Best Practices für Developer

4 Best Practices, um User-Feedback sinnvoll in den Entwicklungsprozess einfließen zu lassen

Maxson Tee

© Shutterstock / Rawpixel.com

Immer häufiger setzen Developer auf Agilität und mehrere Entwicklungszyklen, um schnell ein Produkt auf den Markt zu bringen. Dabei ist es entscheidend, die Rückmeldung von Nutzern einzuholen, um das Produkt zu optimieren, Erwartungen zu erfüllen und Schwachstellen frühzeitig zu schließen.

Viele Unternehmen sind bei der Forschung und Entwicklung bereits im Dialog mit ihren Kunden und lassen sich von deren Ideen und Anregungen inspirieren. Beispielsweise können LEGO-Fans über die Seite LEGO Ideas eigene Designs entwerfen, die LEGO bei entsprechender Unterstützung durch die Community prüft und gegebenenfalls in die Produktion aufnimmt. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Die Unternehmen erkennen schneller und besser die Vorlieben und Bedürfnisse ihrer Kunden und können in die richtige Richtung weiterarbeiten, anstatt Ressourcen in Features zu investieren, die vielleicht kaum genutzt würden. Das bringt die Unternehmen ihren Zielgruppen näher und stärkt Kundenbindung, Markentreue und Engagement.

Diese positiven Effekte lassen sich auch auf die Softwareentwicklung übertragen, vor allem da Produkte heute in agilen Prozessen immer schneller und in immer besserer Qualität verfügbar sein müssen. Darum lösen DevOps-Konzepte konventionelle Entwicklungsmodelle zunehmend ab, benötigen aber zahlreiche Prozessoptimierungen. Daher kann man immer häufiger der Trend zum Shift Left beobachten, also zum möglichst frühen Testen und zyklischen Entwickeln. Entscheidend bei dieser Vorgehensweise ist eine sehr gute Kooperation von Developern, Testern, Product Ownern und Business-Analysten. Damit in dieser Gemengelage Entwickler zielgerichtet arbeiten können und nicht an der Fülle der Resonanzen zu ersticken drohen, sind gut funktionierende Workflows und Feedbacksysteme der Schlüssel zum Erfolg. Vier Best Practices haben sich in meinem Entwicklerteam bei Finastra, wo wir Anwendungen für den Finanzbereich entwickeln, besonders bewährt.

Pufferzone: Business-Analysten vermitteln zwischen Usern und Entwickeln

Wir versuchen, in jeder Testphase die Kommunikation mit den Nutzern so offen wie möglich zu gestalten. Dabei haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, einen speziellen Ansprechpartner, etwa einen Business-Analysten, zu etablieren. Er fungiert als Bindeglied zwischen Usern und Entwicklern, definiert Ziele und kann rechtzeitig Problematiken erkennen. Dafür sammelt, strukturiert und priorisiert er einerseits das Feedback der User. Andererseits kann er den Nutzern erläutern, welche Punkte beispielsweise bei einer Banking-App realisierbar sind und welche Schwierigkeiten bereiten könnten. Auf diese Weise kann der Business-Analyst Erwartungen managen sowie das User-Feedback vorfiltern und eine Strategie für die Realisierung kreieren, während das Developer-Team sich direkt auf die Entwicklung der wesentlichsten Features konzentrieren kann. Das spart wertvolle Zeit und Ressourcen, damit wir schneller valide Ergebnisse erlangen.

Wichtig ist, Business-Analysten von Beginn an einzubeziehen. Denn häufig kommen sie erst an Bord, wenn der Entwicklungsprozess schon in vollem Gange ist und bereits Probleme im Austausch mit den Usern aufgetreten sind. Unter diesen Umständen ist es selbst für erfahrene Business-Analysten schwierig, die Anforderungen von Usern und Entwicklern in Balance zu bringen.

Community-Gruppen: User helfen Usern

Wenn viele Nutzer an unterschiedlichen Standorten oder von verschiedenen Organisationen verteilt testen, ergibt es Sinn, Collaboration-Tools einzurichten. Das können zum Beispiel geschlossene Chatgruppen oder Nutzerforen sein. Über die Foren kann man das Feedback auch gleich vorsortieren und bündeln, sodass Fehler oder Feature-Wünsche nicht unnötig vielfach reportet werden. Developer können sich auf diese Weise besser auf die Entwicklung konzentrieren, ohne ständig aktiv Feedback einholen zu müssen. Gleichzeitig gibt die lebhafte Beteiligung an Diskussionen einen Einblick, welche Features besonders stark nachgefragt werden und deshalb Vorrang haben sollten. Außerdem können die Nutzer in solchen Gruppen in einen direkten Austausch untereinander treten und sich häufig gegenseitig Hilfestellung bieten.

