Algorithmus-gestützt zum perfekten Team?

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Rawpixel.com

Damit ein Team möglichst gute Ergebnisse abliefert, ist nicht nur fachliche Kompetenz gefragt, vielmehr muss auch die persönliche Chemie zwischen den einzelnen Mitarbeitern stimmen. Doch wie kann letzteres am besten abschätzen? Das Startup Saberr meint: mathematisch! Der Saberr-Algorithmus ist offenbar in der Lage, präzise Informationen darüber zu liefern, wie gut die einzelnen Mitglieder eines Teams miteinander auskommen werden – Online-Dating sei Dank.

Dass Menschen, die auf persönlicher Ebene gut miteinander auskommen, in der Regel auch besser zusammenarbeiten also solche, die sich auf den Tod nicht ausstehen können, kann man wohl getrost unter der Rubrik „Allgemeinwissen“ einsortieren. Doch wie herausfinden, ob ein neuer Bewerber zur Unternehmenskultur passt und wie er sich voraussichtlich in ein gegebenes Team einpassen wird?
Um die rein fachliche Kompetenz zu erheben, steht HR-Mitarbeitern ein breites Methodenrepertoire zur Verfügung. Bei den persönlichen Kompetenzen sieht die Sachlage schon bedeutend komplizierter aus – selbst dann, wenn möglicherweise bestehende Animositäten des Personalers das Ergebnis nicht von vornherein verfälschen. Hier möchte das Londoner Startup Saberr Abhilfe schaffen.

Die Grundlagen

Die Saberr-Gründer Sam Mead und Alistair Shepherd durchforsteten einst Online-Dating-Portale, um denjenigen Faktoren auf die Schliche zu kommen, die am ehesten eine erfolgreiche Verkuppelung versprechen. Die so erhobenen Muster kombinierten sie mit Erkenntnissen der Persönlichkeitsforschung, darunter das als anerkanntes Standardmodell geltende Fünf-Faktoren-Modell (FFM). Heraus kam dabei ein allgemeines Kompatibilitätsmodell – und der Saberr-Algorithmus.

Das Verfahren

Im Zentrum der Saberr-Lösung steht ein 70 Fragen umfassender Fragebogen, der Auskunft über Schlüsselfacetten des Charakters der Mitarbeiter geben soll. In einem ersten Schritt wird dieser Fragebogen von allen Mitarbeitern eines Unternehmens ausgefüllt, wobei sie die Fragen, je nachdem wie wichtig ihnen ein bestimmter Aspekt ist, unterschiedlich gewichten können. Basierend auf seinen Antworten wird  jedem Mitarbeiter am Ende des Fragenmarathons ein bestimmter Punktewert zugewiesen (z. B. in Kategorien wie „Kreativität“).

In einem zweiten Schritt beantworten potentielle Mitarbeiter im Zuge ihres Bewerbungsverfahren den selben Fragebogen, worauf hin der Saberr-Algorithmus die erreichten Punktwerte sowohl mit denjenigen der Gesamtorganisation, als auch denjenigen der Teammitglieder, die künftig unmittelbar mit dem Bewerber zusammenarbeiten würden, vergleicht. Je höher die Übereinstimmung des Scores, desto besser.

Bleibt natürlich die Frage, ob diese mathematisch gestützte Bewerberauswahl in der Realität tatsächlich zu harmonischeren Teams führt. Die auf der Saberr-Homepage aufgeführten Fallstudien, die in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen entstanden, scheinen allerdings darauf hinzuweisen, dass der Ansatz durchaus valide ist – vorausgesetzt natürlich, dass alle beteiligten Parteien bei der Beantwortung der Fragen ehrlich bleiben …

Aufmacherbild: Diverse and Casual People and Togetherness Concept von Shutterstock / Urheberrecht: Pavel Ignatov

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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