Die elastische Wolke

Amazon EC2: Der Cloud-Computing-Ansatz von Amazon

Markus Stäuble

Die meisten verbinden mit Amazon immer noch den Onlinebuchhändler. Durch das stete Wachstum des Unternehmens ist aber auch gleichzeitig die dahinter liegende Infrastruktur gewachsen, welche die Plattform von Amazon antreibt. Hier hat Amazon auch ein Geschäftsfeld entdeckt, nämlich das Vermieten der eigenen Infrastruktur. Ähnlich wie schon bei anderen Plattformen des Cloud Computing wie z.B. Google App Engine und 10gen (wir berichteten), muss sich der Interessierte nicht mehr mit Prozessorlast und Speicherbedarf herumschlagen, sondern dies wird von der Plattform angenommen. Der Name: Amazon EC2.

Amazon EC2 (Elastic Compute Cloud) ist unter dem Dach der Amazon Web Services (AWS) angesiedelt. Diese Seite ist der Einstieg in die Welt der von Amazon zur Verfügung gestellten Dienste. Diese Dienste können als Bausteine (Tabelle 1) für den Betrieb einer großen Internetanwendung eingesetzt werden. Das Besondere an EC2 ist, dass es innerhalb von Minuten möglich ist, die Kapazität an Rechenleistung anzupassen (sowohl zu erhöhen als auch zu verringern).

Tabelle 1: Bestandteile der Wolke
Name des Dienstes Beschreibung
Amazon EC2 Amazon Elastic Compute Cloud (EC2) bildet die infrastrukturelle Basis (Rechenkapazität) der einzelnen Bestandteile.
Amazon SimpleDB Amazon Simple DB ist eine Web Service, um auf strukturierte Daten zugreifen zu können. Die Daten werden automatisch indexiert und ein Schema ist nicht notwendig. Für den Zugriff steht eine einfache API zur Verfügung.
Amazon S3 Amazon Simple Storage Service (S3) stellt einen riesigen Datenspeicher im Internet dar. Dieser kann über eine einfache Web Service Schnittstelle angesprochen werden.
Amazon SQS Amazon Simple Queue Service (SQS) ist ein Messaging System, um Daten zwischen verteilten Komponenten austauschen zu können.

Um die AWS nutzen zu können, muss zunächst ein Account angelegt werden. Die Verwendung der Dienste selbst ist nicht kostenfrei, sondern muss nach wirklicher Nutzung bezahlt werden. Beim Preismodell kommt man nun aber doch etwas mit der Infrastruktur in Berührung. Denn hier muss für EC2 z.B. entschieden werden, welche Ausführung an darunter liegender Hardware gewünscht wird. Bezahlt wird auf Stunden genutzter Rechenzeit.

Was mache ich nun damit?

Um einen ersten Schritt mit Amazon EC2 machen zu können, ist die Dokumentation ein guter Einstieg. Technisch wird für den Start ein SSH Client und ein JRE der Version 5 oder höher benötigt. Die Daten für Amazon EC2 werden innerhalb von Amazon S3 abgelegt. D.h. es werden zunächst Accounts für beide Systeme benötigt. Nun müssen die auf Kommandozeilen-basierten Tools heruntergeladen werden. Um eine eigene Anwendung innerhalb von Amazon EC2 ablaufen lassen zu können, muss ein Image der Anwendung erzeugt werden. Dieses Image ist im AMI (Amazon Machine Image) Format zu erzeugen. Nach dem Upload steht einem ersten Start nichts mehr im Wege, die genauen Schritte sind der Dokumentation zu entnehmen. Erwähnenswert ist, dass bereits ein Plug-in für den Firefox existiert, um mit Amazon EC2 zu interagieren. Der Name lautet Elasticfox (Abb. 1).

Abb. 1: Elasticfox: Firefox-Plug-in für EC2

Neben der Dokumentation existiert der Amazon Web Services Blog, der eine gute Anlaufstelle für Themenstellungen um die Wolke der aufgeführten Dienste ist.

Die Wolke mit Wachstumspotenzial

Wer kennt nicht die Werbeanzeigen der unzähligen Hostinganbieter, die einen Server mit entsprechender Ausstattung für die eigene Anwendung anbieten. Der Nachteil dieser Lösungen ist aber, dass man vorher eine Abschätzung machen muss, um ein grobes Gefühl zu bekommen, welche Hardwarekapazität für das eigene Angebot notwendig ist. Denn man möchte zukünftige Anwender nicht durch niedrige Performance verprellen. Diese Abschätzung ist aber zum Start eines neuen Angebots oft sehr schwierig. Eine Lösung dieses Dilemmas kann eine Lösung sein, wie diese durch Amazon EC2 angeboten wird. Denn durch die Möglichkeit einer bedarfsgerechten Anpassung der Rechenleistung können die Spitzen der Verwendung sehr schnell abgefangen werden. Amazon EC2 in Verbindung mit S3 und SQS stellt ein solides Fundament dar. Die Frage, ob man sich nun auf die Wolke von Amazon traut, muss jeder für sich selbst beantworten. Vielleicht helfen dabei ein wenig die aufgeführten Beispiele von Anwendungen, die sich bereits in der Wolke befinden. Auf der Wolke ist noch genug Platz, denn sie ist ja elastisch!

Markus Stäuble ist CTO (Head of Technology) bei namics (deutschland) GmbH, einem führenden IT- und Web-Dienstleister. Darüber hinaus ist er freier Autor von Fachartikeln.
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Markus Stäuble
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