Interview mit Rust Core-Entwickler Steve Klabnik

„Ich denke, dass es nur noch einige wenige Hauptfunktionen braucht, bevor Rust größtenteils als fertig angesehen werden kann“

Jan Bernecke

©Shutterstock / Dimitris Panas

Zu Jahresbeginn wurde Rust bei etlichen großen Umfragen als eine Programmiersprache mit wachsender Popularität und viel Potential geführt. Wir haben das Release der Version 1.43.0 zum Anlass genommen, um mit Steve Klabnik aus dem Core-Team, ein Interview über den aktuellen Stand und die Zukunft von Rust zu führen.

JAXenter: Hallo Steve und vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Du bist Mitglied des Rust Core-Teams, was sind deine Hauptaufgaben und wie organisiert ihr die Arbeit im Team? Woran arbeiten ihr derzeit?

Steve Klabnik: Die Arbeit im Core-Team bei Rust funktioniert etwas anders als bei anderen Sprachen. Unsere Aufgabe besteht hauptsächlich darin, das Projekt als Ganzes zu überwachen. Wir leisten also viel reaktive Arbeit. Einige Teams brauchen eine bestimmte Art von Hilfe, und wir finden heraus, wie wir sie ihnen geben können. Wir leisten auch etwas proaktive Arbeit, so ist eine große aktuelle Frage zum Beispiel, ob wir eine Rust „Edition 2021“ haben werden oder nicht. Das ist eine Art gemeinsame Entscheidung zwischen dem Core-Team und dem Language-Team. Wir veröffentlichen sogar Teile unserer Sitzungen: https://github.com/rust-lang/core-team/blob/master/minutes/core-team/meetings.md

JAXenter: Du bist schon seit einiger Zeit bei Rust involviert, wie denkst du über die Entwicklung der Sprache?

Klabnik: Wenn die Dinge reifen, ändern sich die Bedürfnisse. Früher konnten wir tun und lassen was wir wollten, hatten niemandem gegenüber Verantwortung. Jetzt müssen wir sehr bewusst mit Veränderungen umgehen. Wir können nur Dinge hinzufügen, niemals entfernen. Wir haben Unternehmen wie Amazon, Facebook, Apple, Google und Microsoft, die Rust in ihren Produkten verwenden, deshalb müssen wir sehr zuverlässig sein. Früher hatten wir auch eine kleine Anzahl von Mitwirkenden, mittlerweile haben wir rund 200. Früher wurden etwa 100 Pull-Anfragen in einer bestimmten Woche zusammengeführt, jetzt sind es ungefähr 400.

JAXenter: Rust hat immer noch den Ruf einer Sprache, die nicht leicht zu erlernen ist. Stimmst du dem zu und wie beurteilst du die allgemeine Situation von Rust im Moment?

Klabnik: Ich stimme zu, dass sie nicht leicht zu lernen ist, aber das bedeutet nicht, dass sie unmöglich ist. Bei Rust muss man sein Programm im Grunde schon im Vorfeld debuggen. Als ich noch mit Ruby geschrieben habe, habe ich sehr schnell „etwas zum Laufen gebracht“. Aber es gab Fehler und es dauerte eine Weile, sie aufzuspüren. Mit Rust brauche ich etwas länger, um loszulegen, aber wenn es fertig ist, habe ich eine viel geringere Fehlerrate als mit Ruby. Die gibt es natürlich immer noch! Aber ich verbringe viel weniger Zeit damit, sie aufzuspüren. Dieser Mentalitätswandel kann für manche Leute schwierig sein, oder vielleicht ist er einfach nicht ihr Ding. Wir wollen, dass der Rust Code sehr zuverlässig ist, und das geht mit einer gewissen Strenge einher, was bedeutet, dass es Zeit braucht, bis man es lernt. Wir sind immer gerne bereit, den Leuten mit einer Frage, egal wie groß oder klein, in unserem Forum, users.rust-lang.org, zu helfen.

JAXenter: Die jüngste Umfrage in der Community hat unter anderem gezeigt, dass viele Programmierer sich mehr Lerninhalte wie Videos, Blogs oder Tutorials wünschen. Sind solche Dinge, die über die bereits vorhandenen Inhalte hinausgehen, für die Zukunft geplant?

Klabnik: Nicht von den Teams selbst, aber wir haben gesehen, dass einige Leute aus der Community verstärkt damit begonnen haben, mehr Video-Content zu produzieren.

JAXenter: Apropos Zukunft: Wie soll sich Rust deiner Meinung nach entwickeln? Welche Funktionen fehlen noch?

Klabnik: Ich denke, dass es nur noch einige wenige Hauptfunktionen braucht, bevor Rust größtenteils als fertig angesehen werden kann:

  1. const generics
  2. GATs

Diese beiden Funktionen werden es uns ermöglichen, bestimmte APIs zu erstellen, die wir derzeit noch nicht erstellen können. Es gibt noch andere Features, die zwar auch sehr interessant wären, aber meiner Meinung nach weniger wichtig sind.

Ich würde mir auch wünschen, dass die Arbeitsgruppe Unsafe Code Guidelines ihre Arbeit beendet. Sie erarbeitet umfassende Regeln, denen sich Unsafe Code unterordnen muss. Das ist im Moment ein kniffliger Teil von Rust, obwohl die meisten Programmierer glücklicherweise nicht auf unsicheren Code zurückgreifen müssen.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

steve_klabnikSteve Klabnik ist Mitglied des Rust Core-Teams und Autor des Buches „The Rust Programming Language“. Er arbeitet bei Cloudflare.
Geschrieben von
Jan Bernecke
Jan Bernecke
Jan Bernecke ist seit 2019 Online-Redakteur bei S&S Media. Zuvor war der rugbyspielende Literaturwissenschaftler im Bereich Online-Marketing tätig.
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