Apaches JCP-Rücktritt: Reaktionen - JAXenter

Apaches JCP-Rücktritt: Reaktionen

Hartmut Schlosser

Die Apache Software Foundation hat nun also das JCP Exekutiv-Komitee verlassen. Nach achtjähriger Mitgliedschaft und aktiver Umsetzung von JSRs in Projekten wie Apache Commons (JSR 223), Apache Felix (JSR 291), Apache Jakarta (JSR 107), Apache MyFaces (JSRs 252, 314), Apache Tomcat (JSRs 45,152,154,245,315) war es der Lizenzstreit um die Java-Implementierung Harmony und die strikte Haltung Oracles, keine Lizenz-Diskussionen zuzulassen, die zum endgültigen Bruch geführt haben.

Adam Messinger, Vice President of Development, antwortet auf den Rücktritt Apaches, Oracle selbst habe Apache bei der Wahl zum Java Exekutiv-Komitee nominiert, um Apaches Verdienste um Java zu würdigen. Apache habe sich indes gegen die vorgeschlagenen JSRs für Java SE 7 und SE 8 gestellt und sich damit auch gegen den Fortschritt Javas entschieden.

Messinger führt aus, Oracle habe die Verantwortung übernommen, Java weiterzubringen und die Einheit des Java-Standards sicherzustellen. Dies befürworte auch die Mehrheit des EC. Der Apache Foundation rät er, ihre Position nochmals zu überdenken und am Prozess der Weiterentwicklung von Java teilzunehmen.

Nachdem eine Anfang der Woche erschienene Oracle-Pressemitteilung Apache noch aus dem Kreis der wichtigen Player im Java-Ökosystem ausgeschlossen hatte, bemerkt Messinger heute, die Apache Software Foundation und viele dort entwickelten Open-Source-Projekte seien ein wichtiger Teil des Java-Ökosystems.

We encourage Apache to reconsider its position and remain a part of the process to move Java forward. ASF and many open source projects within it are an important part of the overall Java ecosystem. Adam Messinger

Reaktionen

Das Argument Messingers, die Apache Foundation habe sich mit ihrer „Nein“-Stimme gegen den Fortschritt Javas entschieden, lässt Apache-Vertreter Stephen Colebourne nicht gelten. In seinem Blogeintrag „Is the JCP dead?“ schreibt er, Oracle habe lange vor der Wahl erklärt, man werde die JSRs notfalls auch ohne die Zustimmung des EC umsetzen.

Für Colebourne ist der JCP als offenes Spezifizierungsgremium damit gestorben. Hätte das EC mehrheitlich mit „Nein“ gestimmt und Oracle gezwungen, Java SE 7/8 außerhalb des JCP zu entwickeln, wäre wenigstens die Integrität des EC und der JSPA-Lizenz gewährt geblieben. Auf die technologische Weiterentwicklung von Java hätte dies aber keine Auswirkungen gehabt.

Colebourne beschreibt nochmals die Situation nach der Übernahme von Sun durch Oracle, als bei Apache Hoffnungen aufgekommen seien, der Streit um das Harmony-Projekt könne endlich beigelegt werden, insbesondere deshalb, weil Oracle die Position Apaches stets unterstützt hatte.

Diese Hoffnung sei enttäuscht worden und Oracle habe den JCP zu einem Ort der reinen Unternehmenspolitik gemacht, in dem Apache, eine Not-for-Profit-Organisation, fehl am Platze sei.

The EC corporate members, and their lackie Eclipse, had decided to pass the JSRs even though they were in violation of the legal agreements. This was now big company politics, and if the ASF had to go, then it had to go. Stephen Colebourne

Colebourne schließt:

After all, there is no point helping to write specifications that you aren’t allowed to implement. Stephen Colebourne

So as that era closes we look forward to the new closed era of Java. Where its Oracle’s way or the highway. Stephen Colebourne

In der aufgeladenen Stimmung machen sich derzeit viele Community-Vertreter Luft. Auch Neil Bartlett nimmt Colebournes Argument in seinem Blogeintrag „The JCP… Weep for the Experts“ auf, der JCP bewege sich in Richtung einer Monokultur, in der es um nichts anderes als Geld gehe. Den Technologie-Experten werde dabei eine immer geringere Einflussnahme zugestanden.

The primary remaining motivator is money. Experts will be drawn from the set of people paid by Oracle, directly or indirectly. Oracle employees, obviously. IBM employees too, since it’s clear that Oracle wrote IBM a fat cheque to get them to abandon Harmony and join OpenJDK. the details of the deal are private but I sincerely hope they emerge on WikiLeaks some day. Neil Bartlett

Alternative OSGi-Alliance?

OSGi-Evangelist Peter Kriens bedauert in seinem Blog „JCP Is Dead?“ die Vernachlässigung der Community-Seite im JCP. Während die Unterstützung großer Unternehmen genauso wichtig sei wie die Diversität und Innovationsfreudigkeit von Open Source Communities wie Apache, sei eine einseitige Entwicklung in jedem Fall problematisch. Unternehmen hätten die Tendenz, politische Erwägungen höher zu werten als technologischen Fortschritt, Open Source Communities tendierten dazu, Idealismus und Arbeit nicht auseinander zu halten.

Die beste Lösung sei deshalb, Unternehmen und Communities in einer Institution zusammenzubringen, die gewährleistet, dass die verschiedenen Interessen gewahrt blieben. Kriens bringt als Alternative zum JCP die OSGi-Alliance ins Spiel, der es gelungen sei, genaus diese Balance zwischen Unternehmens- und Community-Interessen zu halten.

What is needed, and what was clearly promised by Sun all those years ago, is an independent organization where industry and open source community can meet and standardize without any one party being special. The OSGi is such an organization. Peter Kriens

Kriens scheint es durchaus ernst damit zu sein, schlägt er doch organisatorische Veränderungen vor, um den erweiterten Bedüfnissen der Java-Spezifizierung gerecht zu werden.

An organization that has a lot of experience with Java specifications as well. Maybe the OSGi Alliance needs to make some organizational changes but it is and independent and experienced place to standardize where there currently is no other place like it. Peter kriens

Heilt die Zeit alle Wunden?

Was die Ereignisse um Oracle, den JCP und Apache tatsächlich bedeuten, wird sich wohl erst im Laufe der Zeit zeigen. Derzeit überwiegt in der emotional aufgeladenen Blogosphäre jedenfalls das Protestgeschrei.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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