Anwendungen aus der Entwicklung in den IT-Betrieb überführen

Prof. Dr. Georg Disterer

Unterschiedliche Vorgehensmodelle, Interessenlagen und Kulturen jener IT-Bereiche, die für die Entwicklung und den Betrieb von Anwendungen zuständig sind, erschweren die Überleitung von Anwendungen aus Entwicklungsprojekten in den IT-Betrieb. Daher ist eine methodisch gestützte Verknüpfung der Vorgehensmodelle der Entwicklung mit Betriebsmodellen notwendig, um eine reibungsarme Inbetriebnahme von Anwendungen zu sichern. Die Koordination der Prozesse sollte dabei mithilfe von Quality Gates erfolgen

IT-Anwendungen werden traditionell in Projektform entwickelt, um durch die Nutzung von Synergien aus interdisziplinärer Zusammenarbeit und Spezialisierungseffekten gezielt, effizient und schnell auf neue Anforderungen an die IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen zu reagieren. Die Entwicklungsprojekte sind definitionsgemäß temporäre Organisationseinheiten, in denen vor allem die Größen Aufwand, Zeit und Qualität balanciert werden müssen.

Dagegen ist der laufende IT-Betrieb auf Routine ausgelegt, um eine dauerhafte, stabile und zuverlässige Unterstützung der Geschäftsprozesse zu gewährleisten. IT-Experten mit speziellen Kenntnissen und Erfahrungen sorgen dafür, dass IT-Anwendungen die Geschäftsprozesse der Fachbereiche unterbrechungsfrei unterstützen.

Die strikte Trennung von IT-Entwicklung und IT-Betrieb und der Einsatz unterschiedlicher Organisationsformen sind beabsichtigt: Durch Nutzung vertikaler Arbeitsteilung werden erhebliche Nutzenpotenziale erschlossen. Außerdem können so die unterschiedlichen Rahmenbedingungen von Entwicklung und Betrieb berücksichtigt werden.

Wenn jedoch neue Anwendungen aus Entwicklungsprojekten in den Routinebetrieb übergeleitet werden, treffen zwei unterschiedliche Organisationsdogmen aufeinander. Aus Sicht der Anwendungsentwicklung sollten neue Anwendungen möglichst schnell in Betrieb genommen werden, um Termine einzuhalten und den betrieblichen Nutzen der Anwendung früh auszulösen. Für den IT-Betrieb haben Sicherheit, Stabilität und Kontinuität des laufenden Betriebs höchste Priorität, die Einführung neuer Anwendungen stellt einen schwer wiegenden Eingriff in ein funktionierendes System dar und stört die operativen Tätigkeiten. Das Spannungsfeld zwischen Anwendungsentwicklung und Betrieb wird an den Stereotypen deutlich, die in den jeweiligen Bereichen herrschen (siehe Abbildung 1).

Überleitung von Entwicklungsprojekten in den Routinebetrieb
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Prof. Dr. Georg Disterer
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