Android-Fragmentierung: Fluch oder Segen?

Astrid Spier

Android ist das erfolgreichste mobile Betriebssystem mit einer globalen Verbreitung. Endgeräte gibt es in nahezu jeder erdenklichen Größe und Ausführung, sodass für Nutzer eine große Auswahl besteht. Doch mit der Wahl kommt die Qual – für Entwickler. Immer wieder wird die Fragmentierung des Betriebssystem als große Schwäche beschrieben, da die Vielfalt gleichzeitig einen höheren Aufwand bei der Entwicklung von Apps bedeutet. Dabei liegt genau in der Vielfalt einer der Gründe für den Erfolg des OS, wie Open Signal nun in einer ausführlichen Studie zur Fragmentierung von Android herausstellt. 

Es ist sicherlich ein großer Vorteil, dass Googles Android auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Geräten erhältlich ist, da so den Nutzern die Wahl bleibt, welches Smartphone oder Tablet den eigenen Ansprüche am besten entspricht. Problematischer ist hingegen die Zersplitterung der Versionen des Betriebssystems, von denen derzeit 8 aktiv genutzt werden. Zwar hat sich auch hier die Mehrzahl der Android-Besitzer inzwischen für Jelly Bean entschieden, doch nutzt immer noch rund ein Drittel Gingerbread und immerhin 23.3 Prozent Ice Cream Sandwich. Um Apps zumindest für die gängigsten Versionen übergreifend anbieten zu können, müssen Entwickler mit Hinblick auf die prozentuale Verteilung der Betriebssysteme somit noch immer einen erheblichen Mehraufwand betreiben, was Apple CEO Tim Cook dazu veranlasste, die Zersplitterung Androids einen „Alptraum für Entwickler“ zu nennen (zum Vergleich: 95 Prozent der Apple-Nutzer verwenden iOS 6).

Allerdings übersieht Cook in dieser Feststellung, dass mit der Fragmentierung auch eine größere globale Reichweite erzielt werden kann, sodass Entwickler ihre Apps hier für ein breiteres Publikum entwickeln können und eine höhere Verbreitung der eigenen Apps erzielen können. Ein Grund für die Beliebtheit des OS und die kontinuierliche Ausbreitung ist dabei sicherlich auch, dass Smartphones, die nicht über das aktuellste Betriebssytem verfügen, günstiger angeboten werden können. 

Eine weitere Herausforderung für Entwickler stellen die unterschiedlichen Screengrößen dar, denn kein anderes OS ist für vergleichbar viele Displaygrößen optimiert. So hat Konkurrent Apple beispielsweise nur vier verschiedene Displaygrößen im Angebot, da sich trotz Verbesserungen bei der Auflösung die tatsächliche physische Größe kaum verändert hat. Hinzu kommt, dass die Hersteller häufig spezifische System-Benutzeroberflächen verwenden, wie etwa Samsung mit dem Touchwhizz oder HTC mit Sense. Grund für die Zersplitterung des Android OS ist dabei nicht zuletzt die Tatsache, dass Smartphones, die nicht über das aktuellste Betriebssystem verfügen, günstiger angeboten werden können.

In der von Open Signal durchgeführten Studie konnten fast 12.000 Downloads der Test-App verzeichnet werden, was einem Anstieg von ehemals 3.997 Endgerät-Zugriffen entspricht und eine Verdreifachung der Fragmentierung ersichtlich werden ließ. Die meisten erfassten Downloads wurden dabei von Besitzern eines Samsung Galaxy III Smartphones vorgenommen. Auch insgesamt ist Samsung der Studie zufolge mit 47.5 Prozent der am häufigsten genutzte Hersteller. Sony Ericsson schafft es auf Platz Zwei, kommt dabei allerdings nur auf 6.5 Prozent, gefolgt von LG auf Platz drei.
Auch für die Zukunft prognostiziert Open Signal eine fortschreitende Fragmentierung des Android OS. Zu verschiedenen seien die Anforderungen, die Nutzer an ihre mobilen Geräten stellten und die von so diversen Faktoren wie Preis, Batterielaufzeit, Bildschirmgröße oder Hersteller bestimmt würden. Nicht zuletzt scheint auch Androids größter Kritiker Apple sich etwas vom Google-Konzept abschaut zu haben und zukünftig mit dem Low-End iPhone auf eine breitere Palette setzen zu wollen.

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Astrid Spier
Astrid Spier
Astrid Spier arbeitet seit Juli 2012 als Redaktionsassistentin bei S&S Media. Im Mai 2011 hat sie ihren Master in Germanistik in den Vereinigten Staaten erhalten. Durch die enge Verbindung von Journalismus und Germanistik hat sie in den USA journalistische Erfahrungen sammeln können und Artikel zur interkulturellen Verständigung für den Blog der Universität geschrieben. Im März 2013 hat sie ihr Staatsexamen mit den Fächern Englisch und Deutsch in Mainz abgeschlossen.
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