Kolumne: Mobile Welten

Aktuelle Trends bei mobilen Plattformen

Kay Glahn

Vision Mobile hat wieder einmal eine großangelegte Umfrage unter Entwicklern mobiler Apps durchgeführt und dabei interessante Ergebnisse zu Tage gefördert, die im Developer Economics 2012 Report [1] veröffentlicht wurden. Demnach wurde in diesem Jahr ein neues Zeitalter eingeläutet, denn während 2011 Entwickler vor allem mit neuen mobilen Plattformen experimentiert haben, hat im Laufe dieses Jahres bereits eine Konsolidierung stattgefunden, bei der die beiden Platzhirsche iOS und Android als Gewinner hervorgehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der so genannte Developer Mindshare, mit dem die Attraktivität von mobilen Plattformen bei Entwicklern gemessen werden soll, für Android mit 76 Prozent und für iOS mit 66 Prozent neue Allzeithochs erreicht, wohingegen andere Plattformen wie BlackBerry, BREW und Bada klar an Attraktivität bei Entwicklern eingebüßt haben.

Dass Entwickler genug vom Experimentieren haben und sich nun auf die wenigen wirklich relevanten Plattformen konzentrieren, offenbart auch die Tatsache, dass noch im Jahr 2011 Entwickler im Durchschnitt für 3,2 verschiedene mobile Plattformen entwickelt haben und dieser Wert inzwischen auf 2,7 gesunken ist. Auch der so genannte Intentshare-Index, der messen soll, wie viele Entwickler planen, eine Plattform in Zukunft erstmals zu unterstützen, ist für die meisten Plattformen gesunken. Ausnahmen bilden hierbei allerdings Microsofts Windows Phone Platform sowie das mobile Web, die offensichtlich viele Entwickler für erfolgsversprechend halten.

Interessant ist auch, dass im Gegensatz zum letzten Jahr immer mehr mobile Entwickler auch Tablets adressieren. Denn während 2011 lediglich gut ein Drittel der Entwickler Applikationen für Tablets entwickelt hat, sind es inzwischen schon mehr als die Hälfte. Bei den iOS-Entwicklern sind es sogar bereits fast drei Viertel. Auffallend ist auch, dass sich an weitere erfolgsversprechende Geräte wie Smart-TVs und Spielekonsolen bisher lediglich 10 Prozent der mobilen Entwickler heranwagen.

Facebook als Konkurrenz zum Web

Eine andere wichtige Schlussfolgerung aus der Umfrage ist, dass das mobile Web endlich zur Realität wird. Obwohl es im Gegensatz zum Vorjahr leicht an Attraktivität verloren hat, liegt es beim Developer Mindshare mit 53 Prozent auf Platz drei gleich hinter Android und iOS. Das macht aber auch deutlich, dass die Hypephase um das mobile Web nun vorbei ist und dass es jetzt um den realen Nutzen dieser Plattform geht. Genau hier konnten aber die utopischen Versprechen nicht wirklich eingelöst werden. Entwickler haben vor allem mit der Fragmentierung, mit Performanzbeschränkungen sowie mit dem Fehlen von Distributions- und Monetarisierungskanälen zu kämpfen. Konkurrenz bekommt das mobile Web von ganz unerwarteter Seite. Denn laut Vision Mobile kristallisiert sich Facebook als das neue Web heraus. Mit einer eigenen Anwendungsplattform sowohl für das mobile Web als auch für iOS und Android ist Facebook dabei, zur Plattform der Plattformen zu werden, indem es Entwicklern einen einheitlichen Ansatz zum Veröffentlichen, Promoten, Verteilen und Abrechnen von mobilen Apps anbietet. Hiermit können 900 Millionen aktive Benutzer direkt adressiert und ein einheitlicher Billing-Mechanismus angeboten werden, der Webentwicklern bisher zumeist vorenthalten blieb. Hierbei kommen Facebook Credits zum Einsatz, die direkt über die Mobilfunkrechnung bezahlt werden können. Dieses Verfahren wird inzwischen von über 60 Mobilfunkbetreibern weltweit unterstützt. Eine wichtige Funktion ist auch, dass Apps über die Timeline und über Notifications gefunden werden können. Laut Facebook hat man allein im März dieses Jahres 160 Millionen Nutzer auf Seiten von mobilen Apps weitergeleitet.

Obwohl im ersten Quartal 2012 Windows Phone mit lediglich 2,6 Millionen verkauften Geräten eher enttäuscht hat, steht die Plattform bei Entwicklern hoch im Kurs. 57 Prozent der befragten Entwickler planen, in Zukunft die Windows-Phone-Plattform zu unterstützen. Aus diesem Grund bezeichnet der Vision Mobile Report die Plattform auch als „The new Cool“. Damit das Interesse der Entwickler allerdings aufrechterhalten werden kann, ist eine schnelle Marktverbreitung der Plattform unausweichlich. Als eines der Haupthindernisse auf Entwicklerseite wird die fehlende Tool-Unterstützung für Mac OS genannt, die für viele iOS- und Webentwickler, die oft ausschließlich Mac-Rechner einsetzten, eine zusätzliche Eintrittsbarriere darstellt. Interessant ist auch, dass relativ viele Windows-Phone-Entwickler auf die finanzielle Unterstützung von Microsoft und Nokia hoffen, die mit entsprechenden Mitteln die Entwicklung von Windows-Phone-Anwendungen fördern (Abb. 1).

Abb. 1: Der Developer-Intentshare-Index gibt an, welche der Top-8-Plattformen Entwickler in Zukunft planen zu unterstützen (Quelle: Vision Mobile, Developer Economics 2012)
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Kay Glahn
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