Allianz für das Industrial Internet, Drohnen aus Plastik, Global IoT Day [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Industrial Internet Consortium gegründet – 3-D-Druck-Innovationen rufen Bedenkenträger auf den Plan – Britische Forscher entwickeln 3-D-gedruckte Drohne – 9. April: weltweiter IoT Day – Kickstarter-Projekt: Drohne aus Lego-Steinen

Neues Bündnis fürs IoT: Silos adé?

Im jungen IoT-Universum bilden sich immer mehr Galaxien, z. B. die Eclipse IoT Working Group, die M2M Alliance, die AllSeen Alliance oder das neulich geschlossene Bündnis zwischen eco und M2M Alliance. Planeten, die allein um sich selbst kreisen, sind in diesem boomenden Industriezweig selten geworden. Auch auf politischer Ebene übt man den Schulterschluss: Wie wir berichteten, schlug der britische Premier David Cameron Angela Merkel auf der diesjährigen CeBIT eine Symbiose aus britischen und deutschen Königsdisziplinen vor, um den Herausforderungen des IoT begegnen zu können.

Vergangenen Donnerstag kündigten mit AT&T, Cisco, General Electric, IBM und Intel fünf große IoT-Player ein neues Bündnis an. Der Name „Industrial Internet Consortium“ (IIC) deutet darauf hin, dass der US-amerikanische Konzern General Electric, Urheber des Begriffs „Industrial Internet“, in diesem Gespann den Ton angeben wird. Die Mission der fünf laut Pressemitteilung: Technologiesilos den Garaus machen und die Verbindung der physischen mit der digitalen Welt vereinfachen. Klingt erst einmal ziemlich allgemein und vertraut – ähnliche Anliegen verfolgen schließlich auch die anderen IoT-Ökosysteme, die sich dieser Tage formieren. Auch in der weiteren Ausführung wird es wenig konkreter: bestehende Technologien verwenden, neue erfinden, Testumgebungen erstellen, Best Practices austauschen, Referenzarchitekturen  und gemeinsame Standards kreieren usw.

Daraus, dass sich die Strategien der bisher entstandenen Konsortien nicht wesentlich unterscheiden, lässt sich folgern, dass das „Was“ in diesen IoT-Galaxien derzeit weniger zur Sache tut ist als das „Wer“, genauer: das „Wer mit wem“. Ginge es einzig und allein um die immer ähnlich formulierten Ziele, hätte sich womöglich längst ein einziger, globaler IoT-Verband gegründet. Die derzeitige Blockbildung wird manch einen Open-Source-Verfechter die Stirn runzeln lassen, ist sie doch ein Garant für so manches neu erfundene Rad und den einen oder anderen Lock-in-Effekt. Andererseits kann Innovation wohl kaum ohne Wettbewerb gelingen. Vor dem eigentlichen Match um Marktanteile geht es zunächst einmal um Muskelspiele und Mannschaftsaufstellungen. Wessen Standards, Implementierungen und Best Practices letztendlich das Attribut „global“ für sich beanspruchen dürfen, wird sich erst im Laufe des Gefechts herausstellen. Mögen die IoT-Spiele beginnen!

3-D-Druck: Viel Hype, viel Zündstoff

Es gibt Technologien, die zielsicher juristische Grauzonen ansteuern. Lieferdrohnen zum Beispiel. Der anhaltende Streit um die „Bier-Drohne“ im US-Bundesstaat Wisconsin ist symptomatisch für den breiten Katalog an Problemfeldern, der die Freude über bahnbrechende Innovationen ein wenig trübt. Nicht weniger brisant sind die möglichen Gefahren von Open Hardware und 3-D-Druck, die spätestens vor einem Jahr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückten. Damals sorgte die 3-D-druckbare Waffe „Liberator“ für heftige Diskussionen. In letzter Zeit überschlagen sich zwar die positiven Ereignisse; allein in der vergangenen Woche kursierten Meldungen über Errungenschaften wie 3-D-gedruckte Schädeldecken, Cochlea-Implantate oder das 3-D-gedruckte Haus in Amsterdam im Netz. Allerdings rufen diese rasanten Fortschritte einer Technologie, die wahlweise als „disruptiv“, „Leap-Frog“-Wegbereiterin (Matternet) oder Treiberin der nächsten industriellen Revolution (Barack Obama) bezeichnet wird, auch Bedenkenträger auf den Plan.

Die potentiellen negativen Auswirkungen nimmt Lyndsey Gilpin von Techrepublic unter die Lupe. Der hohe Energiebedarf, die toxischen Emissionen und die Verwendung gesundheitsschädigender Plastikstoffe machen 3-D-Druck ihrer Darstellung nach zur Umweltsünde und Gefahr für den menschlichen Organismus. Zudem wirft sie rechtliche und moralische Fragen auf: Welche medizinethischen Konsequenzen wird das Drucken von organischem Material (Bioprinting) haben? Wer schützt die Inhaber geistigen Eigentums vor Piraterie? Wer trägt die Verantwortung bei Rechtsverstößen, die durch 3-D-gedruckte Waffen geschehen – der Waffenbesitzer, der Hersteller oder der Vermarkter? Gefährdet 3-D-Druck gar die nationale Sicherheit?

Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. Und so melden sich auch Kommentatoren zu Wort, die optimistische Töne anschlagen. Dass die Gesetzgebung dem technologischen Fortschritt hoffnungslos hinterherhinkt, sieht etwa das libertäre Reason Magazine gelassen: Die Möglichkeit, Gebrauchsgegenstände passgenau dem eigenen 3-D-Drucker zu entlocken, werde die Macht des Staates früher oder später ohnehin erodieren. Denn: 3-D-Druck werde das Konsumverhalten grundlegend verändern, große Einzelhändler und Offshore-Fertigungsbetriebe schwächen und zu einer dezentralen, lokalen Fertigung und Peer-to-Peer-Handel führen – was im Übrigen auch den Zielen von DIY- oder Open-Hardware-Projekten wie „Open Source Ecology“ entspricht. „Without big business, big government can’t function“, so der Autor.

Wie so oft im Angesicht bahnbrechender Innovationen wird sich die Mainstream-Meinung zum Thema 3-D-Druck vermutlich irgendwo zwischen gefahrenblindem Zukunftsoptimismus und der archetypischen Angst vor dem Frankenstein-Monster einpendeln. Auch dürfte das, was Eric Schmidt und Jared Cohen in ihrem Buch „The New Digital Age“ anraten, immer relevanter werden:

The central truth of the technology industry — that technology is neutral but people are not — will periodically be lost amid all the noise. But our collective progress as citizens in the digital age will hinge on our not forgetting it.

3-D-gedruckte Drohne

Wir bleiben beim Thema 3-D-Druck. Und beim Thema Drohnen. Einer Gruppe von Ingenieuren am Advanced Manufacturing Research Centre (AMRC) im englischen Sheffield ist es gelungen, eine Drohne per 3-D-Druckverfahren herzustellen, genauer: per Schmelzschichtung (Fused Deposition Modeling). Bei dieser Methode wird Kunststoff geschmolzen und Schicht für Schicht aufgetragen. Normalerweise erfordert dieses Druckverfahren Stützmaterial, um das Fabrikat zu stabilisieren. Dadurch fallen zusätzliche Materialkosten an. Die britischen Ingenieure entwarfen allerdings ein für diesen Fall optimiertes Design, was einen Verzicht auf Stützmaterial ermöglicht. Der Drohnenkörper besteht insgesamt aus neun Teilen, die allesamt gedruckt werden können. Nach dem erfolgreichen Testflug (s. Video) feilt das Team weiter an der Technologie. Zu den geplanten Features zählt u.a. ein interner Datenspeicher und die selbstständige Navigation per GPS.  

9. April: Global Internet of Things Day

Zum vierten Mal wurde der 9. April zum weltweiten Internet of Things Day erklärt. Der Think Tank IoT Council, die Plattform und Community Postscapes und der Cloud-Anbieter Zatar sind die diesjährigen Veranstalter. Weltweit finden kommenden Mittwoch zahlreiche Veranstaltungen rund um das Internet der Dinge statt, die allesamt auf der Website iotday.org aufgeführt sind. In Berlin lädt die Fachgruppe Kommunikation und Verteilte Systeme (KuVS) der Gesellschaft für Informatik und der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) zu einem Expert Talk im Institut Fraunhofer FOKUS ein. Mit von der Partie sind u. a. Jürgen Hase (Deutsche Telekom) und Roland Elsner (Telefónica).

Wer kein Meetup bei sich in der Nähe hat, kann auch an der Webkonferenz IoTLive.org der Eclipse IoT Community teilnehmen, die am Nachmittag des 9. April stattfindet. Zu den Referenten zählen Trevor Harwood, (Gründer von Postscapes), Daniel Friedman (Gründer und CEO von Ninja Blocks), Dirk Slama (Bosch), Bernd Heinrichs (Cisco). Diskutiert werden die Themenfelder Offene Hardware, Offene Software, IoT-Standards –Protokolle, IoT im Unternehmen („Connecting to the Enterprise“) und IoT-Business. Um das Event zu verfolgen, kann man sich per Google Hangout hinzuschalten. 

Internet of Things ConferenceVom 1.-3. September findet in Berlin erstmalig die Internet of Things Conference statt. Im dreitägigen Programm dreht sich alles um eingebettete Software-Entwicklung, M2M-Kommunikation und das Internet der Dinge. Noch bis 22. April können unter http://iotcon.de/2014/cfp Konferenz-Talks eingereicht werden.

Lego-Drohne

Wer keinen 3-D-Drucker sein eigen nennt, aber unbedingt selbst eine Drohne bauen möchte, kann auch auf Legosteine zurückgreifen, wie unser Crowdfunding-Projekt der Woche zeigt. Das BrickDrones-Projekt wurde 2012 in Tampa, Florida, gestartet. Die Flieger bestehen fast komplett aus Legosteinen und werden mit einer GoPro-Kamera ausgestattet, die die Signale an eine Videobrille weiterleitet. So kann die Drohne im First-Person-View-Modus (FPV) gesteuert werden.

Zugegeben: Das amateurhafte, wenig erklärende Demovideo mit der Warteschleifen-Musik ist nicht gerade imagefördernd. Und erst ganz unten auf der Seite erfährt man den Namen des Projekts und dessen Domain BrickDrones.com. Der pädagogische Ansatz und das individuelle Drohnendesign könnten den einen oder anderen potentiellen Geldgeber allerdings durchaus noch begeistern. Noch sind erst 10% des Finanzierungsziels erreicht, aber die Kampagne läuft noch 23 Tage.

 

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