Android L und Dropcam: IoT News aus dem Googleversum [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Google kauft Dropcam und stellt auf der Google I/O sein neues Betriebssystem „Android L“ vor. Salesforce startet Wearable-Computing-Initiative für Unternehmen. Cisco übernimmt schwedischen Netzwerkausrüster Tail-f. Crowdfunding der Woche: Homey, eine sprachgesteuerte Smart-Home-Zentrale auf Basis von Raspberry Pi und Node.js.

Google kauft Dropcam 

Fressen und gefressen werden: Im Googleversum bildet sich in beachtlichem Tempo eine eigene IoT-Galaxie heraus: Anfang des Jahres hatte Mountain View das Smart-Home-Startup Nest Labs für 3,2 Milliarden US-Dollar übernommen. Jetzt hat die neue Google-Tochter ihrerseits eine Akquise angekündigt: Sie kauft Dropcam, einen Hersteller von Überwachungskameras und Sensoren für Gebäude, für 555 Millionen Dollar.

Dropcam, 2009 gegründet, bietet ein bislang überschaubares Produktportfolio von zwei Kameras zum Preis von 150 bzw. 200 US-Dollar sowie einem Cloud-Aufzeichnungs-Dienst für 99 Dollar pro Jahr. Über Smartphones oder Tablets können die Kameras gesteuert werden. Nach der Übernahme sollen die Produkte auch weiterhin auf der Onlinepräsenz verfügbar sein.

Wie nicht anders zu erwarten, gab die Kombination der Wörter „Google“ und „Überwachungskameras“ der Mainstream-Presse Anlass zu Big-Brother-Dystopien (Focus) und jeder Menge Panikmache – ein Schlüsselreiz, der bei der Nest-Übernahme auch schon kräftig bedient wurde: „Google dringt weiter in die Wohnungen vor“, titelt der Spiegel. Doch Nest-Gründer Matt Rogers versichert in einem Blogpost:

Like Nest customer data, Dropcam will come under Nest’s privacy policy, which explains that data won’t be shared with anyone (including Google) without a customer’s permission. 

In related news: Nest hat gerade sein API freigegeben. Das Motiv liegt auf der Hand: Der Thermostate-Hersteller möchte eine möglichst große Entwicklerschar für sich gewinnen und damit sein Ökosystem ausbauen.

Android L

Welche Rolle Android im IoT einnehmen wird, darüber wird schon seit langer Zeit spekuliert. Kein Zweifel: Mit der Zahl der Firmen und Startups, die Google hinzukauft oder als Partner gewinnt, steigen auch die Chancen, dass das Smartphone-Betriebssystem in Bereiche vordringt, in denen noch nie ein grüner Roboter zuvor gewesen ist: Automotive, Robotik oder Heimautomatisierung (s. Nest) seien hier genannt. Aber um im Internet der Dinge wirklich allgegenwärtig zu sein, ist das das Google-Betriebssystem bislang zu ressourcenhungrig. Für Mobile-Experte Dominik Helleberg käme Android, wie wir es kennen, vorwiegend als „Schaltzentrale des IoT“ in Frage (mehr dazu in der IoT-Sonderausgabe des Entwickler Magazins).

Seit gestern tun sich neue Perspektiven auf: Auf der Google I/O in San Francisco wurde ein weiterer heißer Android-Kandidat für das IoT vorgestellt: Das Betriebssystem mit dem Codenamen „Android L“ soll ausschließlich auf der neuen Runtime laufen, die mit Android 4.4 KitKat eingeführt wurde und die Dalvik Virtual Machine ablöste. Nicht nur für Smartphones und Tablets, sondern auch für Autos und Smart TVs soll es sich eignen, ergo auch für eine ganze Reihe weiterer Embedded-Systeme mit den unterschiedlichsten Formfaktoren: „Write once, run anywhere“ scheint zum Greifen nahe. Weitere gestern vorgestellte Android-Varianten wie Android Auto und Android TV werden „L“ in den jeweiligen Einsatzszenarien ergänzen. Einen Vorgeschmack auf die neue Bedienoberfläche mit dem ebenfalls neuen Design-Paradigma „Material Design“, generalüberholten Benachrichtigungs- und überarbeiteten Sicherungsfunktionen gab es gestern. The Verge hat eine neunminütige Kurzversion der Keynote bereitgestellt, in voller Länge findet sie sich auf YouTube. Eine Preview-Version von Android L wird in Kürze veröffentlicht. Das offizielle Release soll im Herbst erfolgen. 

Auch Android Wear gehörte gestern zu den Hauptdarstellern der Google-Hauskonferenz. Erste Smartwatches mit dem leichtgewichtigen Betriebssystem sind ab sofort verfügbar. 

Android L wurde gestern auf der Google I/O vorgestellt.

„Salesforce Wear“ gestartet

Das Cloud-Computing-Unternehmen Salesforce lanciert mit „Salesforce Wear“ eine Initiative für Wearable Computing, die sich speziell an Unternehmen richtet. Zeitgleich wurde das „Salesforce Wear Developer Pack“ veröffentlicht. Mithilfe dieser Plattform sollen Entwicklern bei Apps für Wearables erstellen können, die sich mit der Salesforce1-Plattform verbinden lassen. ARM, Fitbit, Pebble, Phillips, Samsung und Google Glass sind schon Teil der Initiative.

Dass auch Salesforce im Internet der Dinge eine Goldmine entdeckt hat, wurde auf der hauseigenen Konferenz „Dreamforce“ im vergangenen Jahr besonders deutlich. Dort sprach CEO Mark Benioff über die Möglichkeiten vernetzter Geräte und Services. Dabei prägte er den Begriff „Internet of Customers“ – schließlich stecke hinter jedem vernetzten Gerät auch ein Kunde, so Benioff. 

Cisco übernimmt Tail-f

Das Netzwerkunternehmen Cisco möchte den schwedischen Konkurrenten Tail-f Systems übernehmen, wie der US-amerikanische Konzern in einer Pressemitteilung bekanntgibt. 175 Millionen US-Dollar ist Cisco der kleinere Konzern wert. Der alteingesessene Netzwerk-Gigant erhofft sich von diesem Zukauf vor allem eines: einen Innovationsschub in Sachen Netzwerkvirtualisierung. So erklärte Hilton Romanski, Senior Vice President in der Unternehmensentwicklungsabteilung bei Cisco: 

Unser Ziel ist es, Engpässe zu umgehen, die mit einem immer komplexer werdenden Netzwerkbetrieb einhergehen (…). Die Akquisition der Netzwerkkonfigurations- und Bereitstellungstechnologie von Tail-f wird (…) die Betriebskosten und den Zeitwaufwand beim Deployen neuer Dienste für Service Provider reduzieren und damit eine agile Bereitstellung von Services ermöglichen. 

Im Februar hatte Cisco 100 Millionen Dollar in ein IoT-Startup-Projekt investiert. Das Unternehmen bezeichnet das IoT bevorzugt als „Internet of Everything“. Es prägte außerdem den Begriff „Fog Computing“ für hoch virtualisierte Plattformen, die auf die Peripherie eines Netzwerks abzielen.

Homey: Smart-Home-Zentrale powered by Raspberry Pi

Damit das Internet der Dinge nicht nur in Unternehmen Einzug hält, sondern auch die Herzen der Endanwender erobert, müssen sich Produktdesigner einiges einfallen lassen. Die User Experience muss optimiert, die Interaktion mit den neuen Gadgets möglichst natürlich sein. Was als natürlich empfunden wird, so UX-Experte Sascha Wolter neulich im JAXenter-Interview, sei von Erfahrungswerten, dem Alter und der Kultur abhängig.

Die Erfinder unseres Crowdfunding-Projekts der Woche sind der Meinung: Die Bedienung von Lichtern, Heimunterhaltung und Heizungen per Smartphone-App ist viel zu umständlich. Dass es intuitiver geht, soll die Smart-Home-Zentralstation „Homey zeigen. Die kleine intelligente Kugel versteht Sprachbefehle und leitet die Anweisungen an die entsprechenden Geräte weiter – per W-LAN, Bluetooth, ZigBee, ZWave oder Infrarot. Im Inneren werkelt ein Raspberry Pi Compute Module (für den Prototyp wurde noch ein herkömmlicher Raspberry Pi verwendet), auf dem ein eigens entwickeltes Betriebssystem auf Basis von Node.js läuft. Die Sprachsteuerung ist ein Hybridsystem aus den einschlägigen Microsoft- und Google-Technologien.
Ein Bonbon für Entwickler gibt es ebenfalls: Wenn man sich bei der Unterstützung des Projekt als Geek outet, erhält man Beispielcode für eigene Homey-Apps – entwickelt wird in JavaScript –, eine Arduino-Library und ein Early-Access-SDK. Etwa einen Tag kann man das Kickstarter-Projekt aus den Niederlanden noch unterstützen.

 

 

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