Interview mit Mostafa Akbari

Android, Google Glass und die Zukunft der "smarten Dinge"

Hartmut Schlosser
Mostafa Akbari

Wearables wie Google Glass oder die Fitness-Uhr Fitbit gehören die Zukunft. Im Februar hat Google Project Tango vorgestellt, ein Smartphone mit 3D-Raumerkennung, mit dem die Umgebung nach menschlichem Vorbild erfasst werden soll. Stehen wir an der Schwelle einer neuen Stufe der Augmented Reality?

Nun, Tatsache ist, dass in vielen dieser neuen, klugen Geräte Android den Takt angibt. MobileTechnology-Speaker Mostafa Akbari hat in seinem Start-up bitstars ein Android-basiertes SDK für Augmented-Reality-Anwendungen entworfen. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft der „smarten Dinge“ und darüber, wie man sich als Android-Entwickler am besten dem Thema SmartGlasses annähert.

Nach dem anfänglichen Hype um Augmented Reality ist es eine Zeit lang ruhig um das Thema geworden. Haben sich die anfänglichen Visionen als Illusionen herausgestellt?

Mostafa Akbari: Die anfänglichen Visionen sind noch nicht erreicht, aber in naher Zukunft werden einige dieser Visionen Realität. Allein, was Google an Technologien mit Project Tango und Google Glass für Entwickler und Forschende entwickelt hat, zeigt, was alles möglich sein wird, sehr bald. Ich denke, die Google Glass lassen sich gut mit den Motorola StarTAC vergleichen. Die StarTAC hatten wenig mit aktuellen Smartphones zu tun, aber es war klar, dass mit dem Release des StarTAC die Mobile-Ära angefangen hatte.

Mit Project Tango zeigt Google, wie die nächste Generation von Smart Gadgets technisch aussehen wird und welche Möglichkeiten sich eröffnen. Ich denke, mit Geräten wie dem Tango wird ein ganz neuer Markt für Apps eröffnet, nicht nur auf Smartphones sondern auch auf vielen anderen smarten Gegenständen. 

Ihr Thema auf der MobileTech Conference ist SmartGlass. Welche neuen Impulse können die verschiedenen SmartGlass-Angebote dem Thema Augmented Reality geben?

Mostafa Akbari: Die Impulse gehen als erstes in die Richtung verschiedener Nischen. SmartGlasses werden für Individualsportler interessant werden, und dann gibt es den Trend für den Einsatz von AR im Bereich von Wartung und Reparaturen. Nach den Erfahrungen, die die Hersteller der Brillen und der Software sammeln werden, werden die nächsten Zyklen hoffentlich für jedermann tauglich sein.  

Welche Rolle spielt das Android-Betriebssystem für SmartGlass?

Mostafa Akbari: Android ist zunächst einmal das Betriebssystem der mobilen SmartGlasses. Es gibt zwar noch einige Brillen, die über Kabel an den PC angeschlossen werden. Doch Android ist aktuell das Betriebssystem, welches die meisten Entwickler hat und für Hardwarehersteller in den ersten Iterationen ihrer Produkte erschwinglich ist. Die Hürde ist für die vielen Android-Entwickler auch geringer, für SmartGlass zu entwickeln, wenn sie das Ökosystem schon kennen.

Wie kann man sich als Entwickler am besten dem Thema SmartGlass annähern? Gilt es hier, sich in eine völlig neue Materie einzuarbeiten? Oder anders gefragt – welches angestammte Entwickler-Wissen kann wiederverwendet werden, was muss neu gelernt werden?

Mostafa Akbari: Inzwischen sind die meisten Augmented Reality SDKs recht ausgereift. Eine AR-Anwendung zu erstellen, ist, wie ein 3D-Spiel zu erstellen. Als Entwickler muss man sich nur in die Interaktion hinein denken und die Grenzen des Möglichen verstehen. Einige AR-SDK-Anbieter haben auch einfache Klick-Lösungen, die man in die eigene App einbinden kann. Hier ist immer die Frage, welchen Anspruch man hat.

Auf der anderen Seite gibt es noch die Softwareentwicklung auf dem Level der SDK und der Computer-Vision-Algorithmen. Dafür muss man sich sehr gut in dem Bereich auskennen und viel Lust auf Mathe und Experimente haben.

Ihr aktuelles Lieblingsthema ist „Industrie 4.0“. Worum geht es dabei?

Mostafa Akbari: Worum es bei Industrie 4.0 geht ist eine gute Frage. Da gibt es viele verschiedene Definitionen. Im Grunde findet ein Wandel im Maschinenbau und dem Produzierendengewerbe statt – oder besser: sollte stattfinden! Diese Bereiche entdecken die Möglichkeiten des Einsatzes von vernetzten, verteilten Systemen und der Künstlichen Intelligenz für sich. Industrie 4.0 bringt einige Herausforderungen mit sich, wie die Kommunikation zwischen klassischen Ingenieuren und Software Engineers. Ein Problem ist hier, dass die Maschinen oft aus einem anderen Zeitalter stammen. In Deutschland werden Top-Down Use-Cases entwickelt und bewertet, wo hingegen z.B. in den USA das Thema direkt mit mehr Mut zum Risiko angepackt wird.

Was machen Sie in Ihrem Unternehmen bitstars zum Thema Augmented Reality?

Mostafa Akbari: Wir haben bei bitstars ein eigenes AR-SDK entwickelt, DroidAR, welches auch bald unter iOs genutzt werden kann. Daneben entwickeln wir ein Authoring Tool für die Industrie, damit diese sehr einfach ihre Wartungs- und Reparaturszenarien umsetzen können.

Aktuell bewegen wir uns stark in Richtung Internet of Things und Wearables und schaffen AR-Interfaces für diese Geräte, die die Interaktion zwischen Mensch und Gerät vereinfachen.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mostafa Akbari auf der MobileTech Conference 2014 (17. bis 20. März 2014):
SmartGlass, Augmented Reality – Was ist Stand der Realität

Was ist der aktuelle Stand bei den SmartGlass und welche Tools helfen bei der Entwicklung von Augmented-Reality-Software? Diese Fragen sollen in der Präsentation beantwortet werden. Mehrere Hersteller haben ab Oktober 2013 ihre neuen SmartGlass angekündigt, alle mobilen Varianten von SmartGlass haben Android als Basisbetriebssystem. In der Session sollen die Unterschiede der verschiedenen Brillen aufgezeigt werden. Neben den technischen Unterschieden werden verschiedene Nutzerszenarien für SmartGlass aufgezeigt. Ergänzt wird der Teil der Session mit dem Vergleich der beliebtesten SDKs für Augmented-Reality-Softwareentwicklung.

http://mobiletechcon.de/2014se/

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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