Interview mit Matthias Friedrich und Steve Liedtke, Bremen GTUG

Android Jelly-Bean: "Google TV als dritte Ausprägung neben Smartphone und Tablet"

Wir sprachen mit Steve Liedtke und Matthias Friedrich von der Bremen GTUG über die neue Android-Version Jelly-Bean, die Tauglichkeit von Android im Unternehmenseinsatz und die Aktivitäten der Google Technology User Groups. Während das Feature-Set für Jelly-Bean noch nicht feststeht, darf schon spekuliert werden: Wird Android mit Jelly-Bean die Marke Google TV wieder ins Spiel bringen?

JAXenter: Welche Neuerungen würden Sie sich für die nächste Android-Version – Jelly-Bean – wünschen?

Steve Liedtke: Wir haben auf der diesjährigen droidcon in Berlin mit Christian Kurzke über Google TV gesprochen, und ich finde die Idee und das System sehr cool. Es ist außerdem schade, dass momentan noch Honeycomb statt ICS auf den Geräten läuft. Also fände ich es gut, wenn TV zu Jelly Bean mit den Smartphones und den Tablets zusammengebracht würde. Es wäre ein Vorteil für uns als Entwickler und würde das System auch interessanter machen.

Matthias Friedrich: Ich hoffe auf eine Verbreitung von Google TV und somit eine Reintegration in die Marke Android als dritte Ausprägung neben Smartphone und Tablet. Dies würde die App-Entwicklung um einiges vereinfachen. Zudem bin ich sehr gespannt, wie sich „Android@Home“ seit der ursprünglichen Präsentation weiterentwickelt hat und wie es sich im realen Haushalt einfügen soll. Weiterhin erwarte ich eine engere Integration von Chrome in die Plattform Android. Diesbezüglich stehen wir, so denke ich, erst noch am Anfang.

JAXenter: Android ist die derzeit erfolgreichste Smartphone-Plattform, auch im Geschäftsumfeld. Ist Android fit für die Integration in den Arbeitsalltag – wie ist Ihre Einschätzung?

Steve Liedtke: Google besitzt bereits sehr gute Tools, die von einigen Firmen schon genutzt werden. Viele davon wurden in den vergangenen Monaten auch auf Android vermehrt nutzbar. Viele Firmen werden dennoch hohe Ansprüche an Android haben, gerade auch, was das Office-Paket von Google auf dem Tablet angeht. Ich denke, mit der Konkurrenz eines Windows 8 Tablets könnte dies aber auch sehr schnell von anderen Anbietern geboten werden.

Matthias Friedrich: Eine gewisse Integration (Exchange, Fernwartung) ist ja schon seit Längerem mit Android möglich, doch haperte es oftmals einfach schon an Dingen wie dem VPN-Support. Mit der Unterstützung weiterer VPN-Standards und einem zentralen Keystore für SSL-Zertifikate in ICS erweist sich Android jedoch, denke ich, als voll geschäftsfeldtauglich. Ich würde sogar sagen, dass es angesichts der Verfügbarkeit des Quellcodes der Android-Standard-Apps und des offenen Systems – man denke an Broadcast Receiver und Intent-Filter – sogar noch interessanter für Unternehmen ist, da die Integration so noch direkter und enger ausfallen kann als bei komplett geschlossenen Systemen.

JAXenter: Wo sehen Sie Android in fünf Jahren?

Matthias Friedrich: In einer Puddingschüssel (Codename Plum Pudding?). Nein im Ernst. Ich denke, dass sich Chrome-basierte Apps, wie man sie heute ansatzweise vom Desktop kennt, über kurz oder lang nahtlos in Android integrieren und als Alternative zur App-Entwicklung etablieren werden. Der Chrome Webstore könnte im Google Play Store aufgehen, und der normale User würde nicht merken, ob er eine Java- oder HTML/JavaScript-App nutzt. In fünf Jahren könnte Android so als Hybrid zwischen klassischem Client-OS und Chrome OS existieren, mit Ausprägungen auf Smartphones, Tablets, Fernsehern, Autos und auch dem Desktop/Laptop. Die Vernetzung wäre allgegenwärtig und umfassend, mit Android als alles verbindendem System. Sehr interessant ist natürlich auch das kürzlich präsentierte Project Glass auf Android-Basis.

Steve Liedtke: Ich hoffe, wir werden sehr weit weg von Patentkriegen sein. Ich finde die Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt sehr gesund, und die Entwickler haben immer mehr Möglichkeiten. Android hat einen großen Teil dazu beigetragen, und ich freue mich auf alles, was uns demnächst von Google geboten wird.

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