Android 4.0 Ice Cream Sandwich

Die Apps für Kontakte (jetzt „People“), Kalender, Kamera und Bildergalerie sind komplett erneuert worden und es gibt (endlich) auch die Möglichkeit, Screenshots zu erstellen. Beispielsweise erlaubt die Kamera-App, Panoramabilder mit einer einzigen Bewegung zu erstellen, Effekte direkt in Fotos zu integrieren und die Bildbearbeitung direkt in der Bildergalerie (Abb. 4).

Abb. 4: Bildbearbeitung

Der Webbrowser erlaubt inzwischen das Speichern von Webseiten für das Offline-Lesen und das einfache Umschalten auf die Desktopansicht der Seite. Es gibt eine verkleinerte Karusselansicht der offenen Tabs und in Sachen Geschwindigkeit wurde auch einiges zugelegt (strong>Abb. 5).

Abb. 5: Tab-Übersicht im Browser

Per NFC können in ICS sehr einfach Daten mit der Android Beam App ausgetauscht werden, mit WiFi Direct können kompatible Geräte direkt per WLAN (und damit mit höherer Geschwindigkeit als Bluetooth) verbunden werden, und mit Bluetooth Health Device Profile (HDP) wird ein weiteres Bluetooth Profil für die drahtlose Kommunikation mit medizinischen Geräten oder Geräten aus dem Freizeitsport zum Beispiel zur Blutdruck- oder Herzfrequenzmessung unterstützt. Vertiefend sei hier zusätzlich auf [7] und [8] verwiesen.

ICS für Entwickler: die UI-Elemente

Resizeable Widgets wurden bereits mit Honeycomb 3.1 eingeführt, gewinnen aber mit ICS an Bedeutung. Schließlich kann dasselbe Widget auf unterschiedlichsten Bildschirmgrößen eingesetzt werden. Die bisherige Lösung, einfach mehrere Widgets mit verschiedenen Dimensionen anzulegen und dem Benutzer zur Auswahl anzubieten, ist sicherlich nicht die schönste User Experience. Beim Erstellen von flexiblen Widgets gilt es zu beachten, dass man lediglich einschränken kann, in welche Richtung (horizontal und/oder vertikal) das Widget vergrößert werden kann, nicht aber in welchen Dimensionen. Daher ist auf maximale Flexibilität beim Layout zu achten. Es empfiehlt sich daher, skalierbare Hintergründe zu verwenden, zum Beispiel Nine Patch Drawables [9]. Des Weiteren lohnt sich ein Blick in das App Widget Templates Pack v.4.0 [10].

Die Action Bar ist ebenfalls bereits seit Honeycomb im Einsatz und löst das klassische Options-Menü sowie die Title Bar von Android 1.x/2.x ab. Hinzu kommt die Möglichkeit, die Action Bar zu „teilen“, woraufhin ein Teil am oberen und ein Teil am unteren Bildrand dargestellt wird.

Spätestens ab Android 4 führt an Fragments kein Weg mehr vorbei. Wer diesem Trend mit der Einführung von Honeycomb noch nicht gefolgt ist, der sollte es jetzt tun: Fragments helfen dabei, die Applikation modularer und flexibler aufzubauen. Während das bei der Entwicklung für kleine Telefondisplays zunächst unsinnig erscheint, erschließt sich der Nutzen spätestens, wenn man für Tablets mehrere Views auf einem Screen darstellen möchte. Fragments helfen hier, die verschiedenen Views inklusive Logik in verschiedenen Layouts wiederverwenden zu können.

In vielen Bereichen von ICS hat die Geste des horizontalen Wischens Einzug gehalten. Nicht nur auf Applikationsebene (z. B. im Launcher, GMail oder Google+), sondern auch in systemnahen Funktionen wie der Notfication Bar oder der Multi-Task-Ansicht kann man mit dieser Geste zwischen verschiedenen Ansichten wechseln oder Einträge entfernen. Das spart UI-Elemente und hält die Benutzerschnittstelle einfach und übersichtlich. So kann man zum Beispiel in einer mit Tabs aufgebauten Anwendung auf die etwas klobig wirkenden Elemente zur Auswahl der Screens verzichten, indem man die Navigation zum Beispiel mit der ViewPager-Bibliothek [11] auf eine effizientere Navigation durch horizontale Gesten umstellt.

Wer schon einmal die Erfahrung gemacht hat, dass ein gewähltes Theme für die Applikation nicht auf allen Geräten gleich aussieht, da der Hersteller Veränderungen vorgenommen hat, wird sich freuen, dass Applikationen ab ICS explizit das Holo Theme wählen können. Google garantiert, dass dieses Theme auf allen Geräten gleich aussieht. Möchte man sich dem Style des Herstellers anpassen, wählt man das voreingestellte Theme.DeviceDefault.

Während der Entwickler bei Honeycomb die Hardwarebeschleunigung für 2-D-Grafik noch einschalten musste, ist sie bei ICS Standard und muss explizit deaktiviert werden. Daher sollte man seine Applikation sehr genau testen und auf Fehler im UI untersuchen, vor allem, wenn man eigene Views verwendet. In Honeycomb ist eine Reihe von Bugs aufgetaucht, zum Beispiel bei der Verwendung von Gradienten, die in ICS hoffentlich behoben sind.

Diese beschriebenen generellen Änderungen sollte man nicht nur bei der Entwicklung von neuen Applikationen bedenken, sondern auch die Gelegenheit nutzen, die schon existierenden Benutzerschnittstellen zu hinterfragen und anzupassen.

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