… Auch scheinbare Kleinigkeiten, wie unterschiedliche Bezeichnungen für dieselben Informationen in unterschiedlichen Anwendungen – zum Beispiel „Personalnummer“ und „Mitarbeiternummer“ – können Probleme aufwerfen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass, wie bereits erwähnt, die Anzahl der Datentransformationen mit der Anzahl der zu verbindenden Anwendungen exponentiell wächst. Die Kopplung zwischen den im vorgestellten Beispiel beteiligten Anwendungen ist ein Maß dafür, welche Annahmen die Applikationen untereinander treffen müssen, um zusammenarbeiten zu können.

Das Beispiel zeigt, dass die Programme an vielen Stellen Annahmen machen müssen. Es besteht folglich eine starke Kopplung. Jede Anwendung muss wissen, welche Anwendung sie entsprechend den Geschäftsregeln aufrufen muss und welche Datentypen und Formate sie benötigt. Die Kommunikation zwischen den Anwendungen ist im Hinblick auf die Datenformate und Datentypen in den meisten Fällen nicht standardisiert und zu klein granuliert. Die im Beispiel zum Einsatz kommende Variable x dient dafür als Beleg.
Bleibt festzuhalten: Die starke Kopplung zwischen Anwendungen und das Fehlen von Standards für den Datenaustausch haben zu starren und unflexiblen IT-Landschaften geführt, bei denen geschäftsprozessrelevante Änderungen nur durch aufwändiges Programmieren der Ablauflogik innerhalb verschiedener Anwendungen möglich sind. Das Ändern und Ersetzen von Teilsystemen ist äußerst aufwändig und kann „gefährliche“ Nebenwirkungen nach sich ziehen, indem Annahmen verletzt werden. Eine Wiederverwendung von Software-Modulen in verschiedenen Prozessen ist bei enger Kopplung daher äußerst kompliziert (Abbildung 3). Enorme Wartungskosten und unzureichende Flexibilität und Agilität der Prozesse und damit der Unternehmen sind die Folge.

Abb. 3: Eine starre Kopplung macht die Wiederverwendung sehr schwierig
Agilität als Unternehmensziel

Eines der obersten Ziele eines Unternehmens sollte die Agilität sein. Da die Geschäftsprozesse zum größten Teil durch IT-Prozesse implementiert werden, muss die IT und die von ihr bereitgestellte Software flexibel sein. Im Vordergrund steht das Verlangen nach Software „For Change“, nach Wiederverwendung der IT-Werte, und nach einer Zusammenarbeit von Fachbereich und IT. Die Serviceorientierung bietet einen Lösungsweg an, der durch eine Service Orientierte Architektur (SOA) umgesetzt werden kann. Serviceorientierung ist ein Lösungsansatz für agile Unternehmen und einer flexiblen IT. Dabei ist der Begriff Serviceorientierung nicht nur als IT-Begriff zu verstehen. Im Folgenden sollen die notwendigen Begriffe im Umfeld Serviceorientierung daher zuerst losgelöst von der IT definiert werden.

Als Kernelement der Serviceorientierung dient der Service (Dienst). Dies ist kein IT-Begriff, sondern eine Bezeichnung eines generellen Ansatzes, um technische und im Allgemeinen hochkomplexe IT-Details von den fachlichen Aspekten fernzuhalten. Ein Service ist die Repräsentation einer Ressource, die einen Output liefert, einen Input benötigt und deren Capability (Fähigkeit) klar definiert werden kann. Wenn Unternehmen in einer Geschäftsbeziehung stehen, liefert das eine Unternehmen etwas und agiert als Service-Lieferant (Service Provider) und das andere Unternehmen konsumiert etwas und agiert als Service-Konsument (Service Consumer). Beide beziehen sich in ihrer Geschäftstätigkeit auf einen Vertrag (Contract), der einzuhaltende Standards definiert. Ein Vertrag beinhaltet aber weder die Lieferung der Serviceleistung noch die Beschreibung, wie die Serviceleistung erbracht oder konsumiert wird, sondern nur eine Beschreibung der Rahmenbedingungen, d.h. er beinhaltet Metadaten. Der Umfang, in dem Service-Lieferant und Service-Konsument abhängig von Informationen des inneren Arbeitens des anderen sind, heißt Kopplung. Ist ein Vertrag das einzige, was Service-Lieferant und Service-Konsument voneinander wissen müssen, liegt eine lose Kopplung vor. Serviceorientierung ist damit die Art, wie ein Unternehmen seine Ressourcen als flexible, lose gekoppelte Fähigkeiten betrachtet, die sich erzeugen, finden, kombinieren und auf sich zugreifen lassen.

Lose Kopplung von Services

Ein Composite Service besteht aus Services, die, entsprechend der Service-Verträge, lose gekoppelt zusammengebaut wurden. Dabei wird der Ablauf der Serviceaktivitäten durch einen Service Oriented Process (Service-Orchestrierung) definiert. Ein Service Oriented Process wird selbst zum Service und kann als Composite Service zur weiteren Composition verwendet werden. …

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.