Viele Versionen und Kombinationen

Adobe Photoshop CS3

Heico Neumeyer

So viele CS3-Varianten wie diesmal gab es noch nie. Allein Photoshop CS3 erscheint in zwei verschiedenen Fassungen. Dazu kommen unterschiedlichste CS3-Programmpakete – weit mehr als bisher, da Adobe diesmal auch neu erworbene Macromedia-Programme wie Dreamweaver, Fireworks und Flash in verschiedenen Konstellationen mit anbietet.

Schon länger kursierte Photoshop CS3 in einer öffentlichen Betaversion. Erst jetzt stellte Adobe jedoch seine Pläne für zwei getrennte Photoshop-Fassungen vor. Zudem konnten wir eine neuere Betaversion testen, die über die bisher bekannte Vorserienfassung deutlich hinausgeht.
Photoshop CS3 erscheint in zwei Varianten: Eine Fassung heißt – je nach Verlautbarung von Adobe – schlicht „Photoshop CS3“ oder „Photoshop CS3 Standard“. Sie kostet wie üblich rund 1100 Euro und enthält alle wichtigen Verbesserungen für Bildbearbietung und Fotomontage.

Dagegen schlägt der neue „Photoshop CS3 Extended“ mit rund 1600 Euro zu Buch. Diese Fassung enthält den kompletten „Standard“-Photoshop, bietet darüber hinaus aber viele neue Features für 3D, Videobearbeitung und das Ausmessen und Zählen von Bildinhalten; sie richtet sich also vor allem an Wissenschaftler, Architekten, Designer und Filmbearbeiter.
Beide Fassungen sollen am 5. Mai erscheinen, ebenso wie viele neue Creative-Suite-Ausgaben (siehe unten).

Photoshop CS3 erscheint in zwei Versionen und mit einer runderneuerten Programmoberfläche
Das kann Photoshop CS3 Standard

Bereits die „Standard“-Ausgabe von Photoshop CS3 enthält viele Neuheiten für Bildbearbeitung und Fotomontage. Wer für Video oder 3D ohnehin nicht auf Photoshop setzt, braucht die „Extended“-Version nicht. Zu den interessantesten neuen Features zählen ein schnelleres Auswahlwerkzeug, das Angleichen von Ebeneninhalten und eine verbesserte Oberfläche. Auch die Bilddatenbank Bridge hat dazu gelernt, dagegen liegt das separate Programm ImageReady nicht mehr bei.

Die vielleicht wichtigste Änderung sind die verlustfreien Filter. Scharfzeichner, Weichzeichner, Entstörer oder beliebige Effektfilter lassen sich ähnlich wie die bekannten Einstellungsebenen anwenden: Das Foto erscheint verändert, doch das Original steht jederzeit zur Verfügung. Die Filter liegen dabei als Objekt in der Ebenen-Palette, man kann sie umstellen, abschwächen oder abschalten. Alle Filter eines Bildes erhalten eine gemeinsame Ebenenmaske, sodass sich die Filterwirkung auf einzelne Bildzonen beschränken lässt. Einige Kontrastkorrekturen, die bisher nicht als Einstellungsebene zur Verfügung standen, lassen sich ebenfalls als „Smart Filter“ einsetzen – die „Variationen“ und „Tiefen/Lichter“ zur Rettung starker Fehlbelichtungen.

Die neuen Smart Filter wenden Filter-Effekte an, lassen sich aber jederzeit ändern oder abschalten

Für Kopierstempel und Reparaturpinsel liefert Photoshop CS3 eine neue Palette, die sich bis zu fünf verschiedene Kopierquellen merkt. Der kopierte Bereich lässt sich zudem skalieren, drehen und noch vor dem Farbauftrag blass als Vorschau einblenden.
Das neue Schnellauswahl-Werkzeug schickt den altgedienten Zauberstab in den Ruhestand. Auch in komplexen Figuren findet diese Funktion verblüffend genau die gewünschten Umrisse. Und solche Auswahlen lassen sich jetzt auch leichter verfeinern: Alle Funktionen zum Glätten, Verkleinern oder Abrunden fasst Photoshop in einem einzigen übersichtlichen Dialogfeld zusammen. Und das liefert mit einer schwarzen oder weißen Maske gleich eine Live-Vorschau der aktuellen Reglerstellung. Verblüffend auch Photoshops neue Kunst, Tonwerte und sogar Konturen mehrerer Bildebenen anzugleichen. So lassen sich Gruppenfotos oder HDR-Aufnahmen viel besser komponieren. Die neue Technik führte auch zu einem stark vereinfachten Photomerge-Dialog für Panorama-Montagen.

