Android versus iPhone: Wo bieten sich größere Geschäftschancen? - JAXenter
Das Business der Androiden

Android versus iPhone: Wo bieten sich größere Geschäftschancen?

In der Serie „Business der Androiden“ gehen wir der Frage nach, welche Möglichkeiten das Android-Ökosystem für Unternehmen bietet, die sich im Mobile-Bereich etablieren möchten. In zweiten Teil behandeln wir die Unterschiede zwischen dem Android- und dem iPhone-Markt.

Wo sehen Sie bzgl. der Geschäftschancenim Android-Ökosystem Unterschiede zum iPhone-Markt, dem man ja oft eine bessere Kommerzialisierbarkeit nachsagt?

Arno Becker (visionera GmbH): Android bietet einige Vorteile. Da ist zum einen die flexiblere Softwareverteilung, mittels derer man Android-Apps beispielsweise in sein E-Mail-Marketing einbinden kann. Oder man bietet die Apps auf der eigenen Webseite zum Download an. Auch über Bezahlinhalte oder Werbung lässt sich Geld verdienen. Mit über 300.000 neuen Android-Geräten weltweit wird das iPhone bald weit abgeschlagen auf dem 2. Platz rangieren. Allein aufgrund der Menge der Nutzer lässt sich zunehmend mehr Geld verdienen.

Hinzu kommt die wesentlich weiter reichende Funktionalität des Betriebssystems, welches z.B. echtes Multitasking zulässt. Hier eröffnen sich gerade im Businessbereich, aber auch für Endanwender, ungeahnte Möglichkeiten. Und dann ist da noch der Markt der Embedded Systems. Hier lassen sich bald auch teure Spezial-Apps verkaufen. Car-Entertainment ist da nur ein Stichwort.

Jan Schlink (metaio GmbH): Wer an Reichweite interessiert ist, kommt am Android Market vor allem in Zukunft nicht vorbei. Außerdem wird sich auf lange Sicht bei den Entwicklern eventuell die offenere Umgangsform gegenüber der restriktiven Apple-Politik durchsetzen. Wer die Entwickler hat, hat den besseren Content und somit das interessantere Umfeld. Schnelle Kommerzialisierung versus kreatives Chaos? Wir werden sehen!

Johannes Borchardt (ANDLABS GbR): Die Aussage, der Android Market habe eine schlechtere Kommerzialisierbarkeit als der App Store, ist eine Falle, in die schon viele getappt sind. Unsere Erfahrungen zeigen, dass zwar das Monetarisierungskonzept in den meisten Fällen ein anderes sein muss, die möglichen Ergebnisse aber mindestens gleichwertig sind. Anders als auf dem iPhone lohnen sich bei Android werbegestützte Anwendungen sehr. Zumeist wird noch eine werbefreie Version gegen Geld angeboten, was aber als Zugeständnis an die Nutzer anzusehen ist, nicht als Freemium-Konzept.

Welche Chancen In-App Billing auf Android bietet, wird sich noch erweisen. Erste Erfahrungen zeigen z.B. bei werbefreien Vollversionen, die sonst separat verkauft werden, dass die Absätze etwa drei Mal so hoch sind.

Wenn man auf seine Kunden hört, kann man im Android Market sehr viel erreichen.

Andreas Heim (smashing ideas inc): Wer im Augenblick mehr Geld reinbringen möchte, muss auf Werbung setzen. Längerfristig geht es über die Masse. Es wird so viele Android Smartphones und Tablets geben, dass selbst wenn Androidnutzer weniger Apps kaufen, am Ende der Markt doch größer ist. Es kommt aber immer auch auf die individuelle Applikation an. Es gibt ja auch durchaus Apps, die jetzt schon mit Android ähnliche Umsätze machen.

