Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Die Smartphone-Highlights der CES 2020, Oracle vs. Google geht weiter & Januar-Patchday bei Android

Katharina Degenmann

Die CES öffnet auch in diesem Jahr wieder Tür und Tor für zahlreiche Zuschauer und präsentiert darunter auch die neusten Kracher aus der Mobile-Welt. Zudem heißt es mal wieder David gegen Goliath bzw. auf androidisch: Google vs. Oracle. Diese streiten sich immer noch um die Verwendung von Java-APIs und nun hat Google seine Eröffnungsschrift beim Supreme Court eingereicht. Überdies schließt Google im Januar-Patchday insgesamt 33 Sicherheitslücken.

Die CES 2020: Highlights und Trends

Am 07.01.20 war der diesjährige Auftakt der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, die weltweit zu den wichtigsten Ereignissen der IT-Branche zählt. Bis zum 10. Januar präsentieren mehr als 3000 Austeller sich und ihre neusten Entwicklungen – von Auto-Herstellern und -Zulieferern bis hin zu den Smartphone- und Gadget-Riesen ist dort alles vertreten.

Für die wohl größte Überraschung sorgte der japanische Unterhaltungsriese Sony. Eigentlich für Audiolösungen, TV-Geräte und Spielkonsolen bekannt, präsentierte Sony nun den ersten Prototyp seines Elektroautos namens „Vision-S“.

Daneben wurden auch weit skurrilere Erfindungen präsentiert. So stellte das Start-Up LuluPe“ ein intelligentes Katzenklo namens „AI Smart Cat Litter Box“ vor, das neben dem Gewicht der Katze, auch den Kot und Urin des Tieres analysieren kann. Der Besitzer erhält alle Daten natürlich per App aufs Handy und soll sein Haustier auf diese Weise vor Krankheiten schützen können.

Das Oneplus ohne Kamera

Obwohl auf der CES vor allem die Zukunft des Elektroautos im Fokus steht, gewährt uns das Technik-Mekka in Las Vegas auch einen Ausblick auf die Zukunft der Smartphone-Welt.

Ohne Zweifel ist das Concept One eines der Smartphone-Highlights auf der CES 2020. Das Besondere: Durch raffiniertes Design versteckt OnePlus seine Kamera auf der Rückseite.

Das McLaren-Design ermöglicht es, die eingebauten Kameras hinter selbsttönendem Spezialglas – sogenanntem elektrochrom Glas – verschwinden zu lassen, sollten diese einmal nicht verwendet werden. Doch sobald die Kameras eingeschaltet werden, wird das Glas über den drei Linsen wieder transparent. Das Glas kann also durch einen elektrischen Impuls zwischen getöntem und durchsichtigen Zustand wechseln. Der Wechsel zwischen beiden Zuständen erfolgt laut OnePlus in nur 0,7 Sekunden.

Flugzeug-Technologie der Boing

Trotz dieser genialen Idee: OnePlus hat das Rad nicht neu erfunden! Die Technologie kommt bereits in Flugzeugen oder Autos zum Einsatz. So sind etwa die Fenster der Boeing 787 ebenfalls mit elektrochromem Glas ausgestattet, das gedimmt werden kann und die Passagiere so vor der Blendwirkung des Sonnenlichts schützen soll. Um das Spezialglas allerdings in ein Smartphone einzusetzen, muss es jedoch deutlich schneller und dünner werden. Während der Vorgang im Flugzeug einige Sekunden dauere, muss das beim Einschalten einer Handy-Kamera blitzschnell gehen.

Zudem ermöglicht das Glas nicht nur das Verstecken der Kamera, sondern wird auch als sogenannter ND-Filter (Neutraldichtefilter), der den Lichteinfall reduziert, beim Fotografieren eingesetzt. Die Funktion kann im Profi-Modus der Kamera-App ein- und ausgeschalten werden. Wann ein Smartphone mit elektrochromer Glasabdeckung in Serie produziert werden wird, hat OnePlus noch nicht verraten

Oracle vs. Google und der Streit um Copyright

Der Streit zwischen Google und Oracle hat nun also eine weitere oder vielleicht sogar die letzte Etappe erreicht. Zum wiederholten Male stehen sich die beiden IT-Riesen vor Gericht wegen der Nutzung von Java-APIs in Android gegenüber. Google hat sich in einem Berufungsverfahren an den Supreme Court gewandt. Dieser hat sich der Sache angenommen und wird im Urheberrechtsstreit entscheiden. Nun hat Google seine Eröffnungsschrift für die Verhandlung vor dem Supreme Court eingereicht.