Vielseitiger als bisher erscheint die Gradationskurve. Das Dialogfeld zeigt jetzt auch ein Diagramm und Regler zur Erweiterung des Tonwertumfangs an. Damit braucht man den bekannten Tonwertkorrektur-Befehl mit seinem Histogramm seltener als zuvor. Im Gradationsdiagramm erscheinen auf Wunsch erstmals mehrere Kurven für die Gesamthelligkeit wie auch für alle Einzelfarbkanäle. Erstmals speichert die Gradationskurve eigene Vorgaben zudem über ein bequemes Klappmenü. Das lästige „Laden“ von Gradationsvorgaben ist passé.

Mehr Übersicht und mehr Funktionen als zuvor bietet die Gradationskurve

Der neue Schwarz-Weiß-Befehl ersetzt den Kanalmixer bei der Produktion von fein abgestimmten Graustufenbildern. Regler steuern den Anteil von sechs Grundfarben am Graustufen-Ergebnis, zusätzlich lässt sich das Bild tonen. Man kann die Funktion auch als Einstellungsebene über das Bild legen, sodass das Orginal erhalten bleibt.
Die Funktion zum Import von Camera-Raw-Dateien wirkt mehr und mehr wie ein eigenständiges Programm: Die Korrekturmöglichkeiten wurden weit ausgebaut, und erstmals verarbeitet das Dialogfeld auch JPEG- und TIFF-Dateien. Neu sind Regler, die ausgefressene Lichter und abgesackte Schattenpartien korrigieren, ähnlich dem bekannten Befehl „Tiefen/Lichter“ aus Photoshop. Ein völlig neues Register korrigiert acht einzelne Farbbereiche, und eigene Voreinstellungen lassen sich erstmals als Presets speichern. Noch nicht in der öffentlichen Beta zu sehen waren die Retuschefunktionen des Raw-Dialogs: Hier gibt es jetzt Retuschemöglichkeiten für Flecken und rote Augen, außerdem eine Horizontkorrektur. Auch TIFFs und JPEGs lassen sich mit verlustfreien Änderungen im DNG-Format speichern und so auch an Lightroom weitergeben.
Wichtige Fortschritte macht die Bedienung. Paletten docken endlich am rechten Fensterrand an und teilen sich die Monitorfläche automatisch optimal auf.

Photoshop sowie die runderneuerte Fassung der Bilddatenbank Bridge bieten noch eine weitere Möglichkeit: Man verbannt alle Paletten wie üblich mit der Tab-Taste. Anschließend führt man die Maus über den rechten oder linken Rand des Programmfensters, und die Paletten erscheinen wieder. Sie tauchen erneut ab, sobald man nicht in einer Palette, sondern in der Bilddatei selbst arbeitet.
Die Oberfläche von Bridge zeigt noch mehr Fortschritte: Die Filter-Palette schränkt die Zahl der angezeigten Fotos ein. So kann man Bilder je nach Wertung, Aufnahmedatum, Seitenverhältnis oder Dateityp herausfiltern. Mehrere Eigenschaften lassen sich zudem kombinieren. Überflüssige Fotos blendet Bridge nun aus, ohne dass man sie löschen oder verschieben muss.

Im Vorschaubereich zeigt Bridge nun bis zu neun Aufnahmen – ideal für Vergleiche. Hier gibt es auch die neue Bildschirmlupe mit einem Bildausschnitt in der 100-Prozent-Zoomstufe. Nur so kann man Schärfe oder Rauschen korrekt beurteilen. Aufnahmeserien fasst Bridge zudem als „Stapel“ zusammen, sodass mehr Platz für andere Fotominiaturen bleibt.

Deutlich erweitert wurde auch die Bilddatenbank Bridge

Als völlig neues Programm innerhalb des Photoshop-Pakets erlaubt Device Central CS3 die Produktion von Inhalten für Handys und andere Kleingeräte. Eine Internetdatenbank soll alle Informationen für beliebige Geräte liefern, darunter Auflösung und Farbtiefe des Displays sowie die Flashtauglichkeit. Bei der Vorschau berücksichtigt das Programm auch Spiegelungen im Display und Bildschirmschoner.

ImageReady ist „raus“

Damit liefert bereits Photoshop CS3 Standard viele beachtliche Neuerungen, die ein Update in der Regel rechtfertigen. Komplett „raus“ ist allerdings das separate Programm ImageReady, das sich vor allem an Webdesigner richtete.

Zwar hat Photoshop nach und nach die meisten Funktionen von ImageReady übernommen, darunter Slices, Imagemaps, Rollover-Effekte und Animationen. Dennoch verliert Photoshop mit dem Wegfall von ImageReady ein paar Talente dauerhaft. So zeigte nur ImageReady eine Vierfach-Vorschau mit verschiedenen Bildqualitäten, während die Datei noch bearbeitet wurde. Nur ImageReady bot die bedingten Aktionen: eine Stapelverarbeitung wird nur ausgeführt, wenn das Bild bestimmte Kriterien erfüllt, zum Beispiel ein bestimmtes Datum oder Seitenverhältnis. Eine andere ImageReady-Spezialität war die gewichtete Speicherung: JPEGs oder GIF-Dateien verwendeten für das Hauptmotiv eine geringere Datenkomprimierung als für den Hintergrund; die Ergebnisse überzeugten jedoch nie.

