Angriff der Archi-Termiten

Angriff der Archi-Termiten: Wie viel bleibt von einer Idealarchitektur am Ende übrig?

Pavlo Baron

Termiten [1] sind recht unangenehme Zeitgenossen. Wenn sie mal ein Bauwerk mit einem adäquaten Holzanteil ins Visier genommen haben, und man hat dem nicht rechtzeitig vorbeugen oder zumindest nicht rechtzeitig darauf reagieren können, so kann es sein, dass das Gebäude kaum noch zu retten ist – sie fressen es quasi von innen auf. Übel, nicht wahr?

Doch haben Sie schon von der Gattung der Archi-Termiten gehört? Diese besonders gefährlichen und unscheinbaren Tierchen verlagern ihr Unwesen weit nach vorne, auf die Phase vor der Entstehung des Bauwerks. Ihre Vorgehensweise ist der der normalen Termiten sehr ähnlich, doch fressen sie nicht das Holz, sondern die Entwürfe und Ideen von innen auf und gefährden somit den gesamten Bau als solchen. Lernen Sie sie doch kennen – hier, in dieser kurzen Geschichte. Vielleicht haben Sie die eine oder andere von ihnen schon gesehen…

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So, die Arbeit wäre getan. Der Architekt lehnt sich zufrieden zurück. Wochen harter geistiger Anstrengung liegen nun hinter ihm. Unzählige Interviews mit dem Kunden und den Stakeholdern, unzählige Fragen und Abstimmungen, zahlreiche Versuche, die recht planlos und chaotisch wirkenden Wünsche in eine gewisse Harmonie zu bringen und in dem ganzen Nebel noch so weit nach vorne zu schauen, dass man erkennen kann, was für Übermorgen gefordert ist. Der Architekt ist der Meinung, jetzt ist der Entwurf, der gerade auf Reißbrett ausgebreitet liegt, reif für den ersten Feldversuch, mit dem man dann schrittweise starten könnte.

Der Architekt schlürft leicht verträumt an seinem Kaffee und merkt nicht, wie ein klitzekleines Tierchen – ein Aufklärer – unter den Entwurf flitzt und in der Mitte stehen bleibt. Es sieht sich um und riecht ganz offensichtlich an der noch frischen Tinte. Das ist übrigens eine Archi-Termite. Und da, wo eine ist, da kommen bald ganz viele nach. Wovon unser Architekt im Moment noch keine Ahnung hat. Aber bald.

Dem Tierchen gefällt ganz offensichtlich, was es sieht. Es knabbert nochmal kurz am Papier und gerät in Rage. Es flitzt ganz geschwind weg vom Reißbrett und verschwindet für eine kurze Weile aus der Handlung, bis es im Büro dunkel wird und der Architekt nach Hause geht. Zuvor sieht er sich sein Werk noch einmal an und überlegt sich voller Wonne, wie er am nächsten Morgen mit dem tollen motivierten Team, das man ihm zur Seite gestellthat, den Bau anpacken würde. Eine tolle Geschichte, eine ganz interessante Aufgabe, eine wunderbare Architektur, und ganz viel zu lernen, dabei gar nicht überladen – einfach optimal. Ideal, würde man sagen. Passend.

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Pavlo Baron
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