Adieu Google: Weshalb Tim Bray den Suchgiganten verlassen musste

Hartmut Schlosser

IT-Urgestein Tim Bray verlässt Google. Bray war einer der Väter des XML-Standards und von 2004 bis 2010 Director of Web Technologies bei Sun, bevor er sich bei Google mit Android und dem Google Identity Toolkit (GITkit) beschäftigte. Ein neuer Job hat Bray noch nicht in Aussicht.

Auslöser für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Google war offenbar die Weigerung Brays, seinen Wohnort von Vancouver nach Kalifornien zu verlegen. In einer Haltung, die an Yahoo!-CEO Marissa Mayer erinnert, hatte Google die Fortsetzung der Fernarbeit abgelehnt, wie Bray in seinem Blog berichtet. Die Trennung ist dabei wohl in gegenseitigem Einverständnis und, wie Bray schreibt, unter fairen Bedingungen abgelaufen.

Bray geht sogar soweit, Google in der Sache zuzustimmen: Er selbst wäre in seinem Job effektiver gewesen, hätte er vor Ort als Teil des Teams gewirkt. Und vor allem würde er seine Arbeit mehr genossen haben. Remote in einem verteilten Team zu arbeiten – das gehe sicherlich zu einem gewissen Grad, doch wie weit man dieses Modell skalieren könne, das wisse Bray nicht.

Seine Arbeit bei Google bezeichnet Bray durchaus als fruchtbar, schließlich habe man dort die Möglichkeit, das gesamte Internet mit zu beeinflussen. Und vom Internet und seinen Interaktionen mit der Welt ist Bray auch am meisten fasziniert: Identity-Protokolle wie OAuth, funktionale Programmierung und Augmented Reality wecken sein Interesse – nicht aber das Internet der Dinge, Big Data oder Gamification. Eine echte Life-Changer-Technologie sieht Bray derzeit aber nicht, sodass man ihn wahrscheinlich nicht als Evangelist für irgendein Startup sehen wird, wie das bei manch anderem IT-Sugar-Daddy der Fall ist. 

In einer Seitennote beschreibt Bray übrigens auch, warum er nicht in die Bay Area ziehen will:

Because my heart is in Vancouver, its greens and greys and unfussily variegated people, and in Canada. Plus I find the Bay Area congested, racist, incestuous, and overpriced. So I was never really tempted.

Interessant wäre es natürlich gewesen, mehr Interna über Google zu erfahren. Doch zu diesem Thema hält sich Bray noch bedeckt. Er denke nicht, dass Google „böse“ sei, doch solle man mit dieser Frage ruhig später nochmals auf ihn zurückkommen:

Google is actually evil, right? · I don’t think so; but get back to me later. I shouldn’t write too much about Google in-the-large until I’ve got more perspective.

 Auf jeden Fall wird Bray weiter bloggen – und so wird mitzuverfolgen sein, wie sich Brays Haltung zum Suchmaschinen-Riesen mit etwas mehr Abstand verändern wird.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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