Auf der Suche nach dem "zweiten Mylyn"

Hartmut Schlosser

Was haben Eclipse-Projekte wie Mylyn, GEF3D, Bioclipse, Object Teams, Zest, Eclipse Code Recommenders, Code Bubbles, Saros, EMFText und Eclipse Model Repository gemeinsam?

Richtig, sie wurden alle im akademischen Umfeld entwickelt – äußerst unterschiedlich sind diese Projekte allerdings darin, wie stark es ihnen gelingen konnte, ihren Charakter als universitäres Forschungsprojekt abzulegen und eine echte Community um sich zu versammeln. Fast einmalig ist die Erfolgsgeschichte von Mylyn, das sich nicht nur zu einem der meistgenutzten Eclipse-Tools entwickelte, sondern auch Grundlage des Business-Modells eines erfolgreichen Unternehmens (Tasktop) wurde.

Was kann die Eclipse-Community tun, um Eclipse-basierte Projekte mit akademischem Hintergrund besser zu unterstützen und ein „zweites Mylyn“ zu ermöglichen? Diese Frage stellt sich Eclipse-Committer Chris Aniszczyk in seinem Blogeintrag „Eclipse and Academia“ und hat damit eine Diskussion angeregt, in der sich viele akademische Entwickler zu Wort gemeldet haben.

Chris´ Ausgangsfragen waren die folgenden:

  • Should we have closer ties to academic conferences
  • How about a list of all academic publications that use Eclipse technology
  • How about having an „open source technology incubator“ that lets people take a project and build a business (e.g., Mylyn -> Tasktop)
  • Amend EclipseCon to accept position papers and have them published in a Eclipse focused academic journal

Chris Aniszczyk

Interessant ist der Kommentar von Andrew Eisenberg mit der Anmerkung, dass sich die Projekt-Anforderungen im akademischen Umfeld grundlegend von denen eines Eclipse-Community-Projektes unterscheiden. Während es als offizielles Eclipse-Projekt stark um die Industrie-Tauglichkeit gehe, seien Universitätsprojekte oftmals eher „Proof-of-Concepts“ experimenteller neuer Ansätze.

Zudem werde im akademischen Umfeld der Fokus auf Code-Qualität und auf Community-Bildung nicht belohnt und stehe sogar der eigenen Karriere im Weg:

Academicians who focus too much on the software itself, or making a community do so at their peril and their academic credentials suffer because they are not working towards their Big Idea. Andrew Eisenberg

In der Diskussion (siehe auch die Folge-Blogeinträge „Re: Eclipse and Academia“ von Stepahn Herrmann und „From Eclipse to research. and back again“ von Francisco Gortazar-Bellas) wurden einige Anregungen gegeben, wie die Kluft zwischen Forschung und Industrie überwunden werden könnte:

  • Mehr Raum für akademische Projekte auf Konferenzen wie EclipseCon
  • Zentrale Veröffentlichung von Forschungsberichten mit Eclipse-Hintergrund
  • Eigenes Repository für akademische Eclipse-Projekte
  • Community-Aufruf, sich am Beta-Testen zu beteiligen
  • In die Eclipse-IDE integrierter Mechanismus, der Daten über das Eclipse-Nutzungsverhalten an Forschungsprojekte weiterleitet
  • Von der Eclipse Foundation ausgeschriebene Wettbewerbe um die besten akademischen Projekte einer Kategorie
  • Projekt-Sponsoring für innovative neue Projekte (Eclipse Innovation Grants nach dem Vorbild der IBM Innovation Grants)
  • Eine eigene Eclipse Research IDE als Plattform für Forschungsprojekte mit Anbindung an den Eclipse Marketplace

In vielen Fällen nähern sich die Vorschläge dem im Eclipse-Umfeld häufig diskutierten Problem, einen Raum für Eclipse-Projekte zu schaffen, die nicht den strengen Richtlinien der Eclipse Foundation entsprechen müssen. Eine Lösung wurde von der Eclipse Foundation bereits in Aussicht gestellt – bleibt abzuwarten, was sich hier konkret noch tut.

Schade wäre es allemal, wenn es innovative Projekte wie Eclipse Code Recommenders oder Code Bubbles aufgrund unzureichender Eclipse-Infrastruktur niemals den Weg ins Lager der offiziellen Community-Projekte schafften.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.