MTC 2017

App Retention: Weder Zufall noch Magie

Kypriani Sinaris

Entwickelt man eine App, möchte man natürlich auch, dass diese nicht nur von den Nutzern installiert, sondern nachhaltig genutzt wird. App Retention ist hier das Zauberwort. In seiner Session auf der Mobile Tech Conference 2017 zeigt Ihnen Johannes von Cramon, wie Sie Nutzer immer wieder in Ihre Anwendung zurückholen. Wir hatten vorab die Chance, ein Interview mit ihm zu führen.

JAXenter: Zauberwort App Retention: Kannst du erst mal erklären, was alles hinter dem Begriff steckt?

Johannes von Cramon: Bei der App Retention geht es grundsätzlich um die Wiederkehr der zuvor akquirierten Nutzer. Dabei kann ein Nutzer als “retained” gelten, wenn er die App zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder öffnet oder eine bestimmte Aktion durchführt. App Retention misst letztendlich den Erfolg der Kundenbindung und ist deshalb maßgeblich für den Erfolg der meisten Apps verantwortlich.

JAXenter: Ist Kundenbindung reines Marketing? Wer muss sich alles an einen Tisch setzen, damit eine App nachhaltig Erfolg hat?

Johannes von Cramon: Nein, auf keinen Fall. Vor allem Produktmanager und Designer sollten hier ein Auge draufhalten, denn keine Marketingstrategie kann ein gutes Produkt oder UI/UX ersetzen. Dennoch wird das Thema oftmals durch das Marketing getrieben, weil ihre Performance-KPI wie Cost per Acquisition oder Life Time Value davon unmittelbar betroffen sind.

Keine Marketingstrategie kann ein gutes Produkt oder UI/UX ersetzen.

JAXenter: Was sollten Entwickler schon früh in der App-Entwicklung beachten, damit ihre App langfristig für den Kunden attraktiv ist?

Johannes von Cramon: Es ist schwierig, hier eine Pauschalaussage zutreffen, da eine gute Retention von App zu App sehr unterschiedlich aussehen kann. Während z. B. ein Spiel oder soziales Netzwerk auf die tägliche Wiederkehr ihrer Nutzer angewiesen ist, kann ein Reiseportal selbst da erfolgreich sein, wenn nur alle paar Monate darüber gebucht wird. Entwickler – und der Rest des Teams – sollten sich während der Konzeption immer wieder fragen, wie groß diese Zeitabstände sein dürfen und wie Nutzer dazu gebracht werden können, jene Zyklen einzuhalten. Im besten Fall durch intrinsische Motivation, manchmal aber eben auch mittels geschickter Ansprache. Außerdem sollte seitens der Entwickler sichergestellt werden, dass alle notwendigen Verhaltens- und Nutzerdaten von Beginn an so getrackt werden, dass Marketing- und Produktmanager diese Auswertungen bei ihren tagtäglichen Entscheidungen miteinbeziehen können.

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Es wird Zeit, dass die Best Practices nicht mehr zu 90% nur aus dem Silicon Valley kommen.

JAXenter: Welche Fehler machen Unternehmen/Entwickler oft im Bezug auf die Kundenbindung in ihrer App? Hast du da eine Flop 3?

Johannes von Cramon: Nummer #1 ist für mich der Reaktionismus bei deutschen Unternehmen. Es wird sehr viel Geld für die App-Entwicklung und Nutzerakquise ausgegeben, jedoch macht sich kaum einer frühzeitig Gedanken über eine passende Retention-Strategie.

Damit einher geht meine Nummer #2 – schlechte CRMs. Im Web ist es mittlerweile sehr einfach geworden, ein vernünftiges Tracking aufzusetzen, auf Mobile birgt das noch einige Herausforderungen. Man ist meist auf verschiedene Anbieter angewiesen und eröffnet dadurch leicht einzelne Datensilos, die nicht hinreichend zusammenarbeiten.

Nummer #3 ist meiner Meinung nach der mangelnde UI/UX-Fokus deutscher Unternehmen. Viele Apps haben ein liebloses Design und missachten gelernte Usability-Paradigmen der einzelnen OS-Plattformen. Es wird Zeit, dass die Best Practices nicht mehr zu 90% nur aus dem Silicon Valley kommen.

JAXenter: Und was ist deine Top 3? Welche drei Tipps würdest du für eine erfolgreiche App Retention geben?

Johannes von Cramon: Wenn man die oberen Flops vermeidet, ist man schon auf einem sehr guten Weg. Allgemein wäre mein Rat schnell praktisch zu werden. Es wird über dieses Thema aktuell zwar viel geredet, konkrete Handlungen folgen aber noch selten. Kleine Maßnahmen, ob auf Produkt- oder Marketingseite, zur Verbesserung der Retention können schon einen sehr großen Effekt herbeiführen.

von_cramon_johannes_wpJohannes von Cramon berät mit seiner Agentur Growfirst (www.growfirst.de) Unternehmen wie BMW, McDonalds und limango bei der Umsetzung ihrer mobilen Marketingstrategien. Er twittert über @jovcra.
Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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