Nur in Photoshop CS3 Extended

Vor allem an Forscher, Architekten, Designer und Videobearbeiter richtet sich die erweiterte Ausgabe Photoshop CS3 Extended. Sie bietet den kompletten Lieferumfang von Photoshop CS3 Standard und setzt noch Spezialfunktionen obendrauf. So kann man das CAD-Dateiformat U3D, aber auch AVIs und MPEG-4-Videos direkt öffnen, bearbeiten und speichern. Das gilt natürlich auch für Flash-Videos. 3D-Modelle wie 3DS, OBJ, Collada und KMZ lassen sich direkt innerhalb von Photoshop drehen und bearbeiten. Auch die Texturen auf diesen Modellen kann man mit allen Photoshop-Werkzeugen verändern.
Auch den Fluchtpunkt-Filter haben die Programmierer ausgebaut. Schon in der Standard-Ausgabe hat diese Funktion dazugelernt: Erstmals überzieht der Filter mehrere Ebenen in einem Durchgang mit neuen Flächen, außerdem müssen diese Flächen nicht im rechten Winkeln zueinander stehen – eine frei aufgeklappte DVD-Hülle tut es auch. In der Extended-Version kann man das Ergebnis ausmessen und als 3D-Modell in den Formaten 3DS oder DXF exportieren.

Die neuen Animationsmöglichkeiten und die ausgebaute Animationspalette gibt es nur in Photoshop CS3 Extended

Völlig neue Möglichkeiten bietet Photoshop CS3 Extended auch für den Video-Workflow. Erstmals lassen sich Malwerkzeuge oder Ebenen über alle Frames einer Animation hinweg einsetzen. Die Animationspalette zeigt dazu auf Wunsch erstmals eine Zeitleiste nach Art von Premiere Pro oder After Effects. Das Ergebnis lässt sich verlustfrei im Photoshop-PSD-Format sichern.

Dazu kommen die neuen Messfunktionen von Photoshop CS3 Extended – auch erkennbar an dem völlig neuen „Analyse“-Hauptmenü. So misst das Programm Entfernungen und Flächen, eignet sich aber auch zum Auszählen von Bakterienkulturen in Mikroskopaufnahmen. Die Ergebnisse erscheinen in einer neuen, umfassenden Palette für Messergebnisse. Unterstützt wird auch das DICOM-Format aus dem Medizinbereich, das auch mehrere Bilder gleichzeitig enthalten kann.

Preise und Termine

Für den Marktstart am 5.5. präsentiert Adobe eine ganze Palette an Einzelprogrammen und Paketlösungen, alle mit dem CS3-Logo (siehe auch Tabelle). Photoshop CS3 Standard soll in Deutschland rund 1100 Euro kosten, das ist weitaus mehr als die erwarteten 650 Dollar netto in den USA. Allerdings dürfte die englischsprachige Version zu günstigen Preisen auch in Deutschland erhältlich sein. Photoshop CS3 Extended soll 1600 Euro teuer werden.
Updateberechtigt sind alle Photoshop-Versionen ab Photoshop 7, also auch Photoshop CS und Photoshop CS2. Den Updatepreis für die Standard-Ausgabe gibt Adobe mit 300 Euro an, ein Update auf die Extended-Fassung dürfte etwa 650 Euro kosten.

Dazu bietet Adobe diesmal sechs verschiedene „Creative Suites“ der Reihe 3 an. Sie umfassen je nach Version auch frühere Macromedia-Programme wie Dreamweaver, Flash und Fireworks. Alle Programmpakete mit dem Zusatz „Premium“ enthalten dabei Photoshop CS3 Extended – so „CS3 Design Premium“, „CS3 Web Premium“, „CS3 Production Premium“ sowie die alles umfassende „Master Collection“. Das einzige Programmpaket, in dem nur Photoshop CS3 Standard steckt, heißt „CS3 Design Standard“; es enthält noch Illustrator CS3, InDesign CS3 und Acrobat 8 Professional und dürfte rund 2000 Euro brutto kosten. Dagegen kommt das Paket „CS3 Web Standard“ ohne Photoshop aus, es enthält für die Bildbearbeitung nur Fireworks.

Alle Programmversionen und Pakete auf einen Blick

Die ca. Nettopreise:

  • Photoshop CS3 Standard: 900 Euro (Vollversion), 250 Euro (Upgrade)
  • Photoshop CS3 Extended: 1350 Euro (Vollversion), 550 Euro (Upgrade)
  • CS3 Design Premium: 2200 Euro
  • CS3 Design Standard: 1700 Euro
  • CS3 Web Premium 1900 Euro
  • CS3 Web Standard: 1000 Euro
  • CS3 Production Premium: 2200 Euro
  • CS3 Master Collection: 3000 Euro
Geschrieben von
Heico Neumeyer
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