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Was bedeutet API First?

APIcon 2017 eröffnet: „APIs geben unserer Software eine Stimme“

Hartmut Schlosser

Aus „Web First“ wurde „Mobile First“, aus „Mobile First“ wird gerade „API First“. Mit dieser Formel bringt APIcon-Sprecher Kevin Bouwmeester die Veränderungen auf den Punkt, die Unternehmen auf dem Weg der fortschreitenden Digitalisierung erfassen. Auf der APIcon 2017 spüren Experten den Bedingungen und Chancen erfolgreicher API-Ökonomien nach.

APIs – die Stimmen der Software

Die APIcon ist die Konferenz für Web APIs, API Design und API Management, die aktuell zum ersten Mal in Berlin stattfindet. In seiner Eröffnungsrede stellte Program Chair Sebastian Meyen die Faktoren heraus, die API-Ökonomien gerade jetzt ins Zentrum der Aufmerksamkeit vieler Unternehmen stellen.

Zum einen haben wir es zunehmend mit disruptiven Märkten zu tun, in denen traditionelle Geschäftsmodelle in Frage gestellt werden. Startups wie UBER oder Airbnb fordern etablierte Unternehmen und ganze Branchen heraus, indem sie radikal Kunden-zentrierte Services anbieten, in deren Mittelpunkt gut designte Schnittstellen stehen.

Sebastian Meyen eröffnet die APIcon 2017

Voraussetzung für diese neuen Geschäftsmodelle sind zweitens technologische Entwicklungen wie Cloud-Plattformen (PaaS), Cloud-Dienste (SaaS), Microservices-Architekturen, die Verbreitung mobiler Devices oder die zunehmende Vernetzung im Internet der Dinge. Zusammengenommen ermöglichen sie eine völlig neue Art der Kundenansprache, die früher nicht realisierbar war.

APIcon-Sprecher Kevin Bouwmeester (Google) stellte die veränderte Erwartungshaltung heraus, die sich durch diese technologischen Fortschritte ergeben: „Der Kunde will heute mit einer Bank so interagieren können wie mit Twitter oder Facebook.“

Drittens erkennen Unternehmen die Bereitstellung ihrer Produkte über APIs als Geschäftsmodell an sich. Kevin Bouwmeester nannte hier als Beispiel den Hersteller von Navigationsgeräten TomTom, der seine Kartendaten mittlerweile hauptsächlich über APIs bereit stellt. Ein anderes Beispiel wäre die Subscription-Management-Plattform billwerk, die skalierbare Subscription-Modelle als Service via APIs anbietet.

Lesen Sie auch: Das APIcon-Interview mit Rainer Stropek – Siegeszug der APIs – von Freiheit, Flexibilität und Microservices

Die Öffnung nach außen

Über APIs geben wir unserer Software eine Stimme, so Kevin Bouwmeester. Dabei gibt es verschiedene Typen von APIs.

Bouwmeester nannte die Kommunikation zwischen Komponenten einer Anwendung, wie sie etwa in Microservices-Architekturen gefordert ist. Darüber hinaus bilden APIs die Schnittstellen zwischen technischer und realer Welt, über die Interaktionen – zunehmend auch über Sprache – möglich werden. Und drittens bilden APIs neue Kanäle, um Produkte zu verteilen.

APIcon Keynote von Kevin Bouwmeester: Accelerate your business with APIs

API-Ökosysteme nach Kevin Bouwmeester

APIs müssen laut Bouwmeester drei Kriterien erfüllen: Sie müssen einfach zu nutzen sein. Sie müssen sicher sein. Sie müssen intelligent sein. Und damit sind auch einige der Herausforderungen benannt, denen sich API Designer von heute stellen müssen: Authentifizierung, Autorisierung, Load Balancing, Scheduling, Monitoring, API Translation, Protocol Translation, Smart Routing, Encryption, Intelligent Caching, Orchestration, User Experience, Recommendation Engines, Machine Learning, etc.

Im Resultat ermöglichen APIs ganze Ökosysteme unterschiedlicher Tragweite: interne Ökosysteme, Partner-Ökosysteme, Industrie-Ökosysteme, öffentliche Ökosysteme. Aus diesen Ökosystemen lassen sich wiederum neue Geschäftsmodelle ableiten.

Um nochmals das Beispiel UBER zu bemühen: Technisch gesehen verlässt sich UBER auf eine Reihe externer Dienste – Amazon Web Services, Google Cloud Messaging, Braintree, Mandrill, Android/iOS, Apple MapKit/Google Maps -, um zu einem Marktführer im Beförderungsbusiness aufzusteigen, ohne je auch nur ein einziges Fahrzeug selbst anschaffen zu müssen. Möglich ist dies nur über die Nutzung und Bereitstellung von APIs.

Warum APIs?

Warum APIs? Weil Software die Welt aufgegessen hat – so brachte Bouwmeester den berühmten Satz von Andreessen Horowitz ins Spiel. Die Software hat alle Bereiche des Lebens durchdrungen. Doch erst jetzt sind wir bereit, via APIs die Industrien zu verändern.

Eine Botschaft gab Sebastian Meyen den Besuchern der APIcon mit auf den Weg: Statt sich mit der Optimierung interner Prozesse zu beschäftigen, geht es im API-First-Ansatz darum, sich nach außen zu richten und auf die Suche zu gehen nach einem immer besseren Verständnis der Bedürfnisse und Wünsche des Kunden.

Die APIcon findet vom 18. bis 20. September in Berlin statt. JAXenter berichtet live vor Ort.

HINTERGRUND ZUM THEMA:

Microservices, Container, API Economy: Middleware als Schlüssel für moderne Software-Architektur

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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