Interview mit Roland Wolters und Matthias Pfützner von Red Hat

Infrastructure as Code & Serverless: „Ansible ist der Klebstoff für die Automatisierung“

Dominik Mohilo

Aufmacher: © Shutterstock / jesadabhorn (modifiziert) | Ansible Logo: © 2019 Red Hat, Inc.

Die Digitale Transformation ist auch immer eine Frage der Automatisierung von Prozessen in der Software-Entwicklung. Ein Tool, das sich hierfür anbietet, ist Ansible. Wir sprachen mit Roland Wolters, Senior Product Marketing Manager, und Matthias Pfützner, Senior Solution Architect, Account & Cloud – DA(CH), von Red Hat über den aktuellen Status Quo des umfangreichen Projektes und darüber, was mit „Automation Culture“ gemeint ist. Zudem geben die beiden Experten im Interview einen Einblick, wie Serverless die Welt der Infrastructure as Code beeinflusst.

JAXenter: In letzter Zeit ist es eher ein wenig ruhig um Infrastructure as Code (IaC) und Ansible geworden, was prinzipiell ja nichts Schlechtes sein muss. Was tut sich denn gerade bei Ansible, welche neuen Features gibt es?

Roland Wolters: Dass es ruhiger geworden wäre, kann ich nicht bestätigen, daher überrascht mich die Frage etwas. Was wir stattdessen sehen: Das Interesse an Red Hat Ansible ist hoch und steigt weiter. Das spiegelt sich für uns nicht nur in den Download-Zahlen oder den Issues bei GitHub wider, sondern vor allem in dem stetig steigenden Interesse an Ansible durch unsere Kunden und Partner sowie auch auf unserer Ansible Automates Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zudem melden sich immer mehr Partner, um sich am Ecosystem zu beteiligen – unser Certified Content Program wächst stetig.

Nicht zuletzt aber haben die wachsenden Bedürfnisse der Community aus Nutzern, Kunden und Partnern zu den Collections geführt. Collections bieten die Möglichkeit, Module unabhängig vom Release-Zyklus der Ansible Engine anzubieten und konsumierbar zu machen. Ein Technical Preview wurde mit der letzten Ansible-Version bereits veröffentlicht. Collections sind ein Distributionsformat für Ansible Content. Entwickler können sie beispielsweise für die Paketierung und Distribution von Playbooks, Roles, Modules und Plugins einsetzen.

JAXenter: Was ist für den Rest des Jahres 2019 in Sachen Ansible geplant?

Collections bieten die Möglichkeit, Module unabhängig vom Release-Zyklus der Ansible Engine anzubieten und konsumierbar zu machen.

Roland Wolters: Die maßgeblichen Themen für die nächste Zeit bei der Weiterentwicklung von Ansible sind die bereits erwähnten Collections, erweiterte Analytics-Funktionen und die Erweiterung des Ansible Certified Content Ecosystem. Außerdem haben wir auf dem AnsibleFest in Atlanta gerade Red Hat Ansible Automation Platform angekündigt. Die Lösung integriert die leistungsstarke Automatisierungssuite von Red Hat, bestehend aus Red Hat Ansible Tower, Red Hat Ansible Engine und Red Hat Network Automation, und neue Software-as-a-Service (SaaS)-basierte Funktionen und Leistungsmerkmale, die für eine unternehmensweite Effizienz entwickelt wurden. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen gerade erst mit der Digitalen Transformation durch Automatisierung beginnt oder die Automatisierung auf weitere Anwendungsfälle und Domains ausdehnt, bietet Red Hat Ansible Automation Platform die erforderlichen Tools, um die Automatisierung schneller und ohne Start bei Null zu implementieren.

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JAXenter: Mit Serverless auf dem Vormarsch steht Infrastructure as Code ja ein wenig in der Schusslinie. Ist Serverless eine Bedrohung für Tools wie Ansible, Puppet oder Chef?

