Android-Chef Pichai übernimmt Googles Kernprodukte: Chrome OS und Android bald vereint?

Michael Thomas
© Shutterstock/Spectral-Design

Google hat eine bedeutende personelle Veränderung im Management des Konzerns vorgenommen: Sundar Pichai, bislang verantwortlich für Android, Chrome und Google Apps, erhält nun auch die Verantwortlichkeit für die Geschäftsbereiche Forschung, Search, Maps, Google+, Commerce- und Werbeprodukte sowie Infrastruktur. Was bedeutet das für die Zukunft des Suchmaschinen-Riesen?

Führungsduo

Sundar Pichais Stern ist schon seit Jahren im Steigen begriffen: Zeichnete er zunächst nur für Chrome verantwortlich, übernahm er im März 2012 den Bereich Google Apps von Dave Girouard, ein Jahr später folgte die bis dato von Andy Rubin geleitete Android-Sparte. Mit dem aktuellen Kompetenzzuwachs ist Pichai nun Herr über alle Kernprodukte, die Google CEO Larry Page zuvor selbst unter sich hatte.

Dieser zieht sich somit teilweise aus dem operativen Geschäft zurück und richtet seine Aufmerksamkeit künftig vermehrt auf Googles strategische Ausrichtung. Ein verständlicher Schritt, denn Page scheint sich Sorgen zu machen, dass Google mit der Zeit seine Innovationskraft einbüßen könnte. In einem internen Memo ließ er verlauten, dass die Zentralisierungsbemühungen einerseits den Flaschenhals vergrößern und ihm andererseits dabei helfen würden, sich auf bestehende wie neue Produkte zu konzentrieren.

Wohin geht die Reise?

Doch was werden Pichais zukünftige Aufgaben sein? Bislang kann man nur spekulieren. Doch eingedenk Pages erklärtem Ziel, auch weiterhin neue und innovative Wege zu gehen, könnte eine mittel- bis langfristige Bestrebung darin bestehen, alle Kernprodukte und Dienste zusammenzuführen und auf Basis von Android für eine möglichst große Anzahl von Plattformen gleichermaßen gut verfüg- und nutzbar zu machen.

Eine weitere Stoßrichtung könnte auf Chrome OS abzielen. So hören die personellen Überschneidungen bei Android und Chrome OS mit Pichai nicht auf: Seit einigen Wochen ist Android-Vize Hiroshi Lockheimer auch Chef des Entwicklerteams für Chrome OS. Ein Hinweis darauf, dass die seit geraumer Zeit auseinanderdriftenden und teilweise sogar in Konkurrenz zueinander stehenden Projekte auf eine Annäherung zusteuern?

Es würde jedenfalls Sinn ergeben: Chrome OS könnte von einer deutlich größeren Auswahl an Apps profitieren, während Android im Desktop-Bereich Fuß fassen könnte. Auch über eine schlußendliche Verschmelzung beider Betriebssysteme wird immer wieder spekuliert. In diesem Jahr waren zudem bereits Bestrebungen zu beobachten, die Entwicklung von Android-Anwendungen für Chrome und umgekehrt zu vereinfachen. Googles offizieller Standpunkt zu dieser Frage lautet zwar nach wie vor, dass es in dieser Richtung keinerlei Pläne gebe. Allerdings würde schon alleine aus Marketinggründen einiges dafür sprechen, statt mehrerer Einzelmarken eine einheitliche „Google-Marke“ zu etablieren.

Zugegeben: Nichts genaues weiß man nicht. Man also darf gespannt bleiben, wohin die Reise geht.

Aufmacherbild: TOP 10 Full collection of icons like that is in my portfolio von Shutterstock / Urheberrecht: Pavel Ignatov

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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