Android 4.0 Ice Cream Sandwich

ICS für Entwickler: die neuen APIs

Social, People oder Contacts: Gemeint sind die Erweiterungen des bekannten Contacts Provider aus API-Sicht. Erwähnenswert ist hier die Einführung eines „Me“-Profils, das den Benutzer des Gerätes repräsentiert. Des Weiteren gibt es ein API, um bestehende Kontakte zu sozialen Netzwerken einzuladen. Dazu muss die App des Netzwerks auf den neuen INVITE_CONTACT Intent reagieren können.

Mit ICS gibt es endlich ein offizielles Calendar-API. Natürlich konnte man schon vorher direkt auf den ContentProvider zugreifen, allerdings ist diese Methode offiziell nicht unterstützt und somit nicht verlässlich. Der neue Calendar Provider bietet nun einen offiziellen und dokumentierten Zugriff auf Events, Reminder und einiges mehr.

Die erste NFC-Unterstützung hielt mit Android 2.3 Einzug. Speziell die NDEF-relevanten APIs sind mit ICS grundlegend überarbeitet worden. Das Stichwort ist hier „Android Beam“. Wie beim Refactoring üblich fielen einige Methoden in Ungnade und sind jetzt deprecated zum Beispiel in android.nfc.NfcAdapter.

Auch im Multimediaumfeld hat sich einiges getan bei ICS. Das Kamera-API bietet nun Zugriff auf Funktionen zur Gesichtserkennung und erweiterte Möglichkeiten, den Fokus- oder Belichtungsbereich zu wählen. Des Weiteren kann man den Continous Auto Focusing Mode für Fotos wählen, wenn die Hardware das unterstützt.

Video- und Fotoeffekte können auf Basis von OpenGL ES implementiert werden und laufen somit GPU-beschleunigt ab. Des Weiteren verspricht ICS Low-Level-Zugriff auf Audio- und Videostreams über das NDK.

Mit dem neuen VPN API wurden die Optionen für die Integration im Enterprise-Umfeld ergänzt. Hierüber kann der Entwickler neue VPN-Clients implementieren inklusive eigenen Routing-Tabellen und Zugriff auf der Paketebene.

Mithilfe der neuen GridLayout-Klasse (nicht zu verwechseln mit dem bekannten GridView) lassen sich Views einfach in einem Gitternetz anordnen.

Webentwickler werden sich über neue Features im Android-Browser freuen, dazu zählen CSS-3-D-Transformationen, die HTML-Media-Capture-Spezifikation, DeviceOrientation-Events, File API und SVG. Die umfangreichen Erweiterungen am Accessibility API mit neuen Funktionen sollen nicht unerwähnt bleiben. Sie ermöglichen es dem Entwickler, mehr Informationen über seine selbstgeschriebenen Views verfügbar zu machen, um zum Beispiel Screen Readern die Arbeit zu erleichtern. Die Erweiterungen und Änderungen von ICS sind eines der größten Updates in der Geschichte von Android, die Statistik führt allein 1219 API-Änderungen [12] gegenüber der Version 13 (Android 3.2). Nimmt man die Differenz vom letzten Android-Release für Smartphones (Version 10/Android 2.3.4), kommt man auf über 3000 dokumentierte API-Änderungen zwischen einem aktuellen Gerät wie dem Galaxy S II und dem neuen Galaxy Nexus. Mit der Aussicht, dass ICS aller Voraussicht nach auch auf vielen Android-Geräten der aktuellen Generation verfügbar gemacht wird, stehen wir wahrscheinlich vor dem größten Technologiesprung in der noch jungen Android-Historie. Stay hungry, stay foolish.

Dominik Helleberg ist bei der inovex GmbH für die Entwicklung von mobilen Applikationen zuständig. Neben diversen Projekten im JME-, Android- und Mobile-Web-Umfeld hat er den JCP und das W3C bei der Definition von Standards für mobile Laufzeitumgebungen unterstützt.

Christian Meder ist CTO bei der inovex GmbH in Pforzheim. Dort beschäftigt er sich vor allem mit leichtgewichtigen Java- und Open-Source-Technologien sowie skalierbaren Linux-basierten
Architekturen. Seit mehr als einer Dekade ist er in der Open-Source-Community aktiv.

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