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Jonas Gehring auf der MTC 2017

Android Nougat: Was die Jack Toolchain, Split Screen und Co. für Entwickler bedeuten

Kypriani Sinaris

Jonas Gehring

Android Nougat erfreut sich an wachsenden Nutzerzahlen. Mit Jonas Gehring (Freelancer), Speaker bei der MobileTech Con 2017, sprechen wir über die wichtigsten Neurungen in dieser Version, u. a. die Jack-Toolchain. Außerdem erklärt er, warum “Learn once, write anywhere” das Mantra der Stunde sein sollte.

JAXenter: Auf welches Feature hast du dich in Android Nougat als Entwickler am meisten gefreut und warum?

Jonas Gehring: Als Android User habe ich schon seit meinem ersten Smartphone mit Android 1.6 auf das Multi Window Feature gewartet. Aus Entwicklersicht ist dieses Feature allerdings ziemlich unspektakulär. Ansonsten freue ich mich eher über die Neuerungen beim Tooling, wie dem integrierten Espresso Cloud Testing und der Unterstützung von Java-8-Features.

JAXenter: Mit Android Nougat kommt auch die Unterstützung für Java 8, also Lambdas, Stream APIs und Co. Ermöglicht wird das durch die sogenannte Jack Toolchain. Kannst du umreißen, was dahintersteckt?

Jonas Gehring: Durch die Einführung von OpenJDK werden nun auch Java 8 Features unterstützt. Dafür wird nun eine neue Toolchain benutzt. Früher wurden die Java Sourcen mit javac zu .class Files kompiliert und danach mit dx die Dex Bytecode Files generiert. Jetzt wird dafür nur noch ein einziges Tool verwendet: Jack. Jack kompiliert die Sourcen zu .jack Files und danach zu Dex. Für den Entwickler ändert sich am Ende nichts – Jack ist Bestandteil des Android SDKs und wird im Standard-Build-Prozess verwendet.

JAXenter: Eine der größten Änderungen sind die Freeform Windows. Das lässt ans Desktop denken und das lässt wiederum an das Projekt Andromeda denken – aus dem ja erstmal nichts wird. Wie bewertest du diese Entwicklung?

Jonas Gehring: Microsoft hat mit Windows 10 sicherlich eine wegweisende Richtung aufgezeigt. Google wird das wohl nicht gänzlich ohne Antwort stehen lassen. Ich persönlich denke allerdings, dass es weiterhin Gründe geben wird, mobile Apps von klassischen Desktop-Anwendung zu separieren. Als Entwickler finde ich diese großen Touch-Oberflächen behindernd bei der Arbeit – das ist vielleicht aber auch nur eine Geschmacksfrage.

Absolut sinnvoll und wünschenswert wäre allerdings eine Harmonisierung der Entwicklungstools und APIs. Ich finde hier den Leitspruch von React Native ganz richtig: “Learn once, write anywhere” und nicht: “Write once, run anywhere”.

Lesen Sie auch: Android: Seine Zukunft, seine Schwachstellen und die wachsende Bedeutung von Kotlin

JAXenter: Du wirst in deiner Session auch auf die Rückwärtskompatibilität eingehen. Welche Herausforderungen gibt es hier?

Jonas Gehring: Für den neuen Split Screen bzw. die Free Form Windows muss die Anwendung natürlich ausgiebig getestet werden. Dadurch, dass die Android-Plattform schon immer auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen ausgelegt wurde, sollten hier keine großen Schwierigkeiten auftreten. Wichtig ist es, sich daneben auch Gedanken über die Lifecycle-Methoden zu machen. Ein Video z. B. sollte nicht mehr bei onPause angehalten werden, da man sonst den Split-Screen nicht sinnvoll nutzen könnte.

Android 7.0 kommt mit Änderungen in den File Permissions, die auf bestehende Apps Auswirkungen haben könnten. Zum Beispiel dürfen die Berechtigungen von privaten Dateien nicht mehr auf global lesbar gesetzt werden.

Eine weitere wichtige Änderung betrifft den Doze-Mechanismus, der in Android 6.0 eingeführt wurde. Bisher wurden die CPU und Netzwerkeinschränkungen nur bei stillstehenden Geräten aktiviert. In Android 7.0 ist der Doze-Mechanismus weiterhin aktiv, auch wenn das Gerät bewegt wird – wie es beispielsweise bei einer Autofahrt der Fall wäre.

JAXenter: Lass uns in die Zukunft blicken: Was wünschst du dir von Android M?

Jonas Gehring: Ich besitze keine Glaskugel und lass mich aber auch gerne einfach überraschen. Nicht zuletzt wird es auch spannend werden, welche Geräte am Markt erscheinen und welche letztendlich die breite User-Akzeptanz bekommen werden.

Jonas Gehring hat bereits mit neunzehn Jahren seine Apps im damaligen Android Market verkauft. Daneben hat er eine Graphen-Library für Android entwickelt, die von tausenden Apps benutzt wird. Heute arbeitet er als Softwareentwickler und beschäftigt sich auch in seiner Freizeit mit Technologien rund um die Themen Mobile, Android und VR.

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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