dass Patches die über Gerrit beigesteuert werden, automatisch mit den dazugehörigen Bugreports verlinkt werden. Das nimmt den Committern und Contributoren unnötige manuelle Arbeit ab. Jeder Schritt in diese Richtung macht die Mitarbeit einfacher. Und da aktuell viele neue Leute in dem Projekt einsteigen, werden auch immer wieder etablierte Prozesse in Frage gestellt, die man vereinfachen kann. Das bringt neuen Schwung.

Ein Ziel hast du etwas allgemeiner formuliert: „Ensure that the Eclipse IDE remains the best IDE out there“: An welchen Stellen muss aus deiner Sicht noch optimiert werden, um genau das zu gewährleisten?

Performance oder besser gesagt gefühlte Performance ist aus meiner Sicht der entscheidende Faktor in einer modernen IDE. Die Features sind eigentlich alle schon da, jetzt müssen sie schneller werden bzw. schneller für den Benutzer erreichbar. Daran arbeiten wir als Eclipse-Projekt, und zwar auf vielen Ebenen. Details aus dem Plattform-Projekt finden sich in Simon Scholz und meiner regelmäßigen Kolumne im Eclipse Magazin.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: