Agile, DevOps und Continuous Delivery – eine Bestandsaufnahme

Meyen: Kommen wir zurück zum Thema Tooling: Einige Entwicklungen kamen aus dem Java-Ökosystem, dessen Zukunft ungewiss ist. Soweit ich das einschätze, fehlen konkrete Signale von Seiten der offiziellen Java-Community, was die Zukunft betrifft. Was muss geschehen, um die JVM und das gesamte Ökosystem darum herum auf den neuesten Stand zu bringen, um auf die Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts vorbereitet zu sein? Ich entschuldige mich für diese ziemlich philosophische Frage!

Fowler: . die in der Tat sehr weitläufig ist. Obwohl wir glauben, dass die JVM ohne Zweifel eine sehr gute Plattform ist, stellt sich die eine oder andere Frage bezüglich der Sprache Java. Sie wird künftig das Problem sein. Wir beobachten bei unseren Kunden, und ermutigen sie immer häufiger auch dazu, dass sie andere Sprachen in Betracht ziehen. Wir haben interessante erste Schritte mit Scala gesehen und einige bescheidene mit Groovy. Das macht sich mehr indirekt als direkt bemerkbar. Aber es zeichnet sich deutlich ab, dass für viele Entwicklungsprojekte Java, im Übrigen nicht als erste Sprache, ersetzt werden wird.

Meyen: Die Sprache Java?

Fowler: Ja. Im Gegensatz dazu ist die JVM eine solide Plattform, mit der es sich gut arbeiten lässt.

Dörnenburg: Nicht zu vergessen: Wenn wir bei unseren eigenen Produkten, die wir bei ThoughtWorks entwickelt haben, die Wahl hatten, haben wir uns mit JRuby für eine andere Programmiersprache, aber trotzdem für die JVM entschieden, sowohl in Mingle, wo das ganze Projekt in JRuby geschrieben ist, als auch in Go, wo alle UIs in JRuby geschrieben sind.

Fowler: Vielleicht ist es um die Sprache Java besser bestellt, sobald Oracle sie mal in den Griff bekommt, aber .

Dörnenburg: .ich hatte dich nicht zu den Optimisten gezählt .

Fowler: .Ich sagte vielleicht. Es ist nicht ganz sicher, aber ich vermute, dass das Interesse an Alternativen zu Java größer werden wird. Java wird, davon gehe ich aus, für einen Großteil der Entwicklungen die sichere Option bleiben. Wie Cobol. Java ist das neue Cobol. Und die Teams, die richtig produktiv werden wollen, werden sich eine der anderen Sprachen aussuchen. Welche Sprachen sich letztendlich für welche Nischen eignen, wird interessant sein zu beobachten. Noch ist alles offen.

Dörnenburg: In vielerlei Hinsicht hat das Rennen noch gar nicht begonnen. Es kommen immer noch Wettkämpfer hinzu. Gavin King zum Beispiel mit Ceylon. Und JetBrains arbeitet an einer weiteren Sprache. Alle haben ein gutes Recht zu existieren. Vielleicht wird es nicht mehr die eine alles dominierende Sprache auf der JVM geben, sondern viele verschiedene Nischen. Andererseits ist es natürlich ein immenser Aufwand, die Tool Chain für eine Sprache zu entwickeln, also wird sich die Frage stellen, ob die Community oder Firmen eine ganze Handvoll Sprachen unterstützen können. Besonders weil diese sprachspezifisch und nicht JVM-spezifisch sind. Und JetBrains hat schon verlauten lassen, dass es unwahrscheinlich schwierig sei, eine gute IDE für Scala zu bauen. Nichtsdestotrotz ist zu beobachten, dass Scala bereits der Spitzenreiter in einem Rennen ist, für das der Startschuss noch nicht einmal gefallen ist.

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