Android: Von Usern geliebt, von Entwicklern missachtet

Michael Thomas
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Aktuellen Zahlen des Marktforschungsunternehmens IDC zufolge hat Android als Smartphone-Betriebssystem mittlerweile einen Marktanteil von knapp 85 % erobert; iOS folgt mit 12 % erst weit abgeschlagen auf Platz zwei. Doch obwohl das Betriebssystem bei den Usern offenbar gut ankommt, zeigt ihm das Silicon Valley größtenteils die kalte Schulter – was insbesondere für Startups gilt. Dies behauptet zumindest Sandi MacPherson, Gründerin von Quibb, und nennt auch die ihrer Ansicht nach ausschlaggebenden Gründe für diesen Umstand.

So führt erstens die massive Fragmentierung von Hard- und Software dazu, dass sich die Entwicklung für Android deutlich kosten- und zeitintensiver gestaltet als beispielsweise die Entwicklung für iOS. Zweitens geben Android-User deutlich weniger Geld für Apps und Konsorten aus, als dies bei iOS-Usern der Fall ist – kurz: Mit Android verdient man schlechter. Drittens haben die meisten Entwickler ihren Sitz in den USA und orientieren sich deshalb am dortigen Markt. Und auf diesem ist Android weit weniger verbreitet als im Rest der Welt: Nur knapp 50 % beträgt hier Androids Marktanteil. Weitere Ursachen – und was man gegen diese tun kann – sind den Unternehmerstimmen zu entnehmen, die MacPherson eingeholt hat:

Mehr Android-only, bessere Kommunikation

Der Meinung von Cezary Pietrzak (Gründer von Cezary & Co.) nach wiegt vor allem die mangelnde Initiative aufseiten Googles, seine Nichtanwendung von Marktmacht, sehr schwer. Pietrzak zufolge sollte Google beispielsweise mehr auf Android-only-Anwendungen setzen, eine Politik der Vereinheitlichung verfolgen (was mit dem Material Design zur Zeit zumindest ansatzweise versucht wird) und insbesondere auf Augenhöhe mit Apple die Alleinstellungsmerkmale von Android herausarbeiten und kommunizieren. Gerade bei der Kommunikation sieht Pietrzak Probleme: diese sei ähnlich inkonsistent wie Googles Produktpalette, was viele Entwickler zu gebrannten Kindern gemacht habe. Außerdem habe es Apple in den vergangenen Jahren geschafft, sich als Premiummarke zu etablieren, sodass niemand auf die Idee komme, zuerst für Android zu entwickeln.

Mehr als eine Plattform bedienen

Für Jong-Moon Kim (Gründer von Y Combinator) ist der Hauptgrund für Androids Unbeliebtheit die Folge eines negativen Images (schlechte Monetarisierung, komplizierte Entwicklung) und kognitiver Dissonanz; CEOs würden ständig nach Argumenten suchen, warum iOS das bessere Betriebssystem für die User ist – ohne zu überprüfen, ob dies auch der Realität entspricht. Stattdessen, so Kim, solle man den Entwicklungsprozess „hacken“ und mithilfe der von ihm beschriebenen „Fast Clone“-Strategie mehr als eine Plattform bedienen.

Der „Fast Clone“-Strategie zufolge sollte ein Unternehmen generell die eine Plattform als Innovationsplattform, die andere als Nachzügler definieren. Alle Features werden zunächst auf der Innovationsplattform getestet; das Design wird anschließend möglichst 1:1 auf den Nachzügler übertragen. Diese Übertragung sollte im günstigsten Falle von einem hauseigenen „Cloner“ durchgeführt werden, damit sich das Team auf die Innovationsplattform konzentrieren kann, ohne sich Gedanken um die Portierung machen zu müssen.

Apple: überlegene Einheit von Hardware, OS und Entwickler-APIs

Sutha Kamal (Gründer von Massive Health) sieht mehrere Gründe für Androids Nachsehen. So ist ihm zufolge iOS wegen geringerer Fragmentierung, besserer Entwickler-APIs und -tools sowie zahlungskräftigerer (und zahlungsbereitwilligerer) Kunden deutlich besser dafür geeignet, neue Anwendungsfälle auszuprobieren. Die Kundschaft ist ein weiterer Grund; vor allem für asiatische Märkte gilt: Zielt man auf den Mainstream-Markt ab, bietet sich Android an, für den Premiummarkt fährt man hingegen mit iOS besser. Kamal zufolge wird dieser zweigeteilte Markt auf absehbare Zeit bestand haben. Ein letzter Punkt betrifft die enge Kopplung von Hardware, OS und Entwickler-APIs. Diese wird von Apple meisterhaft betrieben. Für Entwickler, die das Letzte aus der jeweils aktuellen Hardware herauskitzeln wollen, ist iOS deshalb nach wie vor die erste Wahl.

Aufmacherbild: Robot with heart in hand. Technology concept. Contains clipping path. von Shutterstock / Urheberrecht: Kirill__M

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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