Suche
Android Experten-Check

Android: Seine Zukunft, seine Schwachstellen und die wachsende Bedeutung von Kotlin

Kypriani Sinaris

© Shutterstock.com / Szasz-Fabian Jozsef

Android hat den Mobile-Markt revolutioniert. Das OS ist weltweit auf den meisten Smartphones zu finden, der Google Play Store bietet Entwicklern eine große Plattform für ihre Apps. Wir sprechen mit einigen Android-Experten von der MobileTech Con 2017 über die Zukunft von Android, was sie von einem Cross-Device OS halten und wie sie die Chancen von Kotlin einschätzen.

Die Android-Experten

image2

Kurt Salman ist App-Entwickler seit 2009. Er begleitet namhafte Unternehmen in der Entwicklung und Beratung rund um Entwicklungsmethoden und Agility im Bereich Mobile wie auch ehrenamtlich mitwirkend im Innovation Management der Zukunft. Seine Erfahrungen gibt er in Hochschulen als Referent wieder.

wondratschek_ralf

Ralf Wondratschek arbeitet als Senior Software Engineer, Android bei Evernote, deren App für Android täglich von mehreren Millionen Menschen genutzt wird.

PD Dr.-Ing. habil. Björn W. Schuller - Lehrstuhl für Mensch Maschine Kommunikation Foto: Andreas Heddergott / Verwendung frei fuer die Berichterstattung ueber die TU Muenchen unter Nennung des Copyrights

Prof. Dr. Björn Schuller ist Inhaber des Lehrstuhls für Complex & Intelligent Systems an der Universität Passau, Reader in Machine Learning am Imperial College London, permanenter Gastprofessor am HIT in der Volksrepublik China und Berater von Unternehmen wie HUAWEI.

toth_krisztian

After his studies in the U.S., Krisztián first got involved with mobile technology at Motorola. Before taking on his position as Commercial Director at SCOLVO, he gained far-reaching experience in various senior business development roles, introducing the region’s first mobile banking and brokerage applications, and marketing enterprise mobility solutions in 17 countries.

Wenn du für einen Tag König der Mobile-Entwickler-Welt wärst, was würdest du verändern?

Kurt Salman: Ich würde die Macht vergrößern, die Entwickler in den Händen halten, um beispielsweise die Wertigkeit von Tests in eine qualitative Richtung zu lenken. Ich habe zu viele Tests geschrieben, nur, damit sie geschrieben wurden. Qualität konnte oder wollte keiner so richtig bescheinigen.

Ralf Wondratschek: Das klingt sehr verheißungsvoll. Die Frage ist vermutlich eher, welche Dinge momentan wenig Beachtung finden und verbessert werden müssten. Ich denke, dass es eine große Herausforderung ist, ein Produkt auf allen Plattformen zu veröffentlichen. Viel Logik und Code muss doppelt und dreifach programmiert werden.

Bisher habe ich persönlich allerdings keine guten Erfahrungen mit Cross-Plattform-Tools gemacht. An irgendeinem Ende hat es immer gehakt und gezwickt, oder es fühlte sich auf einem System nicht mehr nativ an. Ich denke hier gibt es viel Bedarf, Dinge nachzuholen, zu verbessern und in den Markt zu pushen.

Prof. Dr. Björn Schuller: Ich würde Standardisierung konsequenter durchsetzen und Quelloffenheit im weitestmöglichen Rahmen steigern.

Android Wear X: Was erwartest du von kommenden Versionen?

Ralf Wondratschek: Ich selbst trage keine Uhr und bisher sehe ich auch nicht den Mehrwert, den mir eine Smartwatch bringt. Ich hoffe auf bessere Funktionen und Killer-Features, die mich als Endnutzer überzeugen, dass es ausreicht, nur auf die Uhr zu schauen und nicht noch das Smartphone aus der Hosentasche holen zu müssen.

Krisztián Tóth: Smartwatches sind selten Teil von Enterprise-Mobility-Lösungen. Ich erwarte, dass die kommende Version robustere und mehr auf die Enterprise-Nutzung ausgerichtete Möglichkeiten mitbringen wird.

Prof. Dr. Björn Schuller: Die native Unterstützung von einer Vielzahl von Standards für diverse Geräte und Sensoren.

Android Nougat nähert sich mit Freeform Windows dem Desktop, Andromeda wäre als Verschmelzung von Chrome OS und Android auch ein Schritt in diese Richtung. Was ist deine Meinung zu einem Cross-Device OS?

Ralf Wondratschek: Meines Erachtens kommt es auf die Bedienkonzepte an. Wenn sich alles mit Touch-Gesten steuern lässt, dann sollte die Bildschirmgröße eine mindere Rolle spielen und Apps entsprechend angepasst werden. Hingegen ist es schwieriger ein Programm sowohl für Touch, Maus, Tastatur als auch Fernbedienung anzupassen.

