Apple und das ungeliebte Java

Hartmut Schlosser

Apple hat seine eigene Java-Implementierung für die Mac OS-X-Betriebssysteme für „deprecated“ erklärt und damit nahegelegt, dass zukünftige Versionen von Mac-Betriebssystemen ohne Java ausgeliefert werden.

Die berüchtigten Zeilen, die heute so viel ratloses Kopfschütteln in der Java-Community ausgelöst haben, lauten im Klartext:

As of the release of Java for Mac OS X 10.6 Update 3, the version of Java that is ported by Apple, and that ships with Mac OS X, is deprecated.

This means that the Apple-produced runtime will not be maintained at the same level, and may be removed from future versions of Mac OS X.

Es ist also davon auszugehen, dass Apple die Entwicklungslast, Java auf zukünftigen Mac OS lauffähig zu machen, auf andere Unternehmen oder Communities verteilen möchte.

Doch was ist eigentlich so ungewöhnlich daran?

Schließlich tut Microsoft seit Jahren dasselbe, und es ist nur Abkommen zwischen Microsoft und Hardware-Herstellern wie Sun/Dell/HP etc. zu verdanken, dass Java in vielen Windows-Rechnern vorinstalliert daherkommt. Weshalb also die ganze Aufregung?

Tabula rasa

Tim Anderson überlegt in seinem Blog, ob die heutige Ankündigung womöglich gar Gutes für die Java-Community verheißen könnte. Apples offizielle Java-Version war schließlich oft dafür kritisiert worden, dass Updates nur schleppend und mit erheblicher Verzögerung verfügbar gemacht wurden (und Apples hinterherhinkendes Java damit Hacker-Angriffen schutzlos ausgesetzt war). Nicht umsonst hatten zuletzt Eclipse-Entwickler hart daran gearbeitet, Eclipse 3.6 mit dem OpenJDK auf Mac-Systemen zu vereinen:

This will free us from Apple’s oft-criticized and historically slow release cycle of the Java VM. David Green

So hatte David Green von Tasktop Technology Anfang des Jahres erleichtert in seinem Blog ausgerufen.

Ist es also nicht vielleicht besser, dass Apple hier reinen Tisch macht und klarstellt: Wer Java auf dem Mac möchte, der muss die Oracle JVM oder eine Drittpartei-Implementierung installieren!

Der Anfang vom Ende für Eclipse auf dem Mac

Für Alex Blewitt ist es das „Ende einer Ära“, wenn Java nicht mehr auf Apple-Betriebssystemen ausgeliefert wird. Es sei zwar nicht das erste Mal, dass Apple Java-Entwicklern Kopfschmerzen bereite:

Bei der Einführung des Leopard-Betriebssystems wurden die Entwicklungen an der 64-bit JVM und 10.6 eingestellt, was PPC-Anwender mit einer antiquierten Java-Version zurückließ – und das, obwohl Steve Jobs 2001 das OSX-Betriebssystem noch als beste Plattform für die Java-Entwicklung verkauft hatte.

Doch führt Blewitt aus, dass Apples völlige Abkehr von Java gerade Entwicklungsumgebungen wie Eclipse, NetBeans oder IntelliJ vor große Probleme stellt, die Unterstützung für Mac OS aufrechtzuerhalten. Problematisch seien die Cocoa-spezifischen Bindings und Hooks in der OSX-Implementierung von Java. Apple hat zwar ein erweitertes eAWT-Package und Möglichkeiten der Einbindung alternativer JVMs vorgestellt. Dass dies allerdings reibungslos und ohne erheblichen Entwicklungsaufwand vonstatten gehen wird, darf bezweifelt werden.

Außerdem könnte es sich herausstellen, dass Apples Abkehr von Java eine strategische Entscheidung von größerer Tragweite darstellt. Tim Anderson berichtet, dass auch für den neuen Mac App Store (eine Desktop-Version des iOS-App-Store) Java-Anwendungen nicht erlaubt sind:

3.3.1 Applications may only use public APIs and frameworks included in the default installation of Mac OS X or as bundled with Xcode as provided by Apple, deprecated technologies (such as Java) may not be used. siehe: Quelle

Andersson sieht hier die Strategie Apples greifen, nur die eigenen App-Store-Installationen zuzulassen.

Quo Vadis Apple?

Will Apple sich nicht vom neuen Java-Besitzer Oracle abhängig machen? Will es sich die Lizenzgebühren und die Entwicklungsarbeit für die eigene Java-Version sparen? Oder ist die heutige Ankündigung im Kontext einer Stategie zu sehen, Nicht-Apple-Software wie Flash und nun eben auch Java von der Apple-Kernplattform fernzuhalten?

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Hartmut Schlosser
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