Kolumne: Mobile Welten

Aktuelle Trends bei mobilen Plattformen

Kay Glahn
Massensterben der Plattformen

Die Konzentration auf einige wenige Plattformen hat aber auch ein Massensterben bei den übrigen mobilen Plattformen zur Folge. Besonders dramatisch ist die Situation bei BREW. Die in Europa nie besonders erfolgreiche Plattform hatte in anderen Teilen der Welt bisher einen erheblichen Stellenwert. Doch nun planen 60 Prozent der befragten Entwickler, die Plattform aufzugeben. Auch 49 Prozent der Bada-Entwickler wollen keine Apps mehr für die Plattform entwickeln. Die Bada-Plattform, die auch als Samsungs Druckmittel gegen Google gehandelt wird, werde somit die Verhandlungsposition erheblich schwächen. Auch für die BlackBerry-Plattform, die von 41 Prozent der Entwickler aufgegeben wird, sieht es nicht gerade rosig aus. Dabei ist BlackBerry immer noch die Plattform, die am meisten Einnahmen auf Entwicklerseite generiert. BlackBerry-Entwickler verdienen im Durchschnitt 3900 US-Dollar pro App im Monat und liegen damit vier Prozent über den iOS-Entwicklern, die wiederum 35 Prozent mehr als Android-Entwickler mit ihren Apps einnehmen.

Auch die Java-ME-Plattform ist dabei, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, da sie Jahr für Jahr rund 11 Prozent an Developer Mindshare verliert. Allein im Feature-Phone-Bereich ist die Plattform noch stark, aber das Fehlen eines global verfügbaren einheitlichen App Stores macht es der Plattform so gut wie unmöglich, mit den übrigen Ökosystemen zu konkurrieren. Zurzeit wird Java ME laut dem Report lediglich noch durch die Emerging Markets gestützt und der Tatsache, dass die Zahl der Entwickler, die Java ME unterstützen, schneller abnimmt als die Nachfrage nach Apps. Ein Crash sei aber unvermeidbar. Selbst die vielen Vorteile, wie die schnelle Entwicklungszeit von Java-ME-Apps, mit der die Plattform im Vergleich an zweiter Stelle nach BlackBerry liegt, können daran nichts mehr ändern (Abb. 2).

Abb. 2: Die Top 10 der Plattformen, die Entwickler in Zukunft nicht mehr unterstützen wollen (Quelle: Vision Mobile, Developer Economics 2012)
Keiner ist perfekt

Aber auch bei den Gewinnern der Konsolidierung ist nicht alles Gold was glänzt. So ist beispielsweise die Entwicklung von iOS-Apps überdurchschnittlich teuer, die Kosten für eine durchschnittliche iOS-App betragen gut 27 000 US-Dollar. Sie sind damit 21 Prozent höher als die einer Android-App und sogar 81 Prozent teurer als die einer durchschnittlichen BlackBerry-App. Dies hänge auch mit der flachen Lernkurve von Objective-C sowie den Anschaffungskosten für einen Mac zusammen, der für die iOS-Entwicklung erforderlich ist.

Bei Android werden nur geringe Einnahmen für Entwickler generiert, denn obwohl Google Play inzwischen in vielen Ländern kostenpflichtige Apps anbietet, gibt es nur relativ wenige Android-Benutzer, die ihre Kreditkartendaten hinterlegt haben. Im Gegensatz zu iOS, wo bereits seit 2008 bei der Anmeldung die Kreditkartendaten abgefragt werden, stellt dies eine erhebliche Hürde beim Kauf von Apps dar. Erst mit Android 4.0 verlangt auch Google die Kreditkartendaten bereits bei der Registrierung des Gerätes. Auch das Thema Fragmentierung wirkt sich negativ auf die Kosten für Android-Entwickler aus. Neben den verschiedenen Versionen von Android kommt auch die große Anzahl unterschiedlicher Geräte hinzu, die den Entwicklern zu schaffen machen. Gemäß den von der App OpenSignalMaps ermittelten Daten sind bei Android fast 600 Gerätemodelle und 4000 Gerätevarianten auf dem Markt. Eine solche Anzahl von Geräten macht das Portieren, Testen und Debuggen für den Entwickler zum Alptraum, da er wohl kaum in der Lage ist, all diese Geräte vorzuhalten.

Trotz der Dominanz von iOS und Android gibt es regionale Ausnahmen. So ist Java ME bei Entwicklern in Afrika die zweitwichtigste Plattform gleich nach Android, was die große Anzahl an Low-cost-Feature-Phones auf diesem Markt widerspiegelt. In Südamerika hingegen hat das mobile Web eine größere Verbreitung als in jeder anderen Region der Welt. Es wird hier vor allem eingesetzt um Feature Phones zu adressieren. Im Gegensatz zum Rest der Welt werden in Südamerika auch noch Symbian- und BlackBerry-Geräte in großen Mengen verkauft. Auffällig ist auch, dass in Europa und Nordamerika iOS als Hauptentwicklungsplattform bevorzugt wird, während in Asien, Afrika und Südamerika Android das Feld anführt.

Fazit

Die lang erwartete Konsolidierung bei den mobilen Plattformen ist nun in vollem Gange und zumindest im Moment deutet alles darauf hin, dass neben iOS und Android auch noch Windows Phone und das mobile Web als Sieger aus dem Rennen hervorgehen werden. Denn wesentlich wichtiger als die kurzfristigen Monetarisierungsmöglichkeiten scheint für Entwickler die Anzahl der Benutzer einer Plattform zu sein, die ein langfristiges Investment in entsprechende Apps erst rentabel macht, selbst wenn zum aktuellen Zeitpunkt die Verdienstmöglichkeiten noch beschränkt sind. Das wichtigste Kriterium der Entwickler für die Wahl der Plattform ist und bleibt, wie sie die meisten Benutzer am kosteneffizientesten erreichen können.

Kay Glahn ist unabhängiger Technologieberater mit den Schwerpunkten mobile Applications und Services. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.
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Kay Glahn
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