Jörg Neumann auf der MTC 2017

Mobile-App-Entwicklung: „Eine gute Usability ist mehr als nur gutes Aussehen“

Kypriani Sinaris

Jörg Neumann

Die Usability ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg oder Misserfolg einer App. Wir haben mit Jörg Neumann (Acando), Speaker auf der MobileTech Con 2017, über das Design First Development mit Storyboards gesprochen und wie man es schafft, seine Anwender besser zu verstehen.

JAXenter: Erfolgreiche Apps weisen eine gute Usability auf. Was verstehst du darunter? 

Jörg Neumann: Eine gute Usability ist mehr als nur gutes Aussehen. Hierbei geht es vor allem darum, die Bedürfnisse des Kunden genau zu treffen und seine Handlung vorauszuahnen. Zudem sollte die Oberfläche so aufgebaut sein, dass sie sich dem Benutzer intuitiv erschließt. Denn umständlich zu bedienende Apps werden schlicht und einfach nicht verwendet. Besonders wenn sie aus dem App Store installiert werden, müssen Apps in den ersten 2 Minuten überzeugen, ansonsten werden sie direkt wieder gelöscht.

JAXenter: In deiner Session auf der MobileTech Con 2017 sprichst du außerdem von Storyboards: Wie sieht ein gutes Storyboard aus und was sind seine Vorteile?

Jörg Neumann: Anders als Wireframes oder Sketches bieten Storyboards ein konkretes Design. Das hilft insbesondere bei der Kommunikation mit dem Kunden, da er eine sehr genaue Vorstellung davon bekommt, wie die App später aussehen wird. Zudem demonstriert ein Storyboard das Verhalten der App. So können Navigation und Animation direkt erlebt und bewertet werden, bevor die Implementierung beginnt. Dies spart eine Menge unnötige Arbeit und hilft auch dem Entwickler. Denn ein Storyboard sagt mehr als tausend Seiten Konzept und Styleguide.

JAXenter: Du schlägst vor, für ein erfolgreiches App Developement alle Stakeholder an einen Tisch zu setzen. Warum ist das gerade für den Designprozess sinnvoll?

Jörg Neumann: Entwürfe am Reißbrett sind meist keine gute Idee, da der konkrete Kontext fehlt. Schließlich ist man selbst nicht in derselben Situation wie der Anwender und stellt daher oft die falschen Features in den Vordergrund. Wichtig ist zum Beispiel eine gute 80:20-Abschätzung – also mit welchen Features die meiste Zeit verbracht wird und welche eher nebensächlich sind. Diese Fragen können nur die Leute sinnvoll beantworten, die täglich mit der App arbeiten sollen. Kann man mit den zukünftigen Anwendern nicht sprechen, z. B. weil es sich um eine Consumer App handelt, kann man mit Personas arbeiten. Das hilft, sich besser in verschiedene Nutzergruppen zu versetzen und auf die richtigen Ideen zu kommen.

JAXenter: Nutzt du für die Zusammenarbeit aller Stakeholder bestimmte Tools und Techniken?

Jörg Neumann: In der Entwurfsphase nutze ich Design Thinking-Techniken, um einen möglichst genauen Eindruck der Nutzergruppe zu bekommen und die geplanten Features richtig zu priorisieren. Außerdem arbeite ich gerne mit Personas und Features Cards um möglichst dicht am Anwender zu designen. An Tools nutze ich je nach Projektumfang einfache Storyboard-Tools wie Indigo-Studio oder Tools wie Sketch und Origami Studio, wenn eher das Design im Vordergrund steht.

Jörg Neumann ist Principal Consultant bei der Acando GmbH in Hamburg und Microsoft MVP im Bereich Windows Platform Development. Er berät seit vielen Jahren Unternehmen bei der Technologieauswahl und der Architektur komplexer Anwendungen. Sei Fokus liegt hierbei auf Clienttechnologien wie Xamarin, Windows Universal Apps und WPF. Darüber hinaus vermittelt er sein Wissen regelmäßig in Form von Büchern, Artikeln sowie als Referent und Track Chair auf Entwicklerkonferenzen. Sie erreichen ihn über www.acando.de oder seinen Blog http://headwriteline.blogspot.com.
Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.