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Interview mit Martin Probst vom AngularJS-Team

Angular 2, TypeScript … und ein Release-Termin

Tom Wießeckel

© https://angularjs.org

Das Release von Angular 2 dürfte zweifellos zu den am meisten erwarteten Ereignissen in der JavaScript-Community gehören. Doch das ist nicht alles, was die Community beschäftigt …

Nicht zuletzt mit dem Umstieg von AtScript auf TypeScript im März letzten Jahres wurde vielen AngularJS-Entwicklern klar, dass sich so einiges ändern wird im Bereich des aktuell wohl meistverbreiteten JavaScript-Frameworks.

Angular 2, das aktuell in der ersten Beta vorliegt, sorgt also für reichlich Gesprächsstoff. Grund genug für uns, um im Zuge der anstehenden AngularJS Days mit Martin Probst, Mitglied des AngularJS-Teams von Google, darüber zu sprechen, was sich unter der Haube getan hat, welche Auswirkungen das für Entwickler haben wird und wann wir schließlich mit dem finalen Release rechnen können.

Wir beobachten, dass Entwickler erheblich produktiver sind.

Herr Probst – aus Sicht eines Teammitglieds: was hat sich intern geändert, nachdem man sich dazu entschlossen hatte, auf TypeScript zu setzen?

Martin Probst: Im Angular-Projekt haben wir eine große Codebasis von ES6 JavaScript (genauer: AtScript) auf TypeScript portiert. Wir beobachten, dass wir Entwickler erheblich produktiver sind. Auto-Completion, Go-To-Definition und andere IDE-Funktionen zahlen sich im Alltag enorm aus. Automatisiertes Refactoring (z. B. Umbenennen von Funktionen) ist eine große Hilfe, grade wenn man ein Framework und ein API baut. Interessanterweise haben wir durch die besseren Typchecks nur sehr wenige Bugs gefunden – wahrscheinlich auch, weil Angular eine sehr gute Unit-Test-Abdeckung hat. Auf der anderen Seite ist es sehr beruhigend, sich auf die Typchecks des Compilers verlassen zu können.

JavaScript hat nicht unbedingt einen guten Ruf, wenn es um die verfügbare Toolchain geht. Ändert sich das mit Angular 2 – besonders in Hinblick auf den Umstieg auf die starke Typisierung, die mit TypeScript möglich ist?

Martin Probst: Ja! TypeScript ist für ein Framework wie Angular ein Game Changer. Auch wenn es vorher schon einige gute IDEs gab ist der Produktivitätsgewinn im Alltag erheblich. Grade Features wie Auto-Completion sind ohne statische Typisierung einfach nicht robust genug – mit TS ändert sich das. Wobei es dabei nicht aufhört – über TypeScript hinaus arbeitet das Angular-Team an weiteren Tools. Zum Beispiel wird es “angular-cli” viel einfacher machen, neue Projekte anzufangen, und die Integration mit npm wird es erleichtern, Komponenten und Bibliotheken wiederzuverwenden.

In Ihrer Night Session auf den AngularJS Days werden Sie zeigen, wie man eine hochproduktive Entwicklungsumgebung mit Angular 2 und TypeScript aufsetzt. Was gehört da alles dazu?

Martin Probst: Zunächst natürlich erstmal die Basics; Versionsverwaltung, Chrome Developer Tools, automatisierte Tests, ein automatisiertes Buildsystem. Darauf aufbauend kann man dann linter, TypeScript-Compiler, IDE, Package Manager, einen Webserver für den Entwicklungsmodus, und so weiter setzen. Da gibt es sehr viele unterschiedliche Tools – in meiner Session werde ich vorstellen, wie man ein vernünftiges Setup zusammenbaut.

Viel hat sich geändert unter der Haube: das Data Binding, Dependency Injections, die Sprache … muss man selbst als erfahrener AngularJS-1.x-Entwickler alles von Grund auf neu erlernen?

Martin Probst: Ehrlich gesagt … ja. Es hat sich in den fünf Jahren seit AngularJS 1.x unglaublich viel im Web getan. ES6-Module und -Klassen, Promises für besseren asynchronen Code, Decorators, Package Manager und vieles mehr. Alle Frameworks müssen da nachziehen, um diese massiven Verbesserungen nutzbar zu machen. Angular 2 modernisiert sich von Grund auf, und ist dadurch erheblich einfacher zu benutzen und auch einfacher zu lernen (also: keine Angst!).

Bei Google hat man bereits damit begonnen, interne Applikationen nach Angular 2 zu migrieren. Wie ist das Feedback der einzelnen Teams zur neuen Version?

Martin Probst: Das Feedback ist überwältigend positiv. Eine der wichtigsten Größen, die wir beobachten, ist Performance. Und Angular 2 ist um Größenordnungen schneller als Angular 1. Wir sehen auch, dass die besser durchdachte Struktur von Angular 2 es einfacher macht, wiederverwendbare Komponenten zu schreiben. Das ermöglicht es viel größeren Teams, effektiv Angular einzusetzen.

Entwicklern scheint es auch einfacher zu fallen, Angular 2 zu lernen – die neuen Strukturen sind einfacher und logischer.

Die Frage aller Fragen sei uns an dieser Stelle natürlich erlaubt: Mit all dem Feedback, das durch die Community und intern in das Projekt eingeflossen ist – wann können wir mit einem finalen Release von Angular 2 rechnen?

Martin Probst: It’ll be ready when it’s done 😉

Wir sind aber sicher, dass wir im Jahr 2016 ein finales Release veröffentlichen.

Martin Probst

Martin ist Software-Ingenieur im AngularJS-Team bei Google. Er besitzt einen Master in Software Engineering des HPI in Potsdam. Vor seinem Eintritt in das AngularJS-Team arbeitete er bei einem Datenbank-Startup in den Niederlanden, bei EMC, SAP, und als Freelancer. In seiner Freizeit kocht er gerne und segelt; allerdings nicht unbedingt zur gleichen Zeit.

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Tom Wießeckel
Tom Wießeckel
Thomas Wießeckel war von 2009 bis 2017 Redakteur bei Software & Support Media. Seine Themengebiete umfassen Webtechnologien und -Entwicklung sowie die Bereiche Mobile Development und Open Source. Er arbeitete an regelmäßig erscheinenden Magazinen wie dem PHP Magazin mit und hat das Magazin Mobile Technology ins Leben gerufen. Vor seiner Zeit als Redakteur hat er als freier PHP- und Frontend-Entwickler gearbeitet.
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