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Auf dem Weg zur idealen Syntax: JVM-Sprache Quorum greift zu den Sternen

Hartmut Schlosser
©Shutterstock/Bruce Rolff

Der Schatz an Programmiersprachen für die JVM ist beeindruckend. Über 90 Sprachen stellt eine Liste auf Wikipedia zusammen – wobei die Vollständigkeit hier nicht garantiert werden kann. Beispielsweise nicht auf der Liste zu finden ist die Sprache Quorum, die vor kurzem ihr 2.0-Release verabschiedet hat.

Entstanden ist Quorum an der Southern Illinois University Edwardsville als Teil eines Forschungsprojektes, bei dem es um eine möglichst intuitive Syntax und Semantik ging. Empirische Studien sollen belegen, dass Programmiereinsteiger mit der Quorum-Syntax signifikant genauere Ergebnisse als mit einer C-basierten Syntax erzielen.

Hier wird also explizit das einfache Verständnis von Sprache auf die Waagschale gelegt: Regelmäßig werden Experimente durchgeführt, andere Forschungsgruppen für Tests eingeladen, mit dem einen Ziel, die Quorum-Sprache immer weiter zu verfeinern, damit sie für Menschen einfacher zu verstehen und zu nutzen ist. Beispielsweise wurde in Quorum 1.7 die If-Anweisung an das Ruby-Vorbild angepasst, da Studien nahelegten, dass die Ruby-Variante von Anfängern am schnellsten aufgenommen wird.

Den breiteren Entstehungskontext der Sprache beschreibt Quorum-Mitentwickler Andreas Stefik in einem DZone-Interview. Das Team arbeitete eigentlich an einer neuen NetBeans-IDE namens SodBeans, die auf die Bedürfnisse von sehbehinderten Menschen zugeschnitten ist. Die Frage war nun, ob die Konzepte, um die Entwicklungsumgebung möglichst intuitiv zu gestalten, auch im weiteren Kontext einer Programmiersprache zur Geltung gebracht werden könnten.

Einige Sprachcharakteristika: Quorum ist eine Objekt-orientierte Sprache mit Typisierungs-Features, die in Java Bytecode kompiliert. Der Compiler verfügt über eine Plug-in-Architektur, die es erlaubt, mittels Java Erweiterungen zu entwickeln. Quorum ist über einen Kommandozeilen-Client oder als Bundle für die NetBeans-Plattform (in der SodBeans-IDE) erhältlich. Derzeit ist eine Standard Library für die Sprache im Aufbau, deren erste Ergebnisse auf der Quorum-Homepage zu begutachten sind.

In der Version 2.0 wurden wieder einige Sprachänderungen vorgenommen, beispielsweise wurde die „Print“-Anweisung durch „Output“ ersetzt. Überarbeitet wurde das Typensystem, das auch von IDEs, etwa zu Debug-Zwecken, verstanden wird. Außerdem präsentiert sich die Sprache auf einer neuen Webseite in zeitgenössischem Gewand.

Wo es nun weiter hingehen soll mit Quorum, erklärt Andreas Stefik: Das ambitionierte Ziel besteht darin, für jeden Aspekt der Quorum-Sprache eine wissenschaftliche Aussage machen zu können, warum die Syntax und Semantik genau so gewählt wurde. Hier geht es dann auch um so grundsätzliche Fragen wie: Welches ist das beste Typensystem? Wie wirken sich Closures auf die Verständlichkeit einer Sprache aus?

I want to know how every feature of alternative programming languages stacks up against each other (e.g., should closures be in a language, what kind of type system should be used?) and to include only the best in Quorum. Andreas Stefik

Dass diese Arbeit Dekaden in Anspruch nehmen könnte, schreckt Stefik nicht ab. Denn profitieren würden alle nachkommenden Sprachdesigner, die im Allgemeinen nur vage Vorstellungen über die Usability einer Sprache haben.

Ein spannendes Projekt, das man weiter verfolgen sollte. Nähern wir uns hier allmählich einer idealen Syntax für eine Programmiersprache an? Auch wenn diese Frage nicht endgültig geklärt werden wird: Wer wäre nicht gespannt auf vergleichende Studien über die Verständlichkeit von Java versus Scala versus JavaScript versus PHP versus ….?

Aufmacherbild: Cross Abstract von Shutterstock / Urheberrecht: Bruce Rolff

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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2 Kommentare auf "Auf dem Weg zur idealen Syntax: JVM-Sprache Quorum greift zu den Sternen"

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Heiner Kücker
Gast
Ich habe mal grob drüber geschaut, ausser der Mehrfachvererbung scheint es ein Java mit einer etwas anderen Syntax zu sein. Ich glaube nicht, dass dies irgendwelche Probleme löst, ausser syntaktische Fallen wie nicht-statische innere Klassen. Auch für Anfänger sind die grössten Probleme die Meta-Konzepte, die mit der Sprache ausgedrückt werden, Pattern genannt oder nicht. Diese Meta-Konzepte, Fernwirkungen, sollten von einer einfachen Sprache adressiert werden. Als ich mit dBase/Clipper zu programmieren begonnen habe, war für mich der größte Schritt die Verinnerlichung der imperativen Konzepte, wie geschachtelte Schleifen zur Gruppierung von sortierten Daten mit trickreichem Schleifen-Abbruch. Das imperative Konzept sollte, ausser für… Read more »
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Gast
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