Enterprise-Applikationen ins Cloud-Computing bringen

Alles in der Cloud

Joachim Blome, technischer Leiter bei Micro Focus in Dortmund

Mit Cloud-Computing können Unternehmen IT-Leistungen ohne Bereitstellung eigener Ressourcen nutzen. Allerdings ist es nicht trivial, vorhandene Enterprise-Applikationen via Internet anzubieten. Neue Lösungen erlauben es, Applikationen ohne Code-ÄnÃ82ACderung ins Cloud-Computing zu übertragen.

Seit Jahren stöhnen die Unternehmen unter der wachsenden Komplexität ihrer IT-Systeme. Heterogene Infrastrukturen, immer neue Gerätetypen, explodierende Datenmengen, zugleich schnell wechselnde Anforderungen und ein enger werdendes Netz von Vorschriften und Regelungen belasten die Effizienz der IT in hohem Maße. In dieser Situation kommt ein neues Paradigma für die Nutzung der IT wie gerufen: Nach dem in den 60er- und 70er-Jahren entstandenen Großrechnerbetrieb, dem Aufbau unternehmenseigener Rechenzentren in den 80er und 90er Jahren und dem Outsourcing der Jahrtausendwende ist mit Cloud-Computing gerade eine neue Art der IT-Nutzung dabei, sich zu etablieren.

Cloud-Computing erlaubt es Unternehmen, via Web auf externe IT-Ressourcen, wie Speicherplatz, Rechenzeit, Datensicherung, Applikationen und IT-Dienstleistungen zuzugreifen. Sie müssen dabei keine eigenen Kapazitäten aufbauen und vorhalten, sondern können die benötigten Leistungen zu genau definierten Kosten nutzen. Die Abgrenzung zwischen Cloud-Computing und Software as a Service (SaaS) ist dabei nicht immer einheitlich; üblicherweise werden beim Cloud-Computing die Ressourcen in den Mittelpunkt gestellt, wie beispielsweise bei Amazon Elastic Compute oder demnächst bei Microsoft Azure. Bei SaaS, als Untermenge des Cloud-Com¬pu¬ting, geht es dagegen mehr um die als Service angebotenen Funktionalitäten von Applikationen, beispielsweise für CRM von Salesforce.com oder Web-Konferenzen von Cisco WebEx. Infrastruktur-Ser¬vices lassen sich in dieser Sicht ebenfalls als Untermenge des Cloud-Computing unter Plattform as a Service (PaaS) erfassen.

Gleich auf welche Weise Cloud-Computing verwendet wird, für Unternehmen, die es nutzen, liegen die Vorteile auf der Hand: Sie müssen keine Investitionen vornehmen, es werden daher weder Kapital oder Kreditlinien noch Liquidität gebunden. Da die Abrechnung nutzungsorientiert erfolgt – „Pay-As-You-Use“ -, sind die Kosten einigermaßen genau kalkulierbar. Es ist kein Administrations-, Implementierungs- oder Konfigurationsaufwand erforderlich und es muss auch kein entsprechendes Know-how aufgebaut werden. Die Anwender erhalten vom Provider ein komplettes Dienstleistungspaket mit Bereitstellung, Betrieb und Wartung. Schließlich sind derartige Lösungen sehr gut skalierbar, dafür genügt in der Regel ein Anruf beim Provider – gerade in Zeiten mit unsicherer wirtschaftlicher Entwicklung ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Aber auch Unternehmen mit stark ausgeprägter saisonaler Beanspruchung der IT, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft, können so hohe Flexibilität bei überschaubarem Aufwand erreichen.

Sicher werden die meisten Unternehmen nicht zu Gunsten des Cloud-Computing ganz auf ihre IT verzichten wollen, schließlich ist die IT auch ein Wettbewerbsfaktor, zumindest sollte sie das sein. Aber in der IT laufen heute nicht nur wettbewerbsrelevante Prozesse, sondern darüber hinaus viele alltägliche, die heute keinem Unternehmen mehr einen USP verschaffen. Wettbewerbsneutrale Aufgaben wie E-Mail-Management, Spam-Filter, Web-Con¬ferencing oder Gehaltsabrechung erledigen Spezialisten einfach besser. Und für viele Aufgaben lohnt es sich nicht, eigene Ressourcen aufzubauen und zu unterhalten, beispielsweise Rechenkapazitäten für Spitzenzeiten oder auch IT-Systeme für Schulungen. Mittelfristig wird Cloud-Compu¬ting aber über Basisfunktionalitäten hinausgehen und durchaus auch unternehmenskritische Aufgaben übernehmen. Derzeit liegt die garantierte Verfügbarkeit im Cloud-Computing allerdings noch deutlich unter dem Niveau, das für solche Anwendungen auf eigenen Systemen üblich ist.

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Joachim Blome, technischer Leiter bei Micro Focus in Dortmund
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