Roland Wolters: Red Hat Ansible ist ein Automatisierungs-Werkzeug. Die Architektur unterscheidet sich zu anderen Tools, was sich etwa bei Red Hat Ansible Tower zeigt. Dieses Enterprise Framework zur Automatisierung von IT-Prozessen ist um Jobs herum aufgebaut und nicht um Nodes. Daher ist Ansible auch in der Lage, in einer Serverless-Welt eine wichtige Rolle zu spielen: als verbindende Sprache immer dort, wo keine Schnittstellen bestehen oder erst umfangreich erstellt werden müssten. Auch in der Serverless-Welt müssen verschiedene Umgebungen miteinander zusammengebracht werden. Gerade dort ist es wichtig, ganze Geschäftsprozesse, und nicht nur einzelne Server, zu automatisieren. Zu dem technischen Teil eines Business-Prozesses gehören neben den Serverless Functions auch Third-Party-Dienste, Web Services, Storage-Elemente, Netzwerk-Komponenten und Legacy- sowie Fat-Applications. Ansible kann mit all diesen sprechen – häufig mit nativen Modulen – und diese verknüpfen. Es kann dort der „Klebstoff“ zwischen den Welten sein.

JAXenter: Wie wird Serverless die Welt der Operators und insbesondere der IaC verändern?

Matthias Pfützner: Serverless und IaC scheinen nur oberflächig zu konkurrieren, denn auch Serverless-Services müssen irgendwo laufen, und sei es in der Cloud. Auch hier sind Managementfunktionen für die Serverless-Infrastruktur erforderlich. Darüber hinaus kommt es im Kontext von Open Hybrid Clouds und Serverless darauf an, Cloud- und Serverless-Services übergreifend zu betrachten und zu adressieren.

Durch Serverless werden sich im Kontext von DevOps die Rollen sowohl der Developer als auch der Operator verändern.

Genau hier spielt Ansible seine Stärke aus. Zusätzlich findet auch Serverless nie in komplett abgeschotteten neuen Umgebungen, also „auf der grünen Wiese“, statt, sondern hat meist Bezüge zu schon bestehenden IT-Komponenten. Und auch hier kommt dann Ansible zum Tragen. Das gilt etwa bei einem Blick auf das Konzept der Operatoren in Kubernetes oder Red Hat OpenShift. Diese Operatoren müssen auch implementiert werden. Hier kann man bei vielen Aufgaben auf schon existierende Ansible-Module zurückgreifen, um die notwendigen Funktionen für die Operatoren umzusetzen.

Wenn man nun die Frage aber so betrachtet, wie sie gestellt wurde, denke ich, dass sich auch schon im Kontext von DevOps die Rollen sowohl der Developer als auch der Operator ändern. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn seit der Einführung des IBM Mainframe und des Schichtbetriebs durch sogenannte Operators hat sich deren Job kontinuierlich weiterentwickelt. Ein wesentlicher Treiber war dabei immer das Automatisieren von sich wiederholenden Tätigkeiten, und hier ist Ansible aufgrund seiner Architektur derzeit sehr gut positioniert. Ansible adressiert weit mehr als nur die klassischen „Job-Abarbeitungstätigkeiten“.

JAXenter: Was genau ist unter dem Begriff „Automation Culture“ zu verstehen?

Roland Wolters: Der Begriff „Automation Culture“ dient der Veranschaulichung: Automatisierung ist mehr als nur das Automatisieren einzelner Schritte beim Server-Deployment. Automatisierung hat alle Teile der notwendigen technischen Geschäftsprozesse im Blick. Automatisierung ist also nicht etwas, das ein kleines, spezialisiertes Team umsetzt, sondern muss von allen IT-Teams umgesetzt werden. Und es darf nicht auf Server begrenzt sein, sondern muss alle Plattformen mit einbeziehen. Gerade dieser umfassende Einsatz ist aber nur sinnvoll, wenn die Automatisierung transparent ist – also für jeden einsehbar, und technisch auch für jeden verständlich. Diese Bedingungen sind aber in traditionellen, Silo-orientierten Organisationen nicht ohne weiteres vorhanden. Ein kultureller Wandel ist erforderlich – hin zu einer Kultur, in der die Automatisierung aller Bestandteile quer über Grenzen und in definierter Zusammenarbeit ermöglicht wird.

Roland Wolters ist Senior Product Marketing Manager bei Red Hat, Matthias Pfützner ist Senior Solution Architect, Account & Cloud – DA(CH) und ebenfalls bei Red Hat beschäftigt.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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