Smarte Apps für die Finanzinstitute der Zukunft

Neue Apps für die Bank von morgen: Entwickler werden produktiv auf offenen Bankenplattformen

Felix Grévy

© Shutterstock / Joyseulay

Offene Plattformen setzen sich auch in der stark regulierten Finanzbranche immer stärker durch. Die Gründe liegen auf der Hand: Offene Programmierschnittstellen (REST-APIs) und eine Cloud-basierte, einfach zugängliche Nutzerumgebung schaffen eine praktikable Grundlage, auf der Entwickler, Fintechs und Bankenexperten zusammenarbeiten können. Erste Praxisbeispiele zeigen, wie sich damit smarte Apps für die Finanzinstitute der Zukunft entwickeln lassen.

Mit Hilfe von Apps lassen sich auch heute schnell und einfach neue Finanzdienstleistungen entwickeln und ausrollen – nicht nur, weil sich Bankgeschäfte über das Smartphone immer größerer Beliebtheit erfreuen. Auch andere Prozesse bei Finanzinstituten lassen sich effizienter über zukunftsweisende Anwendungen abwickeln. Die auf der FusionFabric.cloud-Plattform von Finastra entwickelten Apps verdeutlichen exemplarisch, was heute bereits technologisch möglich ist – und zwar in einer Entwicklungszeit von durchschnittlich zwei Tagen anstatt wie bisher in zehn Wochen oder mehr.

Nach der Entwicklung und Sandbox-Tests in einer offenen Entwicklerumgebung sind die Apps im angeschlossenen Fusion Store für Finanzinstitute erhältlich. Die Banken können dort auch sehen, welche Anwendungen sich an die API ihres Kernbankensystems anknüpfen lassen. Sie können darauf aufbauend die gewünschten Technologien zeitnah und unkompliziert integrieren. Ebenso sind sie in der Lage, ihren Kunden dadurch schneller innovative Services zu bieten, als dies durch eine traditionelle Software-Entwicklung im eigenen Haus möglich wäre, wo die Ressourcen oftmals begrenzter sind. Fintechs und Entwickler wiederum erreichen durch den App-Store eine größere Nutzerbasis als durch ihre eigenen Plattformen und Netzwerke.

Echtzeit-Begleichung von Rechnungen

Abbildung 1: App zur Echtzeit-Begleichung von Rechnungen

So hat beispielsweise eine Kreditgenossenschaft in Zusammenarbeit mit dem Fintech Allied Payment Network eine App entwickelt, mit der Kunden ihre Rechnungen zentral sammeln, speichern und in Echtzeit begleichen können. Die Lösung bucht den fälligen Betrag sofort vom Bankkonto des Nutzers ab und reduziert damit das Risiko für die Kreditgenossenschaft. Die App wird aktuell um weitere Funktionen ergänzt und künftig auch einen sofortigen Zahlungseingang an den Rechnungssteller ermöglichen. Auch die Bezahlung der Rechnung lässt sich damit bestätigen.

KI-basierte Spar-Apps

Eine automatisierte Lösung für Sparvorgänge des Fintechs Monotto analysiert mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, wie Kunden ihr Vermögen verwenden und berechnet, wie viel sie für eine etwaige finanzielle Schieflage zurücklegen sollten. Dabei kann die künstliche Intelligenz auch bestimmen, wie viel Bankkunden sparen können, ohne ihre Gewohnheiten zu ändern. Während herkömmliche Finanz-Apps darauf bauen, dass die Benutzer von sich aus sparen, verschiebt das Tool die berechnete Summe anschließend automatisch in den persönlichen Spartopf der User. Die App erkennt außerdem, wenn sich die finanzielle Situation der Sparer ändert und aktualisiert automatisch die Sparziele.

Abbildung 2: KI-basierte Spar-App von Monotto

Noch einen Schritt weiter geht die App Honeyfi. Diese ist für die persönlichen Finanzen von Paaren ausgelegt und trackt Ausgaben, Budgets und Rechnungen. Sie kann alle relevanten Bankkonten, Kreditkarten, Rechnungen und Investments zentral abbilden, wobei jeder Partner selbst entscheidet, welche Informationen er oder sie teilen möchte. Darüber hinaus können die Partner kurz- und langfristige finanzielle Ziele festlegen – sowohl individuelle als auch gemeinsame. Auf dieser Basis erfolgt dann eine automatisierte Sparanlage.

Abbildung 3: Die App Honeyfi für Paare

Avatare für 24/7-Kundenservice

Neben Bezahl- und Sparlösungen gibt es eine steigende Nachfrage nach Apps, die mit Kunden rund um die Uhr interagieren und damit das klassische Serviceangebot von Banken ergänzen. Die Grundlage hierfür bilden dialogfähige – sprich „conversational“ – KI-Plattformen, mit denen sich beispielsweise KI-Avatare kreieren lassen. Diese Helfer stehen für Kundenanfragen zum Kontostand oder Aktienportfolio zur Verfügung, auch außerhalb der Öffnungszeiten von Finanzinstituten.

Intelligente Betrugsprävention

Moderne Banken-Apps eignen sich nicht nur für den Kundenkontakt, sondern auch für die Optimierung von Geschäftsprozessen. Sie bieten zum Beispiel viele Vorteile für die Betrugserkennung bei Finanzinstituten. Während etwa bei etablierten regelbasierten Lösungen vergleichsweise viele Prüffehler entstehen, lassen sich diese durch KI-basierte Screener-Lösungen vermeiden. Betrügerische Überweisungen können durch künstliche Intelligenz in Echtzeit erfasst und blockiert werden. Banken verzeichnen dadurch deutlich weniger Verluste, und die Anzahl von Prüffehlern lässt sich auf diesem Wege um 83 Prozent reduzieren. Die Zeit, die für die Betrugserkennung aufgewendet werden muss, sinkt gleichzeitig um 93 Prozent. Außerdem erkennt die KI-Betrugserkennungs-App neue Betrugsarten, etwa auffällige Überweisungen aus Social-Engineering-Methoden, CEO-Fraud oder Vorauszahlungen an Betrüger (Scamming). Des Weiteren werden auch auffällige E-Banking-Überweisungen mittels Malware, Remote-Hacking-Versuche oder auch Transaktionen nach Identitätsdiebstahl erfasst. Nachdem ein Betrug ermittelt wurde, blockiert die App diesen und sendet eine Echtzeit-Benachrichtigung an die verantwortlichen Bankansprechpartner. Gleichzeitig wird eine umfassende Ermittlung eingeleitet, um die Ursachen und Urheber des Betrugs zu finden.

Geschrieben von
Felix Grévy
Felix Grévy
Félix Grévy leitet das Produkt-Management-Team für FusionFabric.cloud, die Open-Innovation-Plattform von Finastra. Er beschäftigt sich mit den Bereichen User Experience, High Performance Computing, Microservices, offene APIs sowie weiteren hochaktuellen Themen.
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Benjamin

Das einzige was in der Banking-Branche aktuell wächst ist der Wildwuchs. Wegen PSD2 werden funktionierende HBCI/FinTS Schnittstellen durch nicht standardisierte Schnittstellen ersetzt.
Meiner Meinung nach: Fail auf ganzer Linie.