Solange es aus Entwicklersicht einen festen Kern gibt und man bestimmte Voraussetzungen zu 100 Prozent erwarten kann, dann begrüße ich ein Cross-Device OS. Allerdings kann ich beispielsweise Apples Entscheidung sehr gut nachvollziehen, macOS nicht mit iOS zu verschmelzen, da es sich um eine komplett unterschiedliche Art der Nutzung handelt.

Krisztián Tóth: Ein Cross-Device OS ist eine tolle Möglichkeit, um mehr Devices mit einer einzelnen Lösung erreichen zu können. Ich glaube aber, dass es genauso sein wird wie mit den Cross-Plattform Lösungen: Wir mussten damals ein paar Jahre auf gute Lösungen warten und jetzt wird es mit dem Cross-Device OS genau so sein.

Prof. Dr. Björn Schuller: Das würde ich sehr begrüßen – die Geräte verschmelzen ohnehin zunehmend in ihrer Nutzung. Die Entwicklung würde damit weiter günstiger und plattformunabhängiger werden.

Stichwort Responsive Design: Lieber Progressive Enhancement oder Graceful Degradation?

Ralf Wondratschek: Progressive Enhancement kann Nutzern mit besseren Geräten und mehr Möglichkeiten einen Mehrwert bieten.

Krisztián Tóth: Wenn wir über Responsive Design reden – also eigentlich über Web Apps – müssen wir immer vorausschauend denken und versuchen herauszufinden, inwiefern eine Lösung zukunftssicher ist oder eben nicht. Viele Funktionen – eine Kernfunktion sind Offline-Operationen – können nicht durch Web-Apps gelöst werden. Derzeit glauben wir an native Lösungen und nutzen responsive Elemente in einer Anwendung, falls das nötig ist.

Prof. Dr. Björn Schuller: Progressive Enhancement – das fühlt sich „positiver“ an als zunehmende Beschränkungen.

Kotlin mischt gerade die Android-Entwicklung auf, die sonst Java spricht. Wie schätzt du die Chancen Kotlins ein?

Ralf Wondratschek: Ziemlich gut. Ich selbst bin ein großer Fan von Kotlin und wir setzen es auch in unseren Projekten ein. Der Grund ist nicht einfach, dass es sich um einen Trend handelt und gerade hip ist. Kotlin bringt für Entwickler viele Vorteile mit sich. Die gute Kompatibilität zur Java-Seite macht es auch möglich, Schritt für Schritt Code anzupassen und Kotlin zu integrieren. Deshalb stellen wir auch einige Open-Source-Projekte bereit, die gut mit Kotlin arbeiten.

Ich hoffe, dass Kotlin noch stärker in den Fokus rückt. Die Sprache entwickelt sich schnell und integriert gute Funktionen, die meine Arbeit als Entwickler leichter machen. Dass sie unabhängig von einer bestimmten Android-Version und stets abwärtskompatibel ist, ist ein riesiger Pluspunkt. Wer weiß, vielleicht erhält sie eines Tages von Google eine größere Beachtung und wird besser für Android als Alternative zu Java unterstützt.

Lesen Sie auch: Kotlin für die Java-Entwicklung

Krisztián Tóth: Ich glaube, dass das ein gutes Tool für Entwickler ist, die nicht viel Erfahrung mit Java haben. Allerdings würde ich keinem unserer Entwickler empfehlen, künftig mit Kotlin zu arbeiten.

Prof. Dr. Björn Schuller: Programmier- und Skriptsprachen kommen und gehen – nur wenige halten sich auf Dauer in großer Anwendungsbreite. Dazu muss schon ein sehr entscheidender Vorteil bei der Programmierbarkeit, Funktionalität oder Effizienz vorhanden sein. Kotlin bietet klar eine Reihe positiver Aspekte, die Java nicht aufweist, aber das verhält sich auch umgekehrt so – ich wäre also auch überrascht, wenn Kotlin Java weit zurückdrängt.

Was wünschst du dir für die Zukunft von Android?

Ralf Wondratschek: Android hat ein paar bekannte Schwachpunkte, die Google in Zukunft hoffentlich besser löst, z. B. die lahme Update-Politik der Hersteller oder die Fragmentierung. Damit meine ich nicht nur unterschiedliche Bildschirmgrößen, sondern einheitliche APIs im AOSP und nicht in den Google Play Services. Androids Compatibility Test Suite sollte noch mehr Bereiche abdecken und um viele Fälle erweitert werden. Nicht alle Android-Geräte liefern die gleichen Ergebnisse, die sie sollten.

Krisztián Tóth: Mit Android und Material Design ist eine gute Umgebung entstanden, in der sich tolle UIs erstellen lassen, die dem User ein gutes UX bieten. Ich würde mir wünschen, dass wir auf diesem Weg bleiben, weil die User Experience der wichtigste Teil jeder mobilen App ist.

Prof. Dr. Björn Schuller: Dass es sich als Standard weiter durchsetzt und Quelloffenheit insgesamt begünstigt.

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare
  1. Marius2017-03-13 20:32:51

    "Eine Kernfunktion sind Offline-Operationen – können nicht durch Web-Apps gelöst werden." - Falsch, Service Worker erlauben das. Siehe Progressive Web Apps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.