Die Ergebnisse des zehnten State of Agile Report

Agile handeln vs. Agile sein: Wo liegt der Unterschied?

Jan Weddehage

© Shutterstock / Rawpixel.com

Agile ist nicht gleich Agile. Es gibt einen Unterschied, ob man Agile handelt oder Agile ist. Doch was hat man sich unter den beiden Konzepten vorstellen? Und was ist überhaupt eine agile Unternehmenskultur? Ein kurzer Überblick, wie die Produktivität eines Unternehmens durch Agile-Methoden am besten gesteigert werden kann.

Was bedeutet agiles Handeln?

In seinem Artikel auf DZone verbindet Michael Sahota mit agilem Handeln das Anwenden unterschiedlicher Praktiken. Für ihn hat die Integration dieser Methoden eine Reihe von Vorteilen für Unternehmen zur Folge, die die Produktivität im Schnitt um 20 Prozent steigern können. Deshalb setzen ihm zufolge immer mehr Konzerne auf agile Praktiken.

Seine Annahmen werden von den Ergebnissen des zehnten State of Agile Report unterstützt. Agile-Methoden sind nicht mehr länger bloß in Startups und kleinen Unternehmen anzutreffen. Mehr als 24 Prozent der Befragten gaben an, in Organisationen zu arbeiten, die über 20.000 Beschäftige unterhalten. Ganze 95 Prozent bestätigten, dass Agile-Praktiken in ihrem Konzern zum Einsatz kommen. Demgegenüber waren nur ein Prozent der insgesamt 3.880 Teilnehmer mit den Ergebnissen einer agilen Ausrichtung unzufrieden.

Das dritte Jahr in Folge ist mit 62 Prozent die Beschleunigung der Produktlieferung der Hauptgrund, warum Unternehmen auf Agile-Methoden setzen. Mit 56 Prozent folgt auf Platz zwei die verbesserte Fähigkeit, mit wechselnden Prioritäten umgehen zu können. Ein Faktor, der aufgrund der wachsenden Marktanforderungen und Kundenerwartungen mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

Und auch weltweit gewinnt Agile an Bedeutung. Mit 56 Prozent sind die meisten Befragten in Nordamerika beschäftigt. 26 Prozent der Probanden arbeiten in Europa. Ganze 18 Prozent sind in Asien, Südamerika, Ozeanien und Afrika tätig. Neben den bereits genannten Gründen werden für die globale Verbreitung die Steigerung der Teamproduktivität und eine positive Außenwirkung des Projekts genannt.

Um den Erfolg der Methode zu messen, werden termingerechte Lieferung (58%), Produktqualität (48%) und Kundenzufriedenheit (46%) aufgeführt. Bei den Methoden führt Scrum mit 70 Prozent nach wie vor das Feld an. An zweiter Stelle liegt mit 27 Prozent das Agile Framework (SAFe).

Was bedeutet es, Agile zu sein?

Wie der Bericht jedoch offenbart, gibt es aber auch Schwierigkeiten. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass die Integration von Agile-Methoden zumeist an der herrschenden Unternehmenskultur scheitert. Ist diese Hürde einmal genommen, wird die fehlschlagende Umsetzung auf die mangelnde Erfahrung des Personals im Umgang mit agilen Praktiken zurückgeführt. Interessant ist hierbei, dass 63 Prozent der Probanden ihr agiles Wissen als kompetent einstuften.

Um einem möglichen Scheitern vorzubeugen, werden einheitliche Prozesse und Praktiken (43%), die teamübergreifende Implementierung eines einheitlichen Tools (40%) und die Konsultierung von Agile-Trainern (40%) von den Teilnehmern empfohlen. Agile-Methoden scheinen also meistens an sich selbst zu scheitern.

Folglich sind Agile-Praktiken dann am erfolgreichsten, wenn nicht nur nach ihnen gehandelt, sondern die gesamte Organisationskultur auf agile Ideen abgestimmt wird. Statt agile Methoden lediglich anzuwenden, sollten sie die persönliche Wahrnehmung der Mitarbeiter und das gemeinsame Miteinander innerhalb einer Organisation strukturieren. Agile sein bedeutet daher nicht allein Agile zu handeln, sondern gleichzeitig Agile zu denken.

Fazit

Eine agile Unternehmenskultur zeichnet sich in erster Linie nicht durch die blinde Integration agiler Methoden aus. Das ist zwar wichtig, aber bloß ein erster Schritt. Im Wesentlichen geht es bei Agile darum, das eigenverantwortliche Arbeiten der Mitarbeiter in einem dezentralen Netzwerk mit verteilten Zuständigkeiten zu stärken. Laut Sahota kann die Produktivität dadurch nicht allein um 20 Prozent, sondern sogar um das Dreifache gesteigert werden – Grund genug, um Agile zu sein.

Aufmacherbild: Agile Agility Nimble via Shutterstock / Urheberrecht: Rawpixel.com

Geschrieben von
Jan Weddehage
Jan Weddehage
Jan Weddehage studiert an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit März 2015 als Werkstudent bei Software & Support. Kontakt: jan[at]janweddehage.de
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