Bei uns haben sich User-Communities als eine sehr effiziente Art erwiesen, bei größeren Testgruppen auch mit wenig Zeiteinsatz wertvolle Informationen zusammenzutragen. Wichtig ist es jedoch, dass User auch Priorisierungen vergeben können, beispielsweise für Störfälle. Und bei dringenden oder komplexeren Anliegen, Fragen und Problemen sollten Business-Analysten oder Developer unbedingt in den direkten Austausch mit den Nutzern treten.

Echtzeit: Usability-Tests tracken Nutzerverhalten

Bei herkömmlichen UX-Tests bittet man Tester auf der Grundlage verschiedener Designs, ihre Vorlieben bei der Navigation wiederzugeben. Die Schwierigkeit ist jedoch, diese Vorgehensweise zu skalieren. Viel effizienter und effektiver kann man Nutzerpräferenzen heute mit der Hilfe von Online-Tools tracken. Das geht nicht nur in Echtzeit, sondern vermittelt auch noch zusätzliche Eindrücke, beispielsweise über die präzise Anordnung von Funktionen. Wenn etwa auffällt, dass der Nutzer wiederholt in die obere rechte Ecke einer Online-Banking-Website zurückkehrt, ist er vielleicht auf der Suche nach einem Weg, sich auszuloggen. Dann sollten Entwickler diese Möglichkeit vielleicht prominenter zur Verfügung stellen und dies durch gezielte Tests verifizieren. Genauso verhält es sich, wenn ein User immer wieder über einen bestimmten Bereich fährt. Eventuell vermisst er dann ein Live-Feature, das er von einer anderen Oberfläche her kennt.

Über das Live-Tracking können Developer solche Nutzerverhalten viel schneller analysieren, entsprechende Design-Änderungen implementieren und direkt die Reaktion ablesen. Die gesamte UX-Entwicklung wird dadurch beschleunigt und noch nutzerzentrierter.

Checkpoints: Mehr Flexibilität für agile Projekte

In der agilen Softwareentwicklung sind definierte Ziele und fokussierte Sprints inzwischen Standard. Mitunter kann es dabei jedoch schwierig sein, diese mit kurzfristigen Kundenanforderungen in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund hat es sich bei unseren Projekten als sinnvoll erwiesen, neben dem größeren Meilenstein eines festen Sprints kleine Etappenziele oder Checkpoints ebenfalls für jedes Projektintervall festzusetzen. Denn während Sprintziele in der Regel unverändert bleiben, können Teilziele auch mal angepasst oder verschoben werden. Nehmen wir als Beispiel ein Szenario, bei dem ein Kunde ein Projekt gegenüber seinem Vorgesetzten präsentieren muss und dafür ein bestimmtes Feature benötigt. Das Feature ist vielleicht nicht als Ziel eines Sprints festgelegt, aber als Checkpoint kann man es innerhalb eines solchen trotzdem berücksichtigen und rechtzeitig realisieren.

Auf diese Weise kann man Kundenbedürfnisse flexibler einbeziehen und umsetzen. Statt die gesamte Projektplanung zeit- und ressourcenintensiv zu überarbeiten, lassen sich Teilziele einfach justieren. Bei unserer Entwicklung von Finanzapplikationen hat es sich bewährt, nicht mehr als fünf dieser kleinen Etappenziele innerhalb eines Entwicklungsintervalls auszugeben. Andernfalls würde sich das Team zu sehr auf die Checkpoints anstelle des Sprintziels fokussieren.

Fazit: Feedback lohnt sich

Die schnellere und bessere Umsetzung von Nutzeransprüchen optimiert die User Experience sichtlich und kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen. Aber das ist nicht das einzige Argument für die direkte Einbeziehung des User-Feedbacks. Die offene Kommunikation zeugt auch von absoluter Kundenorientierung. Sie bildet Vertrauen, stärkt die Loyalität und ist letztendlich das beste Verkaufsargument.

Geschrieben von
Maxson Tee
Maxson Tee
Maxson Tee ist Associate Product Manager bei Finastra. In dieser Position verantwortet er die unterschiedlichen Stufen der Produktentwicklung – von der Idee über die Planung bis hin zur Umsetzung. Während der gesamten Produktentwicklung arbeitet Maxson Tee eng mit Kunden zusammen, um Feedback zu sammeln, zu priorisieren und in den Prozess einfließen zu lassen. Er fungiert dabei oft als Vermittler zwischen Kunden und Entwicklern, um die besten Ergebnisse zu ermöglichen.
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