Anwendungen aus der Entwicklung in den IT-Betrieb überführen - JAXenter

Anwendungen aus der Entwicklung in den IT-Betrieb überführen

NICHTFUNKTIONALE ANFORDERUNGEN

In der Terminologie des Software Engineering sind die genannten Probleme auf mangelnde Spezifikation oder Berücksichtigung nichtfunktionaler Anforderungen bei der Entwicklung zurückzuführen. Nichtfunktionale Anforderungen beschreiben Eigenschaften, die von Anwendungen zu erfüllen sind, um diese in den vorgesehenen Betrieb integrieren zu können. Sie werden auch als „Operational Requirements“ bezeichnet.

In den Kanon aller Anforderungen sind nichtfunktionale Anforderungen einzuordnen wie in der Abbildung 2 gezeigt. Dabei werden funktionale Anforderungen i.d.R. von den Fachabteilungen vertreten. Partizipative Vorgehensmodelle bei der Spezifikation der funktionalen Anwendungen sowie Prozeduren der Abnahme vor Inbetriebnahme regeln, wie diese Vertretungsrechte und -pflichten wahrgenommen werden sollen.

Anforderungen an Anwendungen

Für nichtfunktionale Anwendungen sind verschiedene Stellen im Unternehmen zuständig. Zuvorderst ist der IT-Betrieb gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen eines stabilen und effizienten Betriebs einer Anwendung zu spezifizieren. Daneben sind u.a. Risikomanagement, Portfoliomanagement, Datenschutz und Personalvertretungen einzubinden, damit diese Stellen ihre Rolle bei der Entwicklung von Anwendungen wahrnehmen.

Allerdings ist die Spezifikation und Überprüfung nichtfunktionaler Anforderungen nicht einfach. Sie werden oftmals nur allgemein, eher unpräzise beschrieben. Am Beispiel der Forderungen nach „Wartbarkeit“ und „Stabilität“ einer Anwendung ist zu erkennen, dass nichtfunktionale Anforderungen teilweise nicht hinreichend spezifiziert werden können, da kaum geeignete Metriken dafür bekannt sind. Die Prüfung nichtfunktionaler Anforderungen geschieht eher subjektiv, damit verbleibt Raum für (Fehl-) Interpretationen der Anforderungen während der Entwicklung.

Daher stellen nichtfunktionale Anforderungen, die den stabilen und effizienten Betrieb einer Anwendung sichern sollen, bei der Inbetriebnahme von Anwendungen eine besondere Problematik dar.

LÖSUNGSANSÄTZE FÜR DIE ÜBERLEITUNG VON ANWENDUNGEN IN DEN IT-BETRIEB

Die Planung, Steuerung und Kontrolle von Prozessen wird oftmals nach Referenzmodellen vorgenommen. Als De-facto-Standard für eine prozessorientierte Ausrichtung des IT-Betriebs gilt die Information Technology Infrastructure Library (ITIL). Für drei Aktivitäten im Lebenszyklus einer Anwendung (Abbildung 3) gibt ITIL eine Prozessorientierung vor. Die Aktivitäten „Requirements“, „Design“ und „Build“ der Anwendungsentwicklung werden nicht ausdrücklich von ITIL adressiert und bleiben der Organisation nach dezidierten Vorgehensmodellen für die Anwendungsentwicklung überlassen. ITIL und Modelle der Anwendungsentwicklung decken damit den Lebenszyklus komplementär ab.

Lebenszyklus einer Anwendung nach ITIL

Von ITIL werden zur konkreten organisatorischen Ausgestaltung der Schnittstelle zwischen Entwicklung (Aktivität „Build“) und Betrieb (Aktivität „Deploy“) keine konkreten Hinweise gegeben.

Nichtfunktionale Anforderungen, die u.a. Forderungen des Betriebs an die Entwicklung beschreiben, geraten an dieser Schnittstelle zu sehr in den Hintergrund und werden erst am Ende der Entwicklung oder bei der Implementierung stringent aufgenommen. ITIL beschreibt nur rudimentär, wie die nichtfunktionalen Änderungen des Betriebs rechtzeitig und präzise an Entwicklungsprojekte herangetragen werden können, und wie diese zu überprüfen sind.

Entwicklung und Betrieb sollen nach ITIL wesentlich über Akzeptanzkriterien verknüpft werden, die die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen an das Entwicklungsergebnis beschreiben. Während der Überleitung einer Anwendung in den Betrieb soll die Einhaltung der Akzeptanzkriterien geprüft werden.

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