Zur Vorgeschichte…

Der Rechtsstreit zwischen Oracle und Google dauert mittlerweile zehn Jahre an, doch könnte in diesem Jahr endlich zu Ende gehen. Alles dreht sich um die Frage, ob die reine Nutzung von APIs unter US-Copyright fällt. Während Oracle behauptet, Google hätte seine Technologie bzw. Java-APIs „gestohlen“, kämpft Google für „offene Innovation“.

Seit 2010 zieht Oracle vor Gericht zu Gericht, um Lizenzgebühren für alle Android-Geräte von Google einzuklagen. Die zentrale Frage ist dabei, ob Oracle ein Urheberrecht auf APIs beanspruchen und für deren Nutzung Lizenzgebühren verlangen kann. Nach zahlreichen Runden durch die verschiedenen Institutionen hatte zuletzt das zuständige US-Bundesberufungsgericht gegen Google entschieden. Der Internetkonzern zog daraufhin erneut vor den Supreme Court, der das Verfahren im November 2019 annahm.

Von Steckern und Steckdosen

In einem leidenschaftlichen Plädoyer argumentiert Google bzw. sein Chefjurist Kent Walker für die Nutzung der Java-APIs und erklärt, was ein Urteil zugunsten Oracles für Auswirkungen auf die IT-Welt und Innovation haben könnte. APIs sind laut Walker:

… Bausteine vieler Dienste und Produkte, die wir heute anbieten, aber auch von Technologien, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Gewänne Oracle dieses Verfahren, wäre das das Ende der Art und Weise, wie die IT-Industrie heute Software Interfaces entwickelt.

Um den ganz offensichtlich sperrigen Begriff eines APIs greifbarer zu machen, bedient sich der Walker sehr interessanter Vergleiche:

Softwareschnittstellen sind die Zugangspunkte, die es Computerprogrammen ermöglichen, sich miteinander zu verbinden, wie Stecker und Steckdosen. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Sie jedes Mal, wenn Sie in ein anderes Gebäude gehen, einen anderen Stecker brauchen, um in die eigene Steckdose zu passen und niemand Adapter herstellen dürfte.

Copyright, ja oder nein?

Eigentlich handelt es sich bei diesem Streit um eine Grundsatzdiskussion, dessen Urteil die Softwarebranche maßgeblich verändern könnte: Kann einem Unternehmen der Zugang zu grundlegenden Code-Elementen durch das Urheberrecht verweigert werden bzw. unterliegen APIs dem Urheberrecht?

Wenn Oracle Recht bekommt und APIs zukünftig nicht nur unter Patent- sondern auch unter Urheberrecht fallen würden, würde das die Softwareentwicklung verändern. Damit wäre ein Nachbau von APIs deutlich schwerer und ohne Lizenz wahrscheinlich kaum mehr möglich.

Nun entscheidet also der Supreme Court über die Frage des Fair Use. Laut CNBC ist mit dem Urteil noch vor Juli 2020 zu rechnen.

Patchday bei Google im Januar

Neues Jahr, neuer Patchday! Es ist mal wieder soweit – Google hat auch im Januar 2020 seinen Android Patchday durchgeführt und dabei ein paar kritische Schwachstellen beseitigt. 2020-01-01 bedeutet, dass ein Teil der Januar-Updates eingespielt wurde, während das Patch-Level 2020-01-05 alle aktuellen Updates umfasst.

Im Patch-Level-2020-02-01 wurden insgesamt 8 Sicherheitslücken entdeckt, von denen 6 als High und einer als Critical und zwei als Moderate eingestuft wurden. Patch-Level 2019-01-05 hat insgesamt 33 Sicherheitslücken vorzuweisen – 32 als High und einer als Citical. Neben Schwachstellen in Kernel-Komponenten finden sich Lücken im Qualcomm- und Qualcomm closed-source Komponenten.

Die einzelnen Sicherheitslücken und alle Informationen zur Verbesserung gibt es auf dem Blog von Android.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis nächste Woche!

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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