Interview mit Eric Wittman von Atlassian

'Agile bedeutet eine Veränderung der Unternehmenskultur'

Hartmut Schlosser
© shutterstock.com/ iQoncept

Atlassian ist bekannt als Anbieter von Entwicklertools – mit JIRA als Flaggschiffprojekt. Mit Stash nahm Atlassian einen auf Git zugeschnittenen Repository Manager ins Programm. Im Interview erklärte uns Eric Wittman, bei Atlassian für Entwicklertools zuständig, warum man sich für diesen Schritt entschieden hat – und warum der Umstieg auf agile Methoden vielen Großunternehmen so schwer fällt.

JAXenter: Die IT ist im Wandel. Wo man auch hinblickt – überall wird ein Mehr an Produktivität verlangt, ein Mehr an Qualität, Sicherheit, aber auch an Innovationsfähigkeit und Wandelbarkeit. Wie sollten sich Unternehmen gegenüber diesen gesteigerten Anforderungen an eine IT verhalten? 

Eric Wittman: Die Verwendung von agilen Software-Entwicklungs-Praktiken ist die bei weitem bewährteste Herangehensweise für Firmen, um schnell qualitativ hochwertige Software zu liefern. Mit dem Ziel spezifisch zugeschnittene, voll funktionsfähige Software am Ende jeder Iteration (in der Regel 1 bis 2 Wochen lang) zu liefern, besitzt ein agiles Team die Flexibilität, relativ frühzeitig Innovationen zu demonstrieren und seine Pläne leicht an die sich verändernden Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen.

Agile bedeutet vor allem eine Veränderung der Unternehmenskultur, und dieser Kulturwandel ist es, der die Annahme von Agile für Großunternehmen mit eher traditionellen Softwareentwicklungsmethoden so herausfordernd macht. Man muss sich damit anfreunden, den Entwicklungsteams die Freiheit zu lassen, die Arbeit in jeder Iteration selbst zu organisieren – nicht nur, wer was macht, sondern auch wie viele Ressourcen das Team einsetzt.

Agile bedeutet vor allem eine Veränderung der Unternehmenskultur, und dieser Kulturwandel ist es, der die Annahme von Agile für Großunternehmen mit eher traditionellen Softwareentwicklungsmethoden so herausfordernd macht.

JAXenter: Weshalb ist es wichtig für Unternehmen, Trends wie DevOps oder Continuous Delivery ernst zu nehmen? 

Wittman: Continuous Delivery (CD) ist eine Praxis, die agile Software-Entwicklung auf den nächsten Level bringt. CD automatisiert, wie ein Team seine Software verschickt, um die bestmöglichen Produkte schnellstmöglich an die Kunden zu liefern. Anstatt auf lange Zyklen zu warten, um Funktionen und Verbesserungen zu liefern, integriert CD die Code-Änderungen unverzüglich für die Prüfung und letztendliche Bereitstellung. Unternehmen mit einer ausgereiften CD-Implementierung sind besser in der Lage, den steigenden Anforderungen aus der Wirtschaft zu begegnen und die üblichen Problemfelder bei der Kollaboration zwischen Entwickler- und Operations-Teams zu beseitigen.

JAXenter: Atlassian ist bekannt als Anbieter von Entwicklertools – mit JIRA als Flaggschiffprojekt. Weshalb hat sich Atlassian entschieden, mit Stash einen auf Git zugeschnittenen Repository Manager ins Programm zu nehmen? 

Wittman: Es ist uns schon immer ein Anliegen gewesen, Software-Teams bei der Zusammenarbeit zu unterstützen, um bessere Programme zu entwickeln, und wie Sie wissen, ist JIRA das Schlüsselelement für die Verfolgung und Planung von Projekten. Der andere große Teil der Software-Entwicklung ist die Kollaboration beim Code selbst. Da die wahre Stärke von Git seine Fähigkeit ist, auf Code-Ebene zusammenzuarbeiten, war die Einführung von Stash und Bitbucket, also Source-Code-Management-Lösungen auf der Git-Basis, ein natürlicher Schritt.

JAXenter: Soeben ist Stash 3.0 erschienen. Was ist neu? 

Wittman: Wenn ein Unternehmen wächst, verteilen sich Software-Teams immer weiter, sodass sie nicht mehr nur in verschiedenen Zeitzonen, sondern auch in mehreren Sprachen arbeiten. Wir sehen dieses Muster  hier bei Atlassian, also haben wir uns bei der Weiterentwicklung von Stash darauf konzentriert, die Zusammenarbeit für Teams zu vereinfachen, die über die  ganze Welt verteilt sind. Stash ist jetzt in drei Sprachen verfügbar – inklusive Deutsch. Wir suchen weiterhin nach Möglichkeiten, um Entwicklern in unterschiedlichen Zeitzonen die Kollaboration zu erleichtern – ob es um Code-Reviews mit Branch-Vergleichen oder die Einführung von Inline-Kommentaren geht – wir bemühen uns stets, eine ideale Umgebung für Software-Entwicklung zu schaffen.

JAXenter: Was steht für die nächste große Stash-Version auf der Roadmap? 

Wittman: Obwohl wir hier nicht in die Details gehen können, liegt unser Hauptschwerpunkt darauf, wachsenden Teams weiterhin bei der Git-Adaption und Integration in ihre Entwicklungsabläufe zu helfen und große Teams mit Zehntausenden von Entwicklern, die an Tausenden von Software-Projekten arbeiten zu unterstützen.

JAXenter: Bitbucket ist der Web-basierte Hosting Service von Atlassian. Warum sollte ein Projekt auf Bitbucket setzen und nicht auf GitHub?

Wittman: Bitbucket ist für Teams gemacht – vor allem in Unternehmen, die kommerzielle Anwendungen programmieren. Es ist von entscheidender Bedeutung für Entwickler, die Wert auf Sicherheit legen und die Berechtigungen auf Branch-Ebene verwalten wollen. Bitbucket erlaubt es,  Arbeit mit mehreren privaten Repos und Integrationen mit dem Atlassian Portfolio an Software-Produkten anzupassen. Mit Bitbucket können Teams in der Cloud mit Repos experimentieren und sie dann mit Stash auf den lokalen Server migrieren, sie haben außerdem die Wahl zwischen Mercurial und Git. Und das sind nur ein paar der Gründe.

JAXenter: Was sind für Atlassian insgesamt die nächsten großen Themen, die das Unternehmen angehen möchte?

Wittman: Wir entwickeln neue Produkte, die Software- und Business-Teams besser zusammenarbeiten lassen um ihre Arbeit zu erledigen und wir haben einige aufregende Neuigkeiten in den nächsten Monaten. Halten Sie die Augen offen!

Eric Wittman ist Dev Tools General Manager bei Atlassian. 

 

 

Aufmacherbild: „Hello I Am Agile Name Tag Sticker Ability Quick Change“ von shutterstock.com / Urheberrecht: iQoncept

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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