Android 4.0 Ice Cream Sandwich - JAXenter
Die jüngste Dessert Creation frisch aus dem Hause Google

Android 4.0 Ice Cream Sandwich

Dominik Helleberg und Christian Meder

Lange wurde es in der Android-Community herbeigesehnt, und viele Erwartungen wurden mit der neusten Android-Version verbunden. Schafft es Google, die unterschiedlichen Versionen für Smartphones und Tablets wiederzuvereinigen? Ist Gingerbread das letzte Open-Source-Release, und werden angefangen mit Honeycomb nur noch die lizenzrechtlich notwendigen Sourcen freigegeben? Kann sich Android im ständigen Vergleich mit iOS differenzieren und weiterentwickeln? Kann die native Android-Oberfläche eine attraktive Option auch ohne herstellerspezifische Anpassungen werden? Wohin entwickelt sich die Plattform aus Entwicklersicht? In diesem Artikel möchten wir einen ersten Überblick der aktuellen Informationen zu Android 4.0 liefern und die Neuerungen aus den verschiedenen Blickwinkeln der Nutzer und Entwickler betrachten.

Android360

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Über die aktuellsten Entwicklungen der Android-Plattform kann man sich auch im Android360-Magazin informieren. Aktuell erschienen ist Ausgabe 4.2011: Android Testing. Nicht verpassen!

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Nachdem die ursprüngliche Veranstaltung am 11. Oktober 2011 zum Release von Ice Cream Sandwich (ICS) aus Respekt vor dem Tod von Steve Jobs verschoben wurde, kam ICS am 19. Oktober 2011 in Hongkong in einer gemeinsamen Veranstaltung von Samsung und Google an die Öffentlichkeit. Wie inzwischen bei Android-Releases üblich, wurde das neue Referenz-Google-Telefon Samsung Galaxy Nexus und die Neuerungen von ICS gemeinsam von dem Hardwarehersteller und Google vorgestellt [1]. Interessant ist, dass hierbei noch keine Auswirkungen durch die geplante Übernahme von Motorola durch Google zu spüren waren. Samsung und Google haben laut eigener Auskunft gemeinsam in enger, auch räumlicher, Zusammenarbeit der Teams die neue Hardware und die zugehörige Android-Version entwickelt.

Das neue Galaxy-Nexus-Smartphone, das ab November verfügbar sein soll, gehört auf alle Fälle zum oberen Ende der aktuellen Technikboliden. Spannend sind hierbei der gekrümmte 4,65“-Super-AMOLED-HD-Bildschirm mit seinen 1280 x 720 Bildpunkten bei 316 Pixels pro Inch, die Unterstützung der schnellen LTE- und HSDPA+-Mobilfunkstandards und der flotte 1,2-Gigahertz-Dual-core-Prozessor [2], [3]. Und das Barometer ist ebenfalls kein Gimmik, sondern dient der Beschleunigung der Ortung per GPS [4].

Wie erhofft, führt ICS die Smartphone-(2.x-) und Tablet-Versionen (3.x) von Android in einer gemeinsamen Plattform zusammen, und dem Entwickler werden nun einheitliche UI-Schnittstellen für die App-Entwicklung auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen bereitgestellt. Nachdem die Sourcen von Honeycomb nie vollständig freigegeben wurden, da Google aus Zeitgründen schummelte und daher Honeycomb als reine Tablet-Version ohne Unterstützung für kleinere Bildschirme entwickelte [5], soll ICS wieder im Rahmen des Android Open Source Project (AOSP) vollständig freigegeben werden [6].

ICS für Nutzer: User Experience

Bereits in der Veranstaltung in Hongkong wurde klar, dass für das neue Android viel Zeit und Energie in das Thema Design geflossen sind. Matias Duarte, verantwortlich für die Android User Experience, bekam viel Zeit, um die Überlegungen zum Design von Ice Cream Sandwich vorzustellen. Gerade die Emotionalität spielt hier eine große Rolle, wenn etwa nach der „Seele“ von Android gefragt wird oder warum Android-Geräte mit den Worten „nutzen“ und „brauchen“, aber nicht mit „lieben“ verbunden werden. Zum ersten Mal wurden daher sämtliche Basisapplikationen komplett überarbeitet und neuen Designvorgaben angepasst. Diese Vorgaben fasst Matias Duarte in drei Punkten zusammen:

  • enchant me (verzaubere mich)
  • simplify my life (vereinfache mein Leben)
  • make me awesome (gib mir das Gefühl phantastisch zu sein)

Hierzu wurde für ICS etwa eine komplett neue hochauflösende Schrift mit dem Namen „Roboto“ entworfen.

Daneben haben sich generell die Trends fortgesetzt, die bereits in Honeycomb zu sehen waren. Die Hardwarebuttons werden durch Buttons auf dem Touchscreen ersetzt, die damit bei Bedarf noch mehr Bildschirmfläche ermöglichen. Dazu zählt auch das bewusste größtmögliche Reduzieren der grafischen Elemente. Unnötige Rahmen (z. B. um Eingabefelder), Trennlinien etc. sind verschwunden. Man verwendet große, einfarbige Flächen, ohne Gradienten oder Oberflächenstrukturen. Tendenziell sieht man wenige, dafür große UI- und Bildelemente. Neben den grafischen Strukturen sind auch die Inhalte auf das Wesentliche reduziert. Navigationselemente werden durch Gesten ersetzt, zum Beispiel wechselt man durch verschiedene Screens einer Applikation durch horizontales Wischen anstelle von Tabs. Das spart Platz und verringert die Anzahl der sichtbaren Navigationselemente (Abb. 1). Die Action Bar ersetzt das klassische Options-Menü, und auch für zu komplexe Kontextmenüs (z. B. auf dem Homescreen) haben die Android-Designer Ersatz gefunden (in diesem Fall durch Drag and Drop zum Hinzufügen der Widgets und Apps oder um Ordner anzulegen).

Abb. 1: Große Flächen, wenige Linien. Das User Interface wurde deutlich reduziert und aufgeräumt
ICS für Nutzer: Apps

Der Homescreen ist mit ICS sehr viel flexibler geworden: Per Drag and Drop können Ordner von Apps angelegt, Widgets können in ihrer Größe angepasst und die Favoritenleiste kann mit Apps, Ordnern oder Links selbst konfiguriert werden (Abb. 2). Die Benachrichtigungen können nun stärker grafisch aufbereitet (etwa mit Bildern der Kontakte) und auch einzeln mit einer Wischgeste aus der Liste entfernt werden.

Abb. 2: App-Ordner und Favoritenleiste

Der Sperrbildschirm erlaubt jetzt den Zugriff auf die Benachrichtigungen, die direkte Kontrolle des Musikabspielers und den Zugriff auf die Kamera. Und es gibt auch neuerdings die Möglichkeit, das Gerät per Gesichtserkennung zu entsperren. Die Texteingabe, hier vor allem die Rechtschreibkorrektur (Abb. 3), und die Spracheingabe wurden stark verbessert, und neu ist auch die Möglichkeit, den Datenverkehr anwendungsabhängig zu untersuchen und zu beschränken.

Abb. 3: Rechtschreibkorrektur
Geschrieben von
Dominik Helleberg und Christian Meder
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