Jörg Bredlau (Opitz Consulting Essen GmbH): Noch ist der Anteil der kostenpflichtigen Apps im Apple App Store deutlich höher als im Android Marketplace – entsprechend gibt es bei
Google mehr kostenlose Apps.
Hier bieten sich Chancen für lukrative Geschäftsmodelle über Sponsoring: Bestes Beispiel ist das Spiel „AngryBirds“, das im Android-Market
kostenlos erhältlich ist und über Werbung finanziert wird. Laut Hersteller Rovio sind die Einnahmen hier letztendlich signifikant höher als mit
der kostenpflichtigen iOS-App.
Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis Google bei den kostenpflichtigen Apps aufgeholt hat.
Aktuelle Studien zeigen, dass Android-Nutzer in einer ähnlichen Größenordnung wie iPhone/iPad-Besitzer bereit sind, für Apps zu bezahlen.

Hier ist also für Unternehmen im B2C-Bereich erhebliches Potential vorhanden.
Dies wird untermauert durch Prognosen der Marktforschungsunternehmen, die für Android bis 2015 einen Marktanteil von 45% unter den
mobilen Betriebssystemen voraussagen. Ob diese Zahlen wirklich so eintreffen, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass die Android-Plattform
derzeit und auch in Zukunft einem rasanten Wachstum unterworfen sein wird und deshalb eine große Chance für Unternehmen in diesem
Bereich darstellt.

Ein weiterer Unterschied gegenüber dem iPhone-Markt liegt in dem offenen Ansatz, den Google mit Android fährt, sowie dem einfachen
Zugang zum Marketplace für App-Entwickler. Dadurch ist ein hohes Wachstum an Android-Applikationen in den nächsten Jahren zu
erwarten. Bedingt durch den Open-Source-Ansatz von Android sind zahlreiche Entwickler und Hersteller daran beteiligt, die Plattform durch
Verbesserungen und neue Features stetig nach vorne zu treiben.

Neben dem Vertrieb einer App über den Marketplace stehen dem Entwickler bei Android alternative Vertriebskanäle zur Verfügung: Das
kann der App Store eines anderen Anbieters sein, aber auch die eigene Webseite des Entwicklers bzw. des Unternehmens kann zur
Verteilung benutzt werden. Dies ist für Unternehmen interessant, die z.B. Anwendungen im B2B-Bereich entwickeln und ihre Apps nur einem
eingeschränkten Benutzerkreis zur Verfügung stellen wollen. So könnte ein Außendienstmitarbeiter beispielsweise bequem von unterwegs
per App auf Unternehmensdaten und Geschäftsprozesse zugreifen.

Der Entwicklungsstack der Android-Plattform basiert auf der Sprache Java, sodass Entwickler, die im Java- und JEE-Bereich unterwegs sind,
einen einfachen Zugang zur App-Entwicklung finden. Da die gewohnten Entwicklungstools und Frameworks weiterverwendet werden
können, ist es für Unternehmen einfacher, erfahrene Entwickler für Android-basierte Projekte zu finden.

Eine Unwägbarkeit könnten die Beweggründe derjenigen Nutzer sein, deren Hauptaugenmerk nicht auf der Nutzung von Apps liegt, sondern
die Android-Smartphones kaufen, um im Netz zu surfen und am Social Networking teilzunehmen. Daraus ergibt sich die Herausforderung
und weitere Geschäftschance, für Android-Smartphones optimierte Webanwendungen zur Verfügung zu stellen.

Tim Messerschmidt (Messerschmidt IT): Gerade im Segment der alternativen / spezialisierten Appstores sehe ich großes Potential
bei Android, welches gerade bei Amazons Appstore und Nvidias Tegra Zone bestätigt wird.
Mit spezialisierten Appstores und besonderen Angeboten können Zielgruppen allgemeiner
angesprochen werden. Dies hat vor allem auch den Vorteil, dass sich die Nutzer nicht mehr
durch 100.000 Apps und mehr kämpfen müssen, sondern um eine auserlesene Anzahl.

Im nächsten Teil der Serie fragen wir nach den verschiedenen Geschäftsmodellen im Android-Ökosystem. Wie lässt sich mit Android Geld verdienen?

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