Architekten sind lediglich Mittel zum Zweck

Hartmut Schlosser

Kennen Sie den Satz: “Softwarearchitekten sind zu teuer, sowas muss ein erfahrenes Team selbst hinbekommen”? Nun, das klingt zwar auf den ersten Blick nach dem Spruch eines überheblichen Managers, der die Kosten für einen Architekten einsparen möchte.  Für JAXenter-Kolumnist Joachim Arrasz kann es aber auch ein Ideal bedeuten: ein Team tatsächlich so kompetent zu machen, dass es die wichtigsten Fragen über die Architektur einer Anwendung selbst beantworten kann.

In seiner letzten Kolumne „Be pragmatic, not dogmatic!“ ging Arrasz der Frage nach, unter welchen Voraussetzungen ein Team die Funktion eines Software-Architekten übernehmen kann. Ist das Team erfahren genug, um beispielsweise die folgenden Fragen selbst zu beantworten:

  • Ist meine aktuelle Architektur und Entwicklungsgeschwindigkeit in Ordnung?
  • Sind wir als Firma bereit, genügend für Fortbildung, Forschung und Schulungen der Kollegen zu bezahlen, welche sich um Architekturen und technische Stacks kümmern sollen?
  • Belangen Versionsaktualisierungen meiner eingesetzten Werkzeuge, Frameworks und APIs meine aktuelle Situation?
  • Welche Auswirkungen und Kosten hat es, wenn ich dieses Mal den Versionssprung nicht mitmache?

Im Hintergrund schwelt natürlich so manche negative Erfahrung mit „externen“ Architekten, die ohne Verständnis der Fachdomäne kluge Ratschläge erteilen, nach einigen Wochen aber wieder weg vom Fenster sind.

Wie Sie die Rolle des Architekten einschätzen, wollten wir deshalb in einem Quickvote von Ihnen wissen. Etwas zugespitzt lautete die Frage: Software-Architekten, sind sie noch nötig?

Das Ergebnis:

  • Beratend sind Software-Architekten eine gute Sache. 47% (63 Stimmen)
  • Jemand muss den Hut aufhaben! Zur Durchführung eines größeren Projektes ist ein Architekt als leitende Instanz wünschenswert. 34% (45 Stimmen)
  • Nein, die Zeiten dieser „Dinos“ sind vorbei. Sowas muss ein erfahrenes Team selbst hinbekommen. 19% (26 Stimmen)

Software-Architekten als Berater finden viele also sinnvoll. Gleichzeitig deutet das Ergebnis aber daraufhin, dass es tatsächlich Bedenken gibt, einem Architekten zu viele Vollmachten zu übertragen. Offenbar sind die oben erwähnten negativen Erfahrungen mit allzu „autoritären“ Architekten keine Seltenheit.

Deutlich wird aber auch, dass das Ideal eines Teams, dass die Architektur-Fragen selbst beantworten kann, nicht häufig real anzutreffen ist. Nur 19% sagen: Sowas muss ein erfahrenes Team selbst hinbekommen.

Insgesamt muss wohl immer der Einzelfall untersucht werden: Ob die Arbeit eines Architekten sinnvoll ist, kommt letztlich auf das Wie an, auf das Zusammenspiel des Architekten mit dem Team, auf die Langfristigkeit seines Engagements und auf die Adäquanz seiner Architektur-Entscheidungen in Hinblick auf die Unternehmensziele.

 Enden wir die Diskussion mit einem Kommentar von Dierk König, der betont, dass es zunächst auf die Architektur ankommt, die es zu implementieren gilt – wenn nötig, mittels eines Architekten:

„Architektur ist wichtig, Architekten sind lediglich Mittel zum Zweck. Sie helfen, die Architektur zu finden, zu beschreiben, zu verstehen, und einzusetzen.“ Das wäre mein Vorschlag für eine Antwort-Option.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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