Mobile World Congress 2011

Android, Windows Phone 7 und iPad-Konkurrenz: Mobilfunktechnisches aus Barcelona

Tam Hanna

Jeden Februar, den Gott werden lässt, ruft die GSMA zum Mobile World Congress. Und die gesamte internationale Mobilcomputerindustrie pilgert nach Barcelona. Warum auch sämtliche CDMA-Netzbetreiber magisch vom Ruf der GSM-Standardisierungsorganisation angezogen werden, war dem Autor immer schon ein Rätsel, das bis heute auf seine Lösung wartet. Wie auch immer: Die Hauptstadt Kataloniens war auch in diesem Jahr ein Magnet für alle, die in der Welt der Mobilcomputer Bedeutung haben – oder sich dies zumindest einbilden.

In den letzten Jahren lieferten sich die Telefon- und Betriebssystemhersteller am MWC regelmäßig wahre Ankündigungsschlachten. Kaum ein Handyhersteller, der nicht zumindest ein signifikantes Gerät präsentierte. 2011 ging es diesbezüglich erstaunlich friedlich zu.

Der MWC öffnet seine Pforten (Bild: Tam Hanna)
Ballmer spricht …

14. Februar 2011. Steve Anthony Ballmer, seit 2000 CEO von Microsoft, eröffnet die Show mit einer Pressekonferenz. Die Journalisten freuen sich an diesem Valentinstag auf ein Feuerwerk an witzigen Aussprüchen, ist doch der 54-jährige Manager mit schweizer Wurzeln bekannt für seine unorthodoxen Auftritte und markigen Statements, die ihm sogar den Spitznamen „Monkeyboy“ eingetragen haben. Man denke nur an seinen berühmten Vergleich von Linux mit einem „Krebsgeschwür, das in Hinblick auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt“.

Aber wir werden enttäuscht. Heute lässt Ballmers Originalität offenbar zu wünschen übrig. In ungewohnt nüchterner Art kündigt er ein Update für Windows Phone 7 an. Das ursprünglich bereits für Februar geplante Update soll im März droppen. Und was wird es bringen? Unter anderem vor allem eine Cut-and-Paste-Funktion und allgemeine Geschwindigkeitssteigerungen.

Im Lauf des Jahres dürfen sich stolze WP7-Besitzer zusätzlich auf „eine Art Multitasking“, Internet Explorer 9, Twitter-Integration im People’s Hub und bessere Skydrive-Integration freuen. Die Hardwarehersteller zeigen sich von Ballmers Auftritt übrigens wenig beeindruckt. Kein Wunder: In Barcelona wurde diesmal kein einziges neues WP7 vorgestellt.

. und Google handelt

Google hat hingegen ein Problem ganz anderer Art: Nach der Ankündigung von Honeycomb wird der Hersteller geradezu mit neuer Hardware geflutet. HTC, LG, Motorola und Samsung stellen je ein Tablet vor. Angesichts der besonderen Tablet-Optimierung von Honeycomb ist das natürlich keine besondere Überraschung.

Samsung Galaxy Tab 10.1 (Bild: Tam Hanna)

Im Bereich der Spezifikationen der Tablets geben sich die Hersteller in Anbetracht des bald erwarteten iPad 2 ebenfalls keine Blöße: Außer bei HTC gehört ein Dual-Core-Prozessor sozusagen zum guten Ton. Die Displays sind entweder 7 oder 10 Zoll breit. Auch die Kameras machen – ob der von Google verbesserten Kamerasoftware – einen durchaus vernünftigen Eindruck.

Honeycomb bringt eine speziell für Tablets überarbeitete Benutzerschnittstelle mit: Fünf Home Screens könnnen – wie unter Unix – mit Anwendungen und Widgets beladen werden. Die Widgets machen besonders auf dem großen 10“-Display des neuen Samsung-Tablets enormen Spaß. Doch das ist noch lange nicht alles. Neue Notifications und Steuerelemente bemühen sich ebenfalls, einem das Leben leichter zu machen.

Entwickler profitieren sowohl von einer neuartigen Rendering Engine als auch von einer Erweiterung des Android Markets. Anwendungen können ab sofort auch mit einem PC betrachtet – und sogar gekauft – werden. Gekaufte Anwendungen wandern automatisch aufs Smartphone, was hoffentlich zu einer kleinen Umsatzsteigerung für die nicht gerade gut dotierten Android-Entwickler führen wird.

Dual Cores .

Obwohl einige Handyhersteller Dual-Core-Prozessoren in ihre Topmodelle und Tablets einbauen, drängt sich alles um LGs Optimus 2X. Der Grund? Intelligente Leak-Politik. Das Device wird hier, am MWC, der Öffentlichkeit präsentiert – und überzeugt wirklich. Sein mit zwei Kernen ausgestatteter Prozessor macht in Benchmarks mit einkernigen Telefonen wie erwartet kurzen Prozess.

LG Optimus 2x (Bild: Tam Hanna)

Auch Samsung gibt seinem Galaxy S II einen Dual Core, stellt dies aber – anders als LG – nicht als besondere Sensation dar. Benchmarkvergleiche der Zweikerner untereinander gibt’s logischerweise noch nicht.

Ein weiteres interessantes Produkt von LG – es nennt sich Optimus 3D – integriert den vom 2x bekannten Prozessor mit einem zeilenweise abwechselnd polarisierten Display. Normalsichtige sehen Inhalte auf diesem Gerät angeblich in „3-D“. Der Autor nimmt die Effekte zwar wahr, ist jedoch von deren Qualität nicht sonderlich beeindruckt. Das kann aber daran liegen, dass er auf einem Auge fast nichts sieht.

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Tam